05. Dezember 2018 / 08:06 Uhr

Giovane Elber über Uli Hoeneß: „Auf diesen Mann lasse ich nichts kommen“

Giovane Elber über Uli Hoeneß: „Auf diesen Mann lasse ich nichts kommen“

Guido Schäfer
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Auf der Weihnachtsfeier des SC DHfK Handball: Geschäftsführer Karsten Günther begrüßt „ Weihnachtsmann“ Guido Schäfer und Überraschungsgast Giovane Elber, der über den SC-DHfK-Sponsor ALLIANZ den Weg nach Leipzig gefunden hatte.
Auf der Weihnachtsfeier des SC DHfK Handball: Geschäftsführer Karsten Günther begrüßt „ Weihnachtsmann“ Guido Schäfer und Überraschungsgast Giovane Elber, der über den SC-DHfK-Sponsor ALLIANZ den Weg nach Leipzig gefunden hatte. © SC DHfK Handball
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Überraschung auf der Weihnachtsfeier des SC DHfK Leipzig: Ex-Bayern-München-Stürmer Giovane Elber baute die gebeutelten Handballer auf und und nahm sich Zeit für ein Interview mit dem SPORTBUZZER.

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Leipzig. Die Handballer des SC DHfK sind in der Schaffenskrise, die Club-Bosse spielten mit dem Gedanken, die Weihnachtsfeier abzusagen. Es wurde dann doch gefeiert – bei den Thomanern, auf dem Weihnachtsmarkt und im siebten Stock der Alten Post. Dort zauberte DHfK-Macher Karsten Günther einen prominenten Stargast aus dem Ärmel: Giovane Elber. Der frühere Superstar des FC Bayern ist Markenbotschafter des Rekordmeisters, hilft brasilianischen Straßenkindern, und kam auf Vermittlung von FC-Bayern-Anteilseigner Allianz nach Leipzig. Der Versicherer ist auch Sponsor der Handballer. Elber sprach den Männern von André Haber Mut zu, appellierte an den Teamgedanken und hinterließ wild entschlossene Hünen. Am Rande der Feier sprach Rinderzüchter Elber, 46, mit dem SPORTBUZZER über seine Welt-Karriere, Gott, Olli, Effe, RB und die Welt.

Wer war der beste Fußballer, mit dem Sie gekickt haben?

Schwere Frage, ich hatte mit vielen sensationellen Fußballer das Vergnügen. Krassimir Balakov steht jedenfalls ganz weit oben. Bei ihm hatte der Ball Augen. Bala war hammergeil, hätte mit 40 noch Bundesliga spielen können, lebte für den Sport, war ein einziger Muskel. Ein 100-prozentiger Profi.

DURCHKLICKEN: Weihnachtsfeier des SC DHfK Handball

Auf der Weihnachtsfeier des SC DHfK Handball: Die Profi-Handballer waren beim weltbekannten Thomanerchor zu Gast. Zur Galerie
Auf der Weihnachtsfeier des SC DHfK Handball: Die Profi-Handballer waren beim weltbekannten Thomanerchor zu Gast. ©
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In München gab Stefan Effenberg den Takt an. Guter Mann?

Sehr guter Mann. Ich habe sehr gern mit Stefan gespielt. Er hatte nie Angst, ist immer vorneweg marschiert, hat sich mit Gott und der Welt angelegt. Als wir daheim gegen ManU gespielt haben, sagte er vorher zu mir, dass er sich in der ersten Minute den Beckham holt. Ich fragte: Effe, wie meinst Du das? Nach 30 Sekunden wusste ich, wie er er es gemeint hatte. Er hat Beckham mit Ball weggegrätscht, sich danach über ihn gebeugt und ihm noch ein paar Worte gesagt. In Manchester hat er sich dann Roy Keane geholt. Roy Keane, das muss man sich mal vorstellen! Effe war auf dem Platz und in der Kabine wichtig, hatte eine Super-Mentalität.

Wie gut konnten Sie mit Mario Basler?

Supergut, Mario habe ich geliebt. Ein Super-Fußballer, blitzschnell, mit dem besten rechten Fuß der Bundesliga, immer lustig. Vielleicht hätte er mehr aus sich herausholen können, aber all die Verrücktheiten gehörten bei ihm dazu. Er ist zufrieden mit seiner Karriere. Bei einem Pokalspiel im Nürnberg haben wir zur Halbzeit 4:0 geführt und Giovanni Trapattoni wollte eine Ansprache halten. Er zählte durch, einer fehlte. Trap fand Mario auf der Toilette, rauchend. Der Mister war außer sich. Mario sagte: „Coach, wir führen 4:0, da geht nix mehr schief!“

Baslers Ausdauerwerte sollen jenen eines Keglers entsprochen haben.

Nach einem Champions-League-Spiel kam Mario zum Teamessen ins Restaurant und berichtete, dass er sich gerade den ersten Krampf seines Leben aus dem Bein gedrückt hat. Markus Babbel sagte, dass wir alle nach jedem Spiel Krämpfe kriegen und Mario wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben gerannt ist.

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Wie haben Sie Oliver Kahn erlebt?

Olli war verrückt, trainierte wie ein Tier, war immer fokussiert. Er war kein Naturtalent, arbeitete Tag und Nacht an sich und wurde so zum besten Torhüter der Welt.

2001 hat er im Champions-League-Finale gegen den FC Valencia drei Elfmeter gehalten. Wie wild war die Partie hinterher?

Ziemlich wild. Nur Olli brauchte Zeit, um auf Touren zu kommen. Ich habe ihm gesagt, dass er Champions-League-Sieger ist und es krachen lassen darf. Er meinte, dass er das Spiel erst nochmal vor seinem inneren Auge durchspielen will. So war er, der Olli.

Wer war Ihr härtester Gegenspieler?

Jürgen Kohler. Der war extrem gut im Zweikampf. Hart und fair. Da gab es keinen Ellenbogen im Gesicht. Gegen Jürgen Kohler und Julio Cesar in Dortmund - vielen Dank auch.

Cesar war schon Mitte 30 und Sie Mitte 20, als Sie die Klingen kreuzten.

Giovanni Trapattoni war auch der Annahme, dass Julio alt und nicht mehr der Schnellste war. Ich sollte also immer wieder ins eins gegen eins gehen. Nachdem ich zweimal wie gegen eine Wand gerannt bin, habe ich mal schön den Ball abgespielt.

Apropos Hitzfeld. Wer war der Beste Ihrer Trainer?

Man konnte von allen etwas lernen, aber der Beste war Ottmar. Ein wunderbarer Trainer und Mensch. Er hat eine sehr gute Beziehung zu uns Spielern, konnte sich gut in jeden Einzelnen herein versetzen. Ottmar war Trainer, Vater, Freund, Psychologe.

Wie hat er Sie nach dem Last-Second-1:2 gegen Manchester United 1999 in Barcelona aufgebaut?

Beim Bankett hat Franz Beckenbauer gesprochen und allen Anwesenden den Konsum von möglichst viel Alkohol empfohlen. Der Tag danach war grauenhaft. Dicker Kopf, Finale verloren, ich hatte absolut keinen Bock mehr auf Fußball. Ottmar hat uns vorm Urlaub zu sich geholt und gesagt, dass wir stolz auf uns sein können. Und dass wir wieder in einem Finale stehen werden. Zwei Jahre später haben wir den Pott geholt. Wir hatten keinen Figo, Zidane oder Beckham, aber das beste Team und den besten Trainer.

Ein Trainerjob...

...um Gottes Willen, das kam für mich nie in Frage.

Uli Hoeneß und der FC Bayern haben schon schönere Zeiten erlebt.

Wer viel macht, macht auch Fehler. Ich habe Uli als Mann mit großem Herzen kennengelernt. Als die Bayern 2003 Roy Makaay für mich geholt haben, hat mir Uli seine Handynummer, seine Büronummer, die von daheim und die in der Wurstfabrik gegeben und mir gesagt, dass ich ihn Tag und Nacht anrufen kann. Ich lasse auf diesen Mann nichts kommen.

Wie waren die Vertragsverhandlungen mit Hoeneß?

Kurz und knapp. Uli nannte eine Zahl und ich nahm den Kugelschreiber.

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Weil die Zahl Ihre Gehaltsvorstellung übertraf?

Ja, das kam vor.

Neun Punkte Abstand auf Dortmund sind...

...eine Menge, aber nicht uneinholbar. Dortmund macht es richtig gut, hat einen Lauf – und ab und zu auch Matchglück. Wer die Bayern abschreibt, macht einen Fehler.

Wie schätzen Sie RB Leipzig ein?

Gute Mannschaft, schnelle, talentierte Spieler und ein überragender Trainer. Ich kenne Ralf Rangnick ewig, er war zu meiner Stuttgarter Zeit mein Reha-Trainer. Ich hatte eine Fuß-OP hinter mir und Ralf hat mich fit gemacht. Das Programm war härter als hart, Ralf hat mich gequält. Ich bin damals stärker zurückgekommen. Ralf kennt das Geschäft von allen Seiten, ist extrem detailversessen. RB splelt Rangnick-Fußball, ich traue Leipzig die Champions-League-Qualifikation zu.

Vor Ihrem Wechsel zu den Bayern holten Sie 1997 mit dem VfB Stuttgart den DFB-Pokal. Ihr Trainer war Joachim Löw.

Jogi war sehr jung und ganz neu im Geschäft. Mit ihm konnte man reden. „Jogi, wir trainieren zu viel, wichtig ist das Spiel am Wochenende.“ Im Spiel muss man ein Löwe sein, nicht im Training.

Heutige Fußballer laufen 12, 13 Kilometer. Wie viele Kilometer sind Sie gerannt?

Das wurde bei uns Gott sei Dank nicht gemessen. Ich kam vielleicht auf fünf, sechs, sieben Kilometer. Wichtig war für mich, richtig zu stehen. Wo andere hinlaufen mussten, stand ich schon.

Sie waren ein extrem erfolgreicher Fußballer, sind nach wie vor extrem beliebt. Weil Sie ein Star zum Anfassen sind?

Ich komme aus einem kleinen brasilianischen Ort, wäre schon glücklich gewesen, wenn ich es als Fußballer nach Sao Paulo oder Rio geschafft hätte. Dass ich in Europa Karriere gemacht habe und bei wunderbaren Clubs spielen durfte, war unglaublich. Ich war immer dankbar für das alles, habe nie vergessen, wo ich hergekommen bin. Und klar ist doch auch, dass der Fußballer irgendwann passe ist. Wenn danach nur eine Hülle und die Vergangenheit bleibt, hat man alles falsch gemacht. Ich bin glücklich, hatte eine tolle Karriere und danach sofort neue, spannende Aufgaben. Meiner Familie und mir geht es wunderbar. Und ich freue mich, dass mich viele Menschen immer noch erkennen und mögen.

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