Kevin Großkreutz: Steht er vor dem Rauswurf beim VfB Stuttgart? Das sagt ein Rechtsexperte. Kevin Großkreutz: Steht er vor dem Rauswurf beim VfB Stuttgart? Das sagt ein Rechtsexperte. © imago
Kevin Großkreutz: Steht er vor dem Rauswurf beim VfB Stuttgart? Das sagt ein Rechtsexperte.

Großkreutz vor Rauswurf in Stuttgart: So ist die Rechtslage

Kevin Großkreutz, die Schlägerei und der VfB Stuttgart: Wäre ein Rauswurf überhaupt rechtlich ok? Jurist Paul Lambertz hat es dem Sportbuzzer erklärt.

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Dicke Luft beim VfB Stuttgart: Der Tabellenführer der 2. Bundesliga droht Kevin Großkreutz nach dessen nächtlichem Streifzug inklusive Krankenhausaufenthalt mit Strafe. Wird der Weltmeister am Ende sogar rausgeworfen? „Wir gehen mit diesem Thema verantwortungsbewusst und gewissenhaft um. Wir werden zeitnah zu einer Entscheidung kommen“, sagte Sportvorstand Jan Schindelmeiser am Donnerstag. Präsident Wolfgang Dietrich betonte, der Vorfall vom frühen Dienstagmorgen sei nichts, „bei dem wir morgen zur Tagesordnung übergehen können“.

Großkreutz war in der Nacht von Montag auf Dienstag mit einer Gruppe Jugendlicher unterwegs und aus einer anderen Gruppe heraus angegriffen worden. In der Folge musste er mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus. Wie lange er deswegen ausfällt, ist unklar. Trainer Hannes Wolf warnte vor voreiligen Schlüssen. „Er hat niemanden umgebracht. Er hat kein Verbrechen begangen, gar nichts. Insofern sollte man da sehr vorsichtig sein, wenn man ihn dafür jetzt verurteilt.“

Im exklusiven SPORTBUZZER-Interview sagt der Jurist und Fachmann für Sportrecht, Paul Lambertz von der Düsseldorfer Kanzlei Beiten Burkhardt, welche Konsequenzen Großkreutz drohen - und was seinen Fall von dem eines „normalen“ Arbeitnehmers unterscheidet.

Herr Lambertz, Kevin Großkreutz kann aktuell auf Grund einer Fußprellung nicht spielen, ist aber auf eine Party gegangen und dort in eine Schlägerei geraten. Wie wäre dieser Fall bei einem „normalen“ Arbeitnehmer, also keinem Fußballprofi, zu bewerten?
Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer das Recht, seine Freizeit so zu gestalten, wie er es für richtig erachtet. Grenzen gibt es aber, wenn das Freizeitverhalten des Arbeitnehmers direkte Auswirkungen auf das Arbeitsleben hat. Der Besuch einer Party, auch mit der anschließenden – wohl unverschuldeten – Verwicklung in eine Schlägerei, dürfte keine solche Auswirkungen haben.

Und wenn der Arbeitnehmer krankgeschrieben ist, er also arbeitsunfähig ist wie aktuell Kevin Großkreutz?
In diesen Fällen hat der Arbeitnehmer alles zu unterlassen, was seiner Genesung im Weg steht. Was genau das ist, hängt allerdings von der jeweiligen Krankheit ab. Der Besuch einer Party kann, muss aber nicht einer Genesung im Weg stehen. Wenn man beispielsweise wie Herr Großkreutz am Fuß verletzt ist und auf der Party die ganze Zeit sitzt, dürfte das kein Problem darstellen.

Gelten für Profifußballer, die im öffentlichen Leben stehen, andere Regeln?
Zunächst mal muss man festhalten: Auch Profifußballer sind dem Gesetz nach ganz normale Arbeitnehmer. Allerdings bringt der Bereich des Profifußballs schon Eigenheiten mit sich. Nicht zuletzt sind da die regelmäßig sehr hohe Bezahlung und der große öffentliche Fokus auf die Spieler zu nennen. Daher gilt für den Fall Großkreutz: Von einem Profifußballer, der eigentlich spielbereit ist, aber zur Wiedererlangung seiner hundertprozentigen Einsatzfähigkeit in Absprache mit dem Trainer geschont wird, darf man schon erwarten, dass er alles unterlässt, was dem gemeinsam festgesetzten Ziel widersprechen könnte. Den Besuch einer Party würde ich daher kritisch hinterfragen.

Kann der VfB Stuttgart nun arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehen und Kevin Großkreutz rauswerfen?
Das bezweifle ich. Ein Verein hat jedoch auch andere Möglichkeiten. Denkbar ist etwa die Verbannung auf die Ersatzbank oder gar in die zweite Mannschaft. Die – wohl unverschuldete – Verwicklung in eine Schlägerei sehe ich arbeitsrechtlich als unauffällig an. Schließlich musste Herr Großkreutz nicht damit rechnen, in eine Schlägerei verwickelt zu werden, die auch noch zu einer Einweisung in ein Krankhaus führt. Hätte er mich vorher gefragt, hätte ich ihm aber wohl vom Besuch der Party abgeraten.

Paul Lambertz ist Jurist und Fachmann für Sportrecht. Seit 2014 ist er bei der Kanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf tätig. 2012 wurde ihm die Doktorwürde von der Justus-Liebig-Universität Gießen für seine Dissertation Paul Lambertz ist Jurist und Fachmann für Sportrecht. Seit 2014 ist er bei der Kanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf tätig. 2012 wurde ihm die Doktorwürde von der Justus-Liebig-Universität Gießen für seine Dissertation "Die Nominierung im Sport" verliehen. © Privat
VfB Stuttgart Fussball 2. Bundesliga VfB Stuttgart (Herren) Kevin Großkreutz (VfB Stuttgart)

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