Weiche-Budenzauber-Hallenmasters-Uwe Paesler-pae So sehen Sieger aus: ETSV Weiche Flensburg gewinnt das 19. Lotto-Masters. © Paesler
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Große Party mit herbem Wermutstropfen

Masters-Triumph des ETSV Weiche wird von dramatischem Unfall überschattet

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Das 19. Lotto-Masters in der Kieler Sparkassen-Arena  geht als das Turnier mit den zwei Gesichtern in die Geschichte des Budenzaubers an der Förde ein.  8659 Zuschauer sorgten am Sonnabend für eine Riesenstimmung in der ausverkauften Halle, sahen mehrheitlich attraktive  Spiele mit einem neuen Torrekord (71 Treffer in 15 Partien ohne Neunmeter-Schießen/Vorjahr: 28 aus dem Spiel heraus). Am Ende verteidigte Viertligist ETSV Weiche Flensburg mit einem 4:2-Finalsieg gegen SH-Liga-Primus Eutin 08 verdient seinen Titel. Überschattet wurde das Spektakel von dem dramatischen Unfall Brian Jungjohanns.

Der Spieler des SH-Ligisten Flensburg 08 war 30 Sekunden vor Ende des letzten und für den sportlichen Fortgang des Turniers unbedeutenden Gruppenspiels gegen den SV Eichede nach einem vergleichsweise harmlosen Zweikampf mit dem Kopf gegen die Torbande geprallt. Der 18-Jährige krampfte und fiel zu Boden. Nach Augenzeugenberichten soll Jungjohann seine Zunge verschluckt haben. Er sei bewusstlos gewesen und musste von dem auf den Kunstrasen laufenden medizinischen Notdienst reanimiert werden.

Das Publikum bangte rund 20 Minuten lang, den 08-Teamgefährten standen die Tränen in den Augen. Während der Behandlung schützte ein weißes Laken die Privatsphäre des Verletzten. Dann verließ der Flensburger auf wackligen Beinen, aber immerhin auf eigenen Füßen – gestützt von Helfern – begleitet von dem donnernden Applaus der Zuschauer das Feld. Jungjohann soll dies auf eigenen Wunsch und gegen den Rat der Ärzte getan haben. Im Vorraum der Arena wurde er wieder auf eine Trage gelegt. Der Rettungswagen fuhr gegen 22.07 Uhr mit Blaulicht in Richtung Uniklinik ab. Eine genaue Diagnose lag am Sonntagvormittag noch nicht vor.

Das Turnier wurde auf Wunsch des Spielers, der Verantwortlichen von  Flensburg 08 und in Abstimmung mit den vier Halbfinalisten fortgesetzt. Dort kassierte Lokalmatador und Masters-Rekordsieger Holstein Kiel eine herbe 2:5-Packung gegen Weiche. Dies war die negative Krönung des einzigen Drittligisten unter den acht Teilnehmern nach durchwachsenen Gruppenspielen. Einzige Lichtblicke bei den enttäuschenden Störchen, die zum vierten Mal in Serie Masters-Gold verpasst hatten,  waren der Noch-A-Jugendliche Julius Alt und Profi Alexander Bieler, der mit fünf Treffern später auch als bester Torschütze des Turniers ausgezeichnet wurde.

Im zweiten Semifinale gelang Eutin 08 dank eines am Ende knappen 3:2-Erfolges gegen den Liga-Rivalen VfR Neumünster der Einzug ins Endspiel. Die Veilchen aus Neumünster boten zwar den schönsten Hallenfußball, handelten sich  aber direkt nach dem Gegentreffer beim Stand von  0:2 eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe ein (Beytullah Bilgen) ein und kassierten in Unterzahl das 0:3. „Das war nicht aufzuholen. Wir haben den Spieler gleich unter die Dusche geschickt“, sagte VfR-Co-Trainer Sven Boy.

Hatte die spektakuläre Eröffnungszeremonie mit Lasershow, Pyro-Effekten und dem von Klatschpappen unterstützten Island-Schlachtruf der EM 2016 für eine Atmosphäre der besonderen Art gesorgt, feierten die über 1000 Schlachtenbummler aus Eutin im Endspiel voller Euphorie Karneval im Januar.  Zwar unterlagen die Schützlinge von Trainer Hans-Friedrich Brunner, die bei ihren zwei vorangegangenen Masters-Teilnahmen nicht über die Gruppenphase hinaus gekommen waren,  dem ETSV Weiche nach großem Kampf mit 2:4 – gefeiert wurden die 08er nach der Schlusssirene dennoch wie die Meister der Herzen. Die Auszeichnung für Lennart Weidner (bester Torwart des Turniers) und die 2500 Euro Prämie waren die Trostpflaster.

Der ETSV Weiche, Tabellendritter der Regionalliga Nord, durfte sich über ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro freuen und hatte nach der Wahl der Journalisten mit Thiago auch den besten Spieler des Turniers in seinen Reihen. Um 23.14 Uhr reckte der 34-jährige Ex-Kieler Fiete Sykora den Siegerpokal zum zweiten Mal in Folge in die Höhe. Es war der dritte Triumph der schleswig-holsteinischen Hallenmacht in den vergangenen drei Jahren.  „Wir haben nach der Verletzung des 08-Spielers abgestimmt, ob wir weiter spielen sollen. Natürlich freuen wir uns jetzt riesig, aber wir widmen unseren Sieg Brian“, sagte Sykora.

Stimmen zum 19. Hallenmasters:

Hans-Ludwig Meyer (Präsident des Schleswig-Holsteinischer Fußballverband): „Der  Unfall des Flensburger  Spielers war ein sehr bedauerlicher Vorfall. Wir stehen in engem Kontakt mit den 08-Verantwortlichen und werden alle uns mögliche Unterstützung leisten. Bemerkenswert war, dass alle Beteiligten dafür gestimmt haben, weiter zu spielen. Das war heute mein 18. Turnier. Vom fußballerischen und spielerischen war es mit das Beste, was ich in dieser Zeit gesehen habe. Die Regeländerung mit dem Verbot von Rückpässen hat sich bewährt. Es war insgesamt ein sehr faires Turnier. Alle drei Schiedsrichter machten ihre Sache gut und haben in eine Richtung gepfiffen.“

Daniel  Jurgeleit (Trainer ETSV Weiche): „Entscheidend ist, dass man Lust und Spaß hat, in der Halle zu spielen. Es war wieder ein tolles Highlight vor dieser Kulisse. Es war eine große Freude – bis zur Verletzung des 08-Spielers. Ich muss ehrlich sagen, da war bei mir die Spannung raus. Es fiel mir schwer, das Halbfinale zu bestreiten. Wir haben für Flensburg gespielt. Für den Jungen, für 08 und für uns. Ich hoffe,dass die Genesung  durch diesen Erfolg vielleicht etwas schneller geht.“

Hans-Friedrich „Mecky“ Brunner (Trainer Eutin 08): „Für uns war das hier absolut überragend. Das Endspiel haben wir auf Augenhöhe bestritten. Bei der zweiten Zeitstrafe gegen unseren Torwart hätte ich mir etwas mehr Fingerspitzengefühl von den Schiedsrichtern gewünscht. Trotz der Final-Niederlage ist das ein bleibendes Erlebnis mit so vielen tollen Fans. Ich freue mich für ganz Eutin, dass wir uns so gut auf dieserBühne präsentieren konnten.“

Markus Anfang (Trainer Holstein Kiel): „Natürlich gehen die besten Genesungswünsche an den Flensburger Spieler. Die Atmosphäre hier in der Halle war toll, der Rahmen klasse, die Stimmung gut – besser geht es nicht. Mit dem Auftritt meiner Mannschaft bin ich nicht wirklich zufrieden.  Wir waren im Halbfinale total unterlegen und haben verdient verloren.“

Thomas Möller (Trainer VfR Neumünster): „Zuerst stehen die besten Genesungswünsche für den 08-Spieler. Bei aller Euphorie, es ist nur Fußball. Meine Mannschafthat einen Riesenjob gemacht. Da gibt es nichts zu kritisieren. Wir haben ein gutes Entertainment geboten. Allein unser Torwart Yilmaz Caglar ist ja sehr speziell.“

Torsten Böker (Trainer Flensburg 08): „Was Brian passiert ist, tut so weh. Der Junge ist 18, spielt sein erstes Herrenjahr. Dann macht er sein erstes Tor und es sind nur noch 30 Sekunden zu spielen …“

Robin Schmidt (Kapitän Flensburg 08): „Darauf trinken wir erst einmal einen Schnaps, dass er wenigstens auf eigenen Füßen die Halle verlassen konnte.“



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