04. Dezember 2018 / 15:30 Uhr

Grizzlys Wolfsburg: Furchner nimmt Raabe unter seine Fittiche

Grizzlys Wolfsburg: Furchner nimmt Raabe unter seine Fittiche

Jürgen Braun
Foto; Boris Baschin, Wolfsburg, SPORT, Eishockey, Grizzlys Wolfsburg - Schwenningen, 23.11.2018,
Sitzt auch schon mal beim Kapitän am Mittagstisch: Grizzlys-Youngster Steven Raabe (M.) hat in Sebastian Furchner einen wichtigen Mentor. © Boris Baschin
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In der besten Eishockey-Liga der Welt, der NHL, da sind es meist die Kapitäne, die sich junger Spieler annehmen, sich kümmern, ihnen manchmal erst einmal Unterkunft und Anschluss geben. Diese Kapitäne sind in der Regel die Stars ihrer Teams, aber eben ohne Allüren. Leader. Nicht anders ist das bei den Grizzlys Wolfsburg, und da gibt es jetzt ein schönes Beispiel: Sebastian Furchner (36) hat Steven Raabe (17), den Shooting Star des Erstligisten, unter seine Fittiche genommen, quasi als weiteres Familienmitglied. „Ich versuche ihm halt zu helfen, ist doch ganz normal“, sagt Furchner.

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Allerdings: Vor drei Monaten hätte Furchner daran nicht im Traum gedacht. Der Youngster auch nicht. Furchner kannte Raabe zwar, der hatte ja schon öfter mal mittrainiert. Und Raabe, der Junge aus Salzgitter, der seit 2014 in Wolfsburg spielt, kannte natürlich auch den Torjäger. Dann spülte die Personalnot bei den Profis den Jungen nach oben. Coach Hans Kossmann hatte DNL-Nachwuchstrainer Laszlo Casta, einen erfahrenen Ex-Profi, gefragt, ob der in seinem Team jemand habe, den man mal reinwerfen könnte. Es war Raabe. Beim ersten Einsatz durfte Raabe zwei Minuten aufs Eis. Ein wenig schnuppern. „Da ist so ein Junge doch noch nervös“, sagt Kossmann. Raabe bekam zunehmend mehr Eiszeit, seinen gut getimten Schuss gegen Mannheim fälschte Furchner zum zwischenzeitlichen 1:1 ab. Kossmann: „Steven hat es gut gemacht, langsam geht die Nervosität weg, er traut sich mehr.“

Zukunft als Abwehrspieler

Raabe möchte Profi werden, doch dafür muss er nun Abschied nehmen. Abschied vom Stürmerdasein. Der Topscorer seines DNL- Teams hat eine Zukunft „eher in der Abwehr“, sagt Grizzlys-Manager Charly Fliegauf. Er gibt zu: „Im Sommer hatte ich Steven nicht auf dem Zettel.“

Grizzlys gegen Adler Mannheim 29. November 2018 Zur Galerie
Grizzlys gegen Adler Mannheim 29. November 2018 © City-Press GbR
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Kossmann sieht Raabes zukünftige Rolle auch hinten: „Er kann das spielen, er hat ein gutes Auge fürs Spiel, einen guten ersten Pass.“ Qualitäten eines Stürmers, die auch für Verteidiger gut sind. Der Schüler ist nicht groß, das wäre sein größtes Handicap im Profi-Eishockey. „Als Verteidiger aber kann man das mit Auge und guten Beinen, die er hat, kompensieren“, sagt der Coach. Raabe ist bereit und sagt: „Tore schießen kann man auch als Verteidiger.“

"Jetzt fängt's erst richtig an"

Ganz unverhofft hat sich für ihn die Tür zum Profi-Eishockey einen Spalt geöffnet. Raabe ist willig, allerdings: „2020 will ich mein Abitur machen.“ Eine Einstellung, die Furchner befürwortet. Und er mahnt seinen Teamkollegen: „Es fängt jetzt erst richtig an. Jetzt wird viel auf ihn einprasseln.“ Mehr trainieren, Gewicht, Muskelmasse zulegen muss Raabe auch. Furchner hat ihn schon zum gemeinsamen Sommertraining eingeladen. „Er hat mir gesagt, das ist nichts für Weicheier und mir ist schon klar, was das heißt, wenn ein Furchner das sagt.“ Aber Raabe ist bereit, weiß das Engagement des Routiniers sehr zu schätzen. Momentan übernachtet er ab und an bei den Furchners, dort ist er nach dem Training auch schon mal Mittagsgast. „Das machen wir gern“, so der Routinier. „Salzgitter ist weit und er ist ein guter Junge.“

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Für die kommende Saison winkt ihm ein Förderlizenz-Kontrakt, Fliegauf lotet Möglichkeiten aus, den Nachwuchsspieler zur neuen Saison bei einem Senioren-Team unterzubringen, wo er Spielpraxis bekommt, um sich ans Herren-Eishockey zu gewöhnen. Die DNL III Nord, in der er mit Wolfsburgs U20 spielt, „die fordert ihn nicht genug“, weiß Kossmann. Dass er erst einmal noch kein DEL-Stammspieler sein wird, ist Raabe klar. Aber er will einer werden. Am liebsten mit Förderlizenz bei einem Klub in der Nähe – „und oft mit Wolfsburg trainieren, denn die Bedingungen hier sind mit dem Kraftraum und der Betreuung klasse.“ Nach und nach lernt er die Teamkameraden immer besser kennen, aufgrund der ständigen Ausfälle hatte er auswärts schon verschiedene Zimmergenossen, „den Uwe“, wie Björn Krupp in Teamkreisen genannt wird, und seinen Mentor Furchner. Und: „Die Mannschaft hat mich überragend aufgenommen, was Besseres konnte mir doch gar nicht passieren.“

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