10. September 2018 / 11:42 Uhr

Handball-Legende Peter Kretzschmar mit 85 Jahren gestorben

Handball-Legende Peter Kretzschmar mit 85 Jahren gestorben

LVZ
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Handball-Star Stefan Kretzschmar (r.) steht mit seinem Vater Peter und Mutter Waltraud nach seinem Abschiedsspiel in der Bördelandhalle Magdeburg (Archivfoto vom 14.07.2007).
Handball-Star Stefan Kretzschmar (r.) steht mit seinem Vater Peter und Mutter Waltraud nach seinem Abschiedsspiel in der Bördelandhalle Magdeburg 2007. © dpa
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Der deutsche Sport trauert um Peter Kretzschmar. Der frühere Weltklasse-Handballer und spätere Top-Trainer aus Leipzig starb nach langer Krankheit am Sonntagabend, eine Woche vor seinem 86. Geburtstag, in der Immanuel-Klinik in Rüdersdorf.

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Leipzig. Das Datum 14. Juni 1957 sagte Stefan Kretzschmar nichts. Deutschlands wohl nach wie vor bekanntester Handballer zeigte sich am vergangenen Donnerstag im Leipziger Stadtgeschichtlichen Museum während einer Diskussionsrunde über die deutsch-deutsche Sportgeschichte ahnungslos und zuckte mit den Schultern. Dabei hätte er mit diesem Tag durchaus etwas anfangen können, an dem sich die beiden Mannschaften aus Ost und West im neuen Leipziger Zentralstadion gegenüberstanden. Vor, so die offizielle Angabe, 80 000 Zuschauern. Manche Augenzeugen beteuern noch heute, es seien fast 100.000 gewesen.

Wie auch immer, im Aufgebot der DDR (sie gewann 19:14) stand Peter Kretzschmar, Stefans Vater. Der Leipziger gehörte zu den besten Handballern seiner Zeit. Am Sonntag ist er in einem Krankenhaus in Rüdersdorf bei Berlin kurz vor seinem 86. Geburtstag gestorben. Nur wenige Monate nach seiner Ehefrau Waltraud, die am 7. Februar mit gerade 70 Jahren starb.

Gemeinsam hatte das Ehepaar Handball-Geschichte geschrieben. Peter Kretzschmars größer Erfolg als Spieler war der Titel bei der Großfeld-WM 1963 in der Schweiz, als die DDR das Finale gegen die Bundesrepublik 14:7 gewann. „Die Sieger sollten wertvolle Uhren erhalten“, wusste Stefan von Erzählungen seines Vaters. „Wahrscheinlich hatten die Organisatoren mit einem westdeutschen Sieg gerechnet. Nach dem Abpfiff war der Koffer mit den Uhren jedenfalls verschwunden.“

Über das Leipziger Spiel mit vollen Rängen hat Peter Kretzschmar seinem Sohn dagegen offenbar weniger erzählt. Dabei hat er sich durchaus gern daran erinnert. Zuletzt in einem Gespräch mit dieser Zeitung, als Stefan 2002 mit dem SC Magdeburg die Champions League gewann. „Stefan kann alles gewinnen“, meinte er leicht amüsiert. „Er wird aber nie vor 80 000 spielen.“ Besonders häufig scheint er am heimatlichen Küchentisch aber nicht über dieses Ereignis gesprochen zu haben.

Der Sohn von "Traudl und Pit"

Begonnen hatte Peter Kretzschmar in der Jugend MoGoNo Leipzig, später spielte er für den SC Lok. Als Trainer sorgte er dafür, dass die Handballerinnen des SC Leipzig in die Weltspitze vorstießen. Zweimal gewannen sie den Europapokal (1966 und 1975). Er agierte gleichfalls als Nationaltrainer, wurde mit der DDR-Mannschaft 1975 und 1978 Weltmeister. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal und 1980 in Moskau gewann sein Team die Silber- beziehungsweise Bronzemedaille. Seine Bilanz ist im deutschen Handball unerreicht. Maßgeblich an diesen Erfolgen beteiligt war stets seine Ehefrau Waltraud, eine der besten Handballerinnen der Welt.

„Pit habe ich nahezu alles zu verdanken“, sagte Hannelore Zober (71), die ehemalige Leipziger Torhüterin, am Montag. „Er hatte eine unglaubliche Art, mit uns umzugehen.“ Einerseits sei er eine Respektperson gewesen. Andererseits habe er stets ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen der Spielerinnen gehabt. „Und in taktischer Hinsicht war er einfach ein Fuchs.“

Peter Kretzschmar als DDR-Nationaltrainer bei Olympia 1980, rechts neben ihm Kristina Richter.
Peter Kretzschmar als DDR-Nationaltrainer bei Olympia 1980, rechts neben ihm Kristina Richter. © Imago/Karl-Heinz Stana
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Lothar Doering (67), ehemaliger DHfK- und SCL-Spieler, Olympiasieger 1980 und ebenfalls erfolgreicher Frauen-Trainer, hebt vor allem die Natürlichkeit Peter Kretzschmars hervor. „Die war gepaart mit einer Autorität, der man sich einfach nicht entziehen konnte. Und über seine fachlichen Kenntnisse muss man nicht reden. Die waren herausragend“, so der Weltmeister-Coach von 1993.

Die Eltern von Stefan Kretzschmar haben ohne Zweifel große Handball-Spuren hinterlassen, vor allem in Leipzig. „In ganz Deutschland bin ich für alle Kretzsche“, sagte Stefan vor einigen Jahren, als er bei den DHfK-Handballern in den Aufsichtsrat kam und maßgeblich zum Höhenflug der Leipziger beitrug. „Nur nicht in Leipzig. Hier ist das anders, da bin ich der Sohn von Traudl und Pit.“

Winfried Wächter

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