31. Januar 2018 / 06:00 Uhr

Handball-Nationalspieler Häfner: "EM-Skandal? Das ist Quatsch!"

Handball-Nationalspieler Häfner: "EM-Skandal? Das ist Quatsch!"

Simon Lange
Kai Häfner schied mit den Bad Boys schon in der Hauptrunde aus.
Kai Häfner schied mit den Bad Boys schon in der Hauptrunde aus. © imago
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Handball-Nationalspieler Kai Häfner spricht im SPORTBUZZER über die Diskussionen um Bundestrainer Christian Prokop und die Enttäuschung nach dem EM-Aus.

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Das EM-Aus der Handballer, es wirkt nach. Von einem zerrütteten Verhältnis zwischen Trainer Christian Prokop und der Mannschaft war zuletzt die Rede und über allem steht die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Mit oder ohne Prokop? Bob Hanning, der Vizepräsident des deutschen Handball-Bundes (DHB), hat die Zukunft des Bundestrainers bislang offen gelassen. Man wolle das Ganze in Ruhe analysieren, mit allen sprechen, dann „eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen“. Am Montag hatte er auch Spieler kritisiert und nicht ausgeschlossen, ob man im Team „personell die eine oder andere Veränderung herbeiführen“ müsse.

Am Freitag kommen Mannschaft und Trainer zum All-Star-Game gegen eine Bundesliga-Auswahl nach Leipzig (19.30 Uhr) zusammen. Doch was sagen eigentlich die Spieler? Kai Häfner, der das Team 2016 mit seinen Toren im Finale zum Titel warf, ist einer der ersten Nationalspieler, der ausführlich Klartext spricht.

SPORTBUZZER: Herr Häfner, wie geht es Ihnen nach dem EM-Aus vergangenen Mittwoch gegen Spanien?

Ich bin seit Donnerstagabend wieder heil im Lande. Die paar Tage Ruhe zu Hause haben mir auch gut getan.

Woran hat es aus Ihrer Sicht gelegen?

Der Knoten ist bei uns nicht geplatzt. Wir sind nicht in den Flow gekommen, auf die entsprechende Welle. Es war alles ein bisschen holprig. Uns hat die Leichtigkeit und eine gewisse Lockerheit gefehlt. Die braucht man aber bei so einem Turnier.

​"Alle haben sich mehr erhofft und erwartet von uns"

Wie ist Ihre Gefühlslage heute?

Ich bin schon enttäuscht. Alle haben sich mehr erhofft und erwartet von uns. Wir selber natürlich am meisten. Trotz nicht optimaler Ergebnisse hatten wir mit dem Spiel gegen Spanien die Chance, ins Halbfinale einzuziehen. Umso ärgerlicher, dass wir die nicht nutzen konnten.

Bundestrainer Prokop, der insgesamt keine gute Figur abgegeben hat, war offenbar ein Faktor. Wir beurteilen Sie seinen Job?

Es ist ja klar, dass bei uns allen nicht alles rund lief. Wir fahren gut damit, wenn wir jetzt alles in Ruhe analysieren und besprechen und schauen, wo die Ursachen lagen. Dann greifen wir neu an. Das nächste Projekt steht mit der WM im eigenen Land ja schon an. Aber ich bin gespannt, was bei den Gesprächen und Analysen, die Bob Hanning ja angekündigt hat, herauskommt.

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Wie stand es um die Form der Spieler?

Der Großteil der Spieler ist nicht an die Leistungsgrenze gekommen. Aus welchen Gründen auch immer.

Prokop schien das Spiel gegen Spanien aufgegeben zu haben. In der Auszeit, als noch 20 Minuten zu spielen waren, sagte er: „Lasst uns das Ding mit Respekt zu Ende bringen, aber nicht respektlos!“ Wie hat das Team die Ansage aufgenommen?

Jeder war ein bisschen schockiert vom Spielverlauf. Es war ja bis kurz davor ein ausgeglichenes Spiel, dann kamen diese fünf Minuten, wo wir alles weggeworfen haben. Da hingen natürlich unsere Köpfe. Da musste man sich aufrappeln. Klar war es schwer, das Spiel auf diesem Niveau gegen so eine Mannschaft noch mal umzubiegen. Da hat der Trainer versucht, uns aufzubauen. Nach dem Motto: Hey, wir müssen da noch mal ran! Aber es hat leider nicht gereicht.

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Im Training am Morgen vor dem Spanien-Spiel soll es zum Eklat gekommen sein. Prokop soll die Halle vorzeitig sauer verlassen haben. Wie haben Sie das erlebt?

Also erstmal ist es Quatsch, dass wir angeblich keinen Bock auf das Training hatten. So ein Training, in dem man anschwitzt für den Abend und ein bisschen die Taktik bespricht, ist doch völlig normal. Und der Trainer ist auch nicht früher abgehauen. Das ist auch Quatsch.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Trainer?

Das Verhältnis ist gut soweit.

Heißt der Trainer auch in den nächsten Wochen und bei der WM 2019 Prokop?

Ich gehe fest davon aus. Ich glaube, es macht keinen Sinn, vorschnelle Schlüsse oder Handlungen zu vollziehen. Man muss alles zeitnah aufarbeiten, aber nichts übers Knie brechen. Eine Kurzschlussreaktion halte ich für völlig falsch.

Glauben Sie, dass Sie weiter beim Nationalteam sind?

Auch davon gehe ich aus. Ich zähle mich von den Leistungen her auf jeden Fall dazu und denke, dass ich einen berechtigten Platz im Team habe. Aber das heißt auch, weiter Gas zu geben und weiter mit Hannover für Furore zu sorgen. Das ist die Grundlage, weiter eine Einladung zur Nationalmannschaft zu bekommen. Jeder muss sich in der Liga Woche für Woche neu beweisen.

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