21. November 2018 / 07:15 Uhr

Gladbach-Trainer Dieter Hecking denkt an Rückkehr zu Hannover 96

Gladbach-Trainer Dieter Hecking denkt an Rückkehr zu Hannover 96

Andreas Willeke
Kann sich vorstellen, einmal als Geschäftsführer bei seinem Ex-Klub Hannover 96 zu arbeiten: Dieter Hecking.
Kann sich vorstellen, einmal als Geschäftsführer bei seinem Ex-Klub Hannover 96 zu arbeiten: Dieter Hecking. © 2018 Getty Images
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Von 2006 bis 2009 saß er auf der Trainerbank von Hannover 96, von 1996 bis 1999 spielte er sogar für die Roten - den Verein aus der niedersächsischen Landeshauptstadt kennt Dieter Hecking zur Genüge. Vor dem Spiel am Sonntagabend in Gladbach spricht der 54-Jährige über die Schwächephase der Bayern, Jogi Löw - und seine mögliche Rückkehr zu Hannover 96.

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Dieter Hecking, Vize und Pokalsieger waren Sie 2015 schon mit Wolfsburg. Können Sie auch Meister?

Erst mal sind wir froh über die aktuelle Tabellensituation. In der vergangenen Saison war die Hinrunde gut, die Rückrunde nicht mehr. Danach habe ich mir mit unserem Sportchef Max Eberl viele Gedanken darüber gemacht, was wir verändern müssen. Nach elf Spieltagen lässt sich das Zwischenfazit ziehen, dass wir an den richtigen Stellschrauben gedreht ha­ben. Wir wünschen uns, dass es so weitergeht, aber es ist zu früh, um zu sagen, was dabei herauskommt.

Sie haben mal gesagt, wenn die Bayern schwächeln, muss man da sein. Jetzt wäre es so weit?

Die Bayern sind in dieser Saison vielleicht verwundbar, das haben die letzten Wochen gezeigt. Wenn sie nicht aufpassen, kann es sein, dass Dortmund vorne wegzieht. Es ist eine große Chance, aber wenn es jemand schafft, dann ist das in diesem Jahr Borussia Dortmund. Wir ha­ben da wohl nur Außenseiterchancen.

Dieter Hecking: Seine Karriere in Bildern

Die Anfänge einer Karriere: Der neue Lübeck-Trainer Dieter Hecking (r.) 2001 mit VfB-Macher Molle Schütt. Zur Galerie
Die Anfänge einer Karriere: Der neue Lübeck-Trainer Dieter Hecking (r.) 2001 mit VfB-Macher "Molle" Schütt. © Wolfgang Maxwitat
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War Ihr 3:0-Sieg in München nicht schon Fingerzeig genug?

Die Bayern hatten davor meh­rere Spiele nicht gewonnen, das kennen sie nicht, das ist kein normaler Zustand. Wir haben mit dem ersten Schuss getroffen, und dann sind sie nicht mehr zurückgekommen, das war für mich das Überraschende. Es scheint im Moment nicht so zu laufen, wie sie sich das vorstellen. Die Leichtigkeit fehlt, das sieht man an den Ergebnissen und der Art und Weise, wie sie zuletzt gespielt haben. Deshalb ist die Chance realistischer und greifbarer, dass die Bayern in dieser Saison nicht Meister werden.

Ein wichtiger Spieler für den weiteren Erfolg von Mönchengladbach kann Lars Stindl sein. Findet er nach der verpassten WM wegen der Verletzung wieder in alte Form?

Davon bin ich überzeugt. Für Lars war das die schwierigste Zeit als Profi, er wäre sehr gern bei der WM dabei gewesen. Er war für fünf Monate raus, hat die Vorbereitung verpasst und kommt jetzt langsam wieder an die 100 Prozent ran.

In der vergangenen Saison schienen Sie der Entlassung näher zu sein als der Vertragsverlängerung. Lassen Sie jetzt den Klub in den Gesprächen über einen neuen Vertrag extra zappeln?

Nein, diese Darstellung ist nicht richtig. Ich habe mich im Sommer mit Max Eberl zusammengesetzt und ihm gesagt, dass es aus meiner Sicht der falsche Zeitpunkt für eine Verlängerung wäre. Nach außen wäre es ein unnötiges Zeichen gewesen. Aus dem Umfeld war Kritik zu hören, intern habe ich das nicht gespürt. Aktuell läuft’s gut. Es wird den Gesprächstermin geben, und die Borussia ist auch mein erster Ansprechpartner. Ich fühle mich hier wertgeschätzt und absolut wohl.

Unvergessene Partien zwischen Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach:

<strong>1988/89:</strong> Am 7. Spieltag der Abstiegssaison 1988/89 verlor Hannover 96 mit 0:2 in Mönchengladbach. Das Spiel an sich kann schnell zu den Akten gelegt werden, doch die beiden Gladbacher Torschützen sind zumindest einer Erwähnung wert, sollten sie doch viele Jahre später auch Station in Hannover machen. Michael Frontzeck (44.) war Co-Trainer und Chefcoach in Hannover, Christian Hochstätter (89.) dort als Manager tätig. Zur Galerie
1988/89: Am 7. Spieltag der Abstiegssaison 1988/89 verlor Hannover 96 mit 0:2 in Mönchengladbach. Das Spiel an sich kann schnell zu den Akten gelegt werden, doch die beiden Gladbacher Torschützen sind zumindest einer Erwähnung wert, sollten sie doch viele Jahre später auch Station in Hannover machen. Michael Frontzeck (44.) war Co-Trainer und Chefcoach in Hannover, Christian Hochstätter (89.) dort als Manager tätig. ©

Dass Gladbach ohne Vertragsverlängerung in die Rückrunde geht, ist aber kaum vorstellbar?

Wir werden uns sicher noch vor Weihnachten zusammensetzen, um darüber zu sprechen, wie es weitergeht.

Am Sonntag kommt Ihr Ex- Klub nach Gladbach. Was bekommen Sie von 96 mit?

Nicht mehr so ganz viel. Am Saisonbeginn haben sie es gut gemacht, da haben nur die Ergebnisse nicht gepasst. Zuletzt gegen Wolfsburg hat das Ergebnis gepasst. Es war ein eher glücklicher Sieg, den sie sich unterm Strich aber durch Willen und Einsatz verdient haben. Fürs Selbstvertrauen und das Drumherum war der Sieg gegen Wolfsburg sehr wichtig.

Es dürfte für Gladbach am Sonntag ein Pflichtsieg sein, wenn mit 96 der Drittletzte kommt.

Wir wollen das Spiel gewinnen, klar. Wir wissen um unsere Qualität, wir sind in der Lage, 96 zu bespielen. Das Selbstvertrauen dürfen wir haben. Wir müssen aber auch ein paar Dinge beachten. André Breitenreiter ist ein Trainer, der oft am Spielsystem etwas verändert. Man weiß nie ge­nau, was er spielen lässt. Aber wir richten uns mittlerweile kaum noch nach dem Gegner, wir suchen für uns den besten Ansatz. 4-3-3 ist unser System, aber auch da verändern wir Nu­ancen. So wird es auch gegen Hannover sein.

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Machen Sie sich Sorgen um 96?

Ich finde es schade, dass so viel Unruhe im Verein herrscht. Wenn man den Fußballstandort Hannover behalten will, muss versucht werden, Zu­kunftsfähigkeit und Tradition zu verbinden. Das ist schwierig, wenn die Kommunikation gestört ist. Das gilt für die Vereinsseite, aber auch für die Fans. Wenn man als einer, der 96 sympathisch findet, die Stimmung mitbekommt, die bei unserem 1:0-Sieg in der vergangenen Saison herrschte, dann denkt man – hey, was ist hier passiert? Das kann kein Nährboden für erfolgreiche Arbeit sein.

Sie haben jüngst gesagt, es wäre denkbar, als Geschäftsführer Sport bei einem Klub anzufangen. Können Sie sich auch vorstellen, bei 96 in der Funktion zu arbeiten?

Natürlich kann ich mir das vorstellen. Nicht jetzt, aber irgendwann schon. Ich lebe seit über 20 Jahren in der Region. Hannover ist meine Heimat geworden.

Und warum der Wunsch nach dem Seitenwechsel?

Ich war 25 Jahre Fußballspieler, bin 54 Jahre jung und im 18. Jahr Trainer und mache mir Gedanken, was mir das Leben noch bietet. Ich will weiter arbeiten, Fußball hält mich jung. Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob ich mir nicht mal irgendwann die Vereins- oder Verbandsseite anschauen sollte. Im Moment macht das Trainerdasein richtig Spaß. Aber wenn sich das mal ändert, könnte ich mir durchaus auch diese Dinge vorstellen.

Sie haben sich mal beklagt, dass Trainer zu schnell entlassen werden. Bis jetzt ist aber nur einer in Stuttgart gefeuert worden.

Das ist erst mal gut. Aber nach dem zweiten Spieltag schon Heiko Herrlich in Le­verkusen infrage zu stellen, ist bedenklich. Wir Trainer wissen auch, dass Erfolg vergänglich ist – siehe Tayfun Korkut, der mit Stuttgart ei­ne fantastische Rückrunde gespielt hat. Aber wenn nach acht Spielen mit fünf Punkten und dem Pokal-Aus in Rostock der Verein sagt, das ist uns zu wenig, dann müssen wir als Trainer damit le­ben. Trotzdem wünsche ich mir, dass man Täler gemeinsam durchsteht, solange es vertretbar ist. Das ist hilfreich, um Kontinuität zu be­kommen.

Jogi Löw hat das Vertrauen trotz verpatzter WM be­kommen. Ist der Abstieg aus der Nations League schlimm?

Dass die Nationalmannschaft absteigt und mal nicht in der ersten Reihe stehen wird, ist ungewöhnlich für den deutschen Fußball. Ich stehe der Nations League kritisch gegenüber, die bräuchte es nicht, es gibt schon viel zu viele Wettbewerbe. Generell ist eine Blutauffrischung notwendig, das hat die WM gezeigt. Trotzdem sollte man nicht den Stab brechen über diejenigen, die jetzt mal nicht eingeladen worden sind.

Bei Ihnen in Gladbach entwickeln sich die jungen Spieler Neuhaus und Hofmann sehr gut. Hat Deutschland genug Nachwuchs?

Den haben wir schon, diese Spieler müssen konstant Leistung auf Topniveau bringen. Wer hat die Konstanz, dass er dauerhaft in der Nationalmannschaft spielen kann? Im Nachwuchsbereich sind Länder wie Frankreich und England an uns vorbeigezogen. Wir müssen überlegen, ob un­sere Nachwuchsleistungszentren das Nonplusultra sind oder sich schon wieder überholt haben. Wir müssen uns immer hinterfragen. Ist es richtig, einen Zehnjährigen aus seinem Heimatverein in ein Nachwuchsleistungszentrum zu holen? Wenn unsere U17 mit 1:8 gegen England verliert, kann jedenfalls etwas nicht stimmen. Die Trainer-Aus- und Fortbildung muss überprüft werden. Man muss immer hart am Wind segeln, um immer wieder Topniveau zu behalten. Vielleicht waren wir et­was zu selbstzufrieden nach den Erfolgen bei der WM und dem Gewinn der U21-EM.

Wie ist das für Sie – mussten Sie sich auch immer wieder neu erfinden?

Wenn ich überlege, mit welch kleinem Trainerstab ich in Hannover gearbeitet habe … jetzt habe ich fast genauso viele Mitarbeiter wie Spieler im Kader. Das ist ein ganz anderes Arbeiten und stellt andere Anforderungen an den Cheftrainer. Und wer weiß schon, wie der Fußball 2025 aussieht? Es spielen ja viele junge Leute nicht mehr draußen, sondern beim E-Sport am Computer. Man kann sich dem auch nicht verschließen. Es kann aber auch irgendwann der Punkt kommen, wo man feststellt – das ist nicht mehr mein Fußball.

Philipp Lahm hat Bundestrainer Jogi Löw vorgeworfen, er habe nicht mehr die richtige Ansprache für die jungen Spieler. Haben Sie Ihre Ansprachen über die Jahre verändert?

Es kommt gerade im digitalen Zeitalter darauf an, dass man miteinander im persönlichen Gespräch bleibt. Das ist auch die wichtigste Aufgabe für meine Generation. Wir müssen den jungen Leuten weitergeben, dass das ge­sprochene Wort das wichtigste Kommunikationsmittel sein muss.

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