Trotz des Abstiegs in die zweite Bundesliga ist die Stimmung beim HSV so gut wie lange nicht mehr. Trotz des Abstiegs in die zweite Bundesliga ist die Stimmung beim HSV so gut wie lange nicht mehr. © 2018 Getty Images
Trotz des Abstiegs in die zweite Bundesliga ist die Stimmung beim HSV so gut wie lange nicht mehr.

Über 2000 neue Mitglieder und Titz-Hype: Ungeahnte Euphorie beim Hamburger SV

Trotz des ersten Abstiegs in die zweite Bundesliga herrscht beim Hamburger SV gute Laune und Aufbruchsstimmung. Die Anhänger und Fans stehen auch dank des guten Saisonfinales unter Symphatisch-Coach Christian Titz klar hinter dem Verein.

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Die Fahnen hängen noch, überall in der Stadt und drumherum in den Vororten zwischen Eider und Lüneburger Heide. Blau, weiß, schwarz flattert die Raute in der norddeutschen Frühlingssonne. An Balkonen, Garageneinfahrten, Vorgärten, hinter Küchenfenstern, an Lkws – Hamburg zeigt HSV.

"Ein überragendes Zeichen der Fans"

Stolz, trotzig, jetzt erst recht. Seit dem ersten Abstieg aus der höchsten deutschen Spielklasse in der 133-jährigen Vereinsgeschichte ist eine nie erwartete Solidarisierung der Menschen mit dem Verein eingetreten. Zuwendung statt Abkehr. Über 2000 neue Mitglieder sind inzwischen in den Verein eingetreten. Zahlreiche Kündigungen wurden storniert. Es ist ein nie da gewesener Run. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die 80 000-Mitglieder-Marke geknackt ist. „Ein überragendes Zeichen der HSV-Fans“, sagt Vereinspräsident Bernd Hoffmann, „wir können uns nur für das Vertrauen und die Treue bedanken.“

Trainer Christian Titz hat mit seiner Arbeit der letzten acht Wochen, mit dem sympathischen Auftreten und der attraktiven Spielweise des Teams unter seiner Leitung, einen wesentlichen, wenn nicht entscheidenden Anteil an dem Stimmungsumschwung – ja fast der Euphorie in der Hansestadt. Die Verlängerung seines Vertrages bis 2020 ist auch ein Grund für das völlig überraschende Stimmungshoch. „Es ist ungewöhnlich, wie die Menschen uns hier unterstützen“, sagte der 47-Jährige, „das ist ein tolles Zeichen.“

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Am Donnerstag begann das Vorkaufsrecht für die bisherigen Dauerkarteninhaber. Rund 19 Prozent billiger als in der Bundesliga ist das Abonnement. Von 663 Euro (vorher 805 Euro) bis 221 Euro reicht die Preisspanne, Jugendliche können sogar für 129 Euro (224 Euro) ins Stadion kommen. Damit ist der HSV aber immer noch teurer als Ligakontrahent FC St. Pauli, wo man für das teuerste Ticket 520 Euro abdrücken muss. Egal – die HSV-Fans werden kommen, in Massen.

Euphorie im Anhängerlager: "Stuttgarts Durchschnitt von 50 000 knacken wir"

Von „Ich habe Bock auf die 2. Liga“ über „Stuttgarts Durchschnitt von 50 000 knacken wir“ bis „Ein volles Haus ist immer ein guter Anfang“ reichen die Reaktionen der HSV-Fans. „Nicht nur bei Heimspielen, auch auswärts brechen wir mit Sicherheit Rekorde“, vermutet ein Fan bei Facebook. Ob und wie lange die positive Stimmung anhält, hängt wohl auch vom sportlichen Erfolg ab. Die Weichen werden jetzt gestellt.

Der umworbene 17 Jahre alte Verteidiger Josh Vagnoman wird seinen Vertrag bis 2021 verlängern, der Lauterer Christopher Moritz soll kommen – Talent Fiete Arp verlängert laut „Bild“ hingegen seinen Vertrag (bis 2019) nicht. „Der VfB Stuttgart ist unser Vorbild“, sagte Hoffmann. Über 50 000 kamen in der 2. Liga zu den Spielen der Schwaben, die auch den sofortigen Wiederaufstieg geschafft haben. „Das ist natürlich unser Ziel“, sagt Trainer Titz, „wir wissen aber, dass das kein Selbstläufer wird.“

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Sportstadt Hamburg am Tiefpunkt

Diese Erkenntnis muss bei vielen sicherlich noch reifen. Schon haben in den sozialen Netzen Fans Termine für die „Aufstiegsfeier 2019“ erstellt. „Hallo 2. Liga, schön, dass wir uns mal kennenlernen“, war auch zu lesen, „leider haben wir nur ein Jahr Zeit.“ Jetzt aber, in der nächsten Saison, spielt der HSV zweitklassig. Punkt. Damit hat die selbsternannte „Sportstadt“ Hamburg ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht.

Zum ersten Mal wird Deutschlands zweitgrößte Stadt keinen Erstligisten in einer der fünf größten Teamsportarten mehr haben. Nicht bei den Männern, nicht bei den Frauen. Nichts. Keine Bundesliga im Fußball, im Handball, nicht im Eishockey, nicht im Basketball und auch nicht im Volleyball! Das ist unwürdig.

Der HSV ist durch die Misswirtschaft der letzten Jahre inzwischen mit über 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten belastet. „Das müssen wir jetzt in Ordnung bringen“, weiß Hoffmann. Es könnte gelingen, wenn die Verantwortlichen ihre Lehren gezogen haben, und einiges deutet im Augenblick darauf hin. Die HSV-Fahnen sind in Hamburg nicht zu übersehen, die Solidarität ist großartig. „Alle haben den Willen, die Zuversicht und die Energie, an dem Projekt Wiederaufstieg zu arbeiten“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher: „Ich bin ziemlich sicher, dass das gelingt.“

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