Edgar Prib © Florian Petrow

"Das ist ein Risikoberuf": 96-Kapitän Edgar Prib im großen Interview 

Edgar Prib, Kapitän von Hannover 96, hat sich im August das Kreuzband gerissen. Nun spricht er über den Heilungsverlauf, den Kontakt zur Mannschaft und die aktuelle Form von Hannover 96.

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Edgar Prib, wie geht’s Ihrem Knie?

Es geht voran. Das Knie war drei Wochen stillgelegt. Jetzt kommt die Beweglichkeit wieder. Die Übungen haben sich geändert, werden funktioneller, nicht mehr ausschließlich auf das kranke Bein fixiert.

Ihr Arbeitsgerät ist normalerweise der Fußball. Welches Gerät ist es jetzt gerade?

Die Flossing-Bänder (lacht). Es sind eher Räume, der Kraftraum und der Physio-Raum. Im Kraftraum geht es um funktionelle Beweglichkeit, Krafttraining, Oberkörperkraft. Im Physio-Raum geht es um die passive Be­weglichkeit. Die Muskeln sind nach der OP etwas lahmgelegt, sie werden von den Physios jetzt aktiviert.

Werden Sie selbst zum Mediziner jetzt?

Na ja, wenn man ein paar Verletzungen hatte, kennt man sich schon ein bisschen aus. Aber: Ich halte mich da besser zurück mit gefährlichem Halbwissen. In zwei Wochen möchte ich in der Reha in Donaustauf den nächsten Schritt gehen. Aber auf jeden Fall ohne Schiene. Vom Aquajogging bis zum Antigravitationslaufband kann man da alles machen.

Antigravi-was?

Das Gerät nimmt dir das Körpergewicht ab, du kannst das Joggen und das Gehen besser trainieren. Aber ehrlich: Auch das ist jetzt gefährliches Halbwissen. Ich habe dort volles Programm. Nach der Donaustaufphase werde ich im November hier Gas geben. Zwei Wochen Donaustauf, eine Woche hier, zwei Wochen Donaustauf, das ist so der Plan.

Das waren die Mannschaftskapitäne von Hannover 96 seit 1986:

Haben Sie den Rückrundenbeginn schon im Auge?

Bei Aussagen zu meiner Spielfähigkeit halte ich mich zurück. Ich habe Zwischenetappen. Der grobe Plan ist da, das Ende ist offen. Nur kein Stress.

Wir haben nachgerechnet. Sie sind fast exakt ein Jahr verletzt ausgefallen. Schockiert Sie das?

Nein. Das muss man einplanen. Die meisten Fußballprofis kommen nicht verletzungsfrei durch ihre Karriere. Das ist eine Risikosportart, das ist ein Risikoberuf. Verletzungen gehören dazu, leider.

Kracht es im Fußball heute mehr als früher?

Das Spiel ist einfach schneller geworden. Auch bei der Anzahl der Spiele, die zum Beispiel die Bayern haben, da wundert es mich nicht, dass es kracht. Der Körper ist ja kein Roboter, obwohl …

Obwohl?

Bei so einer OP hat man schon den Eindruck, dass man wie ein Roboter wieder zusammengebaut wird.

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Sie sind ein verletzter Fußballprofi. Würden Sie sich als Glückskind oder als Pechvogel beschreiben?

Es ist das größte Glück, Fußballprofi zu sein. Ich habe mit fünf Jahren begonnen, davon zu träumen, Profi zu werden. Diese Verletzung werde ich auch überstehen und mich durchbeißen. Der Traum lebt.

Sie sind Kapitän dieser Mannschaft. Was können Sie machen?

Ich kann viel machen. Ich kriege ja alles mit. Ich kann durch Vier-Augen-Gespräche viel beeinflussen. Es läuft ja gut, auch wenn wir in Gladbach verloren haben. Die Leistung hat gepasst. Alles ist im Lot. Aber es wird Phasen geben, wenn die Leute unruhig werden und wir intern Ruhe bewahren müssen. Das sind die entscheidenden Momente für einen Kapitän. Ob der dann verletzt ist, ist egal.

Es gibt Verletzte, Ersatzspieler, Unzufriedene, um die kümmern Sie sich auch?

Nicht nur ich, der gewählte Mannschaftsrat ist dafür da. Das sind so die Zwickmühlen im Leistungssport, die wir im Griff haben müssen. Aber jeder persönlich sollte alt genug und Profi genug sein und im Training mit einer guten Reaktion zeigen, wie sauer und unzufrieden man ist, weil man nicht spielt. Aber das ist halt das Spiel: Nicht jeder kann zufrieden sein.

Diese Spieler sind bei Hannover 96 verletzt oder angeschlagen.

Sie haben beschrieben, was Sie für die Mannschaft tun. Was tut die Mannschaft für Sie?

Mir reicht’s, wenn ich in die Kabine komme, mir die Witze anhöre und selbst mal einen raushaue. Die Jungs zu se­hen, das fühlt sich gut an, das lenkt ganz gut ab von dem, was man gerade im Knie fühlt. Die Mannschaft hat mich außerdem viel he­rumkutschiert, als ich nicht Auto fahren konnte. Mich hat die Geschichte mit meiner „7“ auf der Kapitänsbinde in Mainz unheimlich stolz ge­macht. Ich habe mir das Spiel im Krankenhaus angeschaut. Dann habe ich diese Leistung gesehen und dass man in der Mannschaft einfach füreinander da ist.

Haben Sie geweint?

Nein. Aber ich war gerührt und berührt. Wenn ich das so sagen darf: Für mich war einfach nur geil zu sehen, dass mein Haufen das Ding regeln kann. Ich wäre, auch das muss ich betonen, selbst liebend gern dabei ge­wesen. Ich bin froh, wenn ich wieder fit bin. Das ist für mich aber noch eine Zukunftsvision, dass ich zurückkomme und wir stehen in der Tabelle vernünftig da.

Der aktuelle Blick auf die Tabelle ist erstaunlich, oder?

Es wäre nicht schlau, davon zu reden, dass wir keine Abstiegssorgen bekommen. Jeder sieht doch, dass etwas zusammengewachsen ist in der vergangenen Saison. Es schweißt unglaublich zusammen, wenn man zusammen aufsteigt. Ich habe das in Fürth auch erlebt.

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Fürth, Düsseldorf, Paderborn – alle sind dann aber abgestiegen. Wo liegt der Unterschied zu 96?

Die Qualität. Qualität ist immer da gewesen. Aber es hat nicht immer alles zu 100 Prozent gestimmt. Jetzt passt alles.

Durchschauen Sie eigentlich noch die ständigen taktischen Wechsel bei 96 von der Tribüne aus?

Natürlich, wir haben doch die komplette Vorbereitung fast nichts anderes gemacht. So kompliziert ist es auch wieder nicht, weil viele Systeme ineinander übergehen. Es ist komplizierter geworden, aber auch effektiver. Für den Gegner ist es eher schwieriger, zu verstehen, wie wir spielen. Deshalb sieht es so gut aus, wie wir hinten rausspielen. Unsere Struktur ist gut. Und jeder folgt dem Plan.

Ans Karriereende denken Sie nicht?

Warum? Ich bin doch noch jung. Ich bin gerade völlig frei und total in der Balance.

Ich frage deshalb, weil viele die Verletzungszeit auch nutzen, um über ihre Zukunft nachzudenken. Über ein Fernstudium zum Beispiel?

Die Zeit zum Nachdenken habe ich. Aber ob ein Fernstudium eine Perspektive ist, wage ich zu bezweifeln. Die Fern-Unis sind in der freien Marktwirtschaft nicht so anerkannt wie gestandene Universitäten. Wenn ich studieren sollte, dann bei einer Uni vor Ort. Die Uni Erlangen-Nürnberg zum Beispiel halte ich für eine vernünftige Universität. Das hängt natürlich davon ab, wo ich gegen Ende meiner Karriere spiele.

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Was machen Sie aktuell für Ihre Birne?

Klavier spielen zum Beispiel. Ich spiele seit anderthalb Jahren etwa. Das hilft, sich abzulenken. Es betäubt fast und macht unheimlich Spaß.

Was üben Sie gerade?

„All of me“ von John Legend.

Singen Sie? Können Sie die Kopfstimme?

Kopfstimme? Ich singe doch nicht. Ich spiele nur Klavier, das reicht mir. „All of me“ ist ein kompliziertes Stück, das Spaß macht. Es trainiert den Kopf, und vielleicht bin ich deshalb auch eher in der Balance als früher.

Region/Hannover Hannover 96 (Herren) Fussball Bundesliga Edgar Prib (Hannover 96)

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