10. November 2018 / 19:26 Uhr

Füllkrug, Fans und harter Fight: So lief das Frauen-Derby zwischen 96 und Braunschweig

Füllkrug, Fans und harter Fight: So lief das Frauen-Derby zwischen 96 und Braunschweig

Sören Stegner
Hannover 96 hat Eintracht Braunschweig im Frauenfußball-Derby mit 4:3 bezwungen.
Hannover 96 hat Eintracht Braunschweig im Frauenfußball-Derby mit 4:3 bezwungen. © Lobback
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Mit 4:3 haben sich die Fußballfrauen von Hannover 96 im Niedersachsenderby gegen Eintracht Braunschweig durchgesetzt. Dabei hatte das Spiel praktisch alles, was ein Derby ausmacht.  

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Ordner, Zugangskontrollen, eigens aufgestellte Absperrgitter: Alles Dinge, die bei einem Oberliga-Spiel im Frauenfußball eher Seltenheitswert haben. Aber es ist eben auch kein alltägliches Spiel, das hier auf Platz 3 des 96-Nachwuchsleistungszentrums am Eilenriedestadion stattfindet – sondern das Niedersachsenderby zwischen Hannover und Eintracht Braunschweig. Zum ersten Mal in der Fußballhistorie wird es im Frauenfußball ausgetragen.

Tabellenführer trifft auf Tabellenzweiten

Zur historischen Rivalität der beiden Klubs kommt an diesem Nachmittag, dass die beiden Aufsteiger sich in der 4. Frauenfußball-Liga als Tabellenführer (Hannover) und Tabellenzweiter (Braunschweig) treffen. Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehört, dass die Partie in Absprache mit der Polizei vom Sonntag auf Samstag vorverlegt wurde: ein Termin, an dem die Drittliga-Herren des BTSV zu Hause auf Uerdingen treffen, was erwarten ließ, dass die meisten Anhänger der Blaugelben ins Eintracht-Stadion statt nach Hannover pilgern würden.

Ab in die Kurve: die 96-Frauen jubeln nach dem Derbysieg mit den Fans

Zudem sind für beide Teams lediglich 100 Zuschauer zugelassen. Diejenigen aus Ostniedersachsen kommen zu einem Großteil per Fanbus in die Landeshauptstadt gereist. Mit einem herzhaft geschmetterten „Kniet nieder, ihr Bauern, Braunschweig ist zu Gast“, stellen sie sich am Kunstrasenplatz vor – was bei den 96-Anhängern eher für Belustigung sorgt. Allerdings wird die Stimmhoheit in der Folge bei den Fans des BTSV bleiben.

Das erste Niedersachsenderby der Frauen: Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig

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Jedenfalls bis zur 8. Minute. Dann verstummen sie abrupt, weil Saskia Tietz nach Flanke von Julia Catharina Dose per Kopfball zum 1:0 für die „Roten“ trifft. „Ausgerechnet die kleinste Spielerin auf dem Platz“, lacht 96-Trainer Marcel Geisenhainer nach dem Spiel. Es entwickelt sich ein Muster: Tietz und Dose machen Dampf über die Außenbahnen, bedienen sich entweder gegenseitig oder setzen andere Offensivkräfte in Szene. Und so erhöht denn abermals nach Dose-Hereingabe Aileen Osterwold auf 2:0.

Nachdem wie aus dem Nichts die Brauschweigerinnen zum Anschluss getroffen haben, schiebt Anna-Lena Füllkrug – die jüngere Schwester von 96-Bundesliga-Stürmer Niclas Füllkrug – praktisch im direkten Gegenzug den Ball an BTSV-Keeperin Lina Bredereck zum 3:1 vorbei und stellt Minuten vor der Pause den alten Abstand wieder her.

3:1 zur Pause keine Vorentscheidung

Die Vorentscheidung? Mitnichten. Denn in Halbzeit zwei dreht plötzlich Braunschweig auf. „Da haben wir ein bisschen gepennt“, analysiert Geisenhainer. Das kann man zweifellos so sehen, schließlich kommen die BTSV-Frauen innerhalb weniger Minuten zum 3:3-Ausgleich. Unter den Zuschauern macht derweil die Nachricht von der sich anbahnenden Niederlage der Eintracht-Männer gegen Uerdingen die Runde. „Die sollen mal bei den Frauen gucken, wie man richtig kämpft“, findet ein Zuschauer.

Die Zuschauer-Stimmen zum Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig: Das sagen die Fans

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Gekämpft wird jetzt tatsächlich. Es wird hitzig auf dem Platz, harte Zweikämpfe, bisweilen ruppige Fouls, viele Verletzungsunterbrechungen. Und 96 beginnt plötzlich die Kontrolle über die eigentlich bereits entschiedene Partie zu verlieren. Braunschweig ist am Drücker. „Die zweite Halbzeit ging komplett an uns“, sagt Eintracht-Torwarttrainerin Corinna Griese. Aber 96 behält die Nerven – und kann sich in einigen Situationen bei Torhüterin Katharina Mattus bedanken. „Wir haben uns da richtig wieder ins Spiel reingefightet“, so Geisenhainer.

Mehr zu den 96-Frauen

Beide Teams haben jetzt gute Chancen, Tore fallen aber nicht. Bis zur 88. Minute. Da pfeift die Schiedsrichterin zunächst Freistoß an der Strafraumkante, hält dann Rücksprache mit der Linienrichterin – und zeigt schließlich auf den Punkt: Strafstoß für 96. Eine durchaus umstrittene Entscheidung. „Die rasseln zusammen und plötzlich gibt‘s Elfmeter“, sagt Griese. „Dass die Situation im Strafraum stattfand, ist unstrittig. Aber wir haben wirklich keine Ahnung, was die da gepfiffen hat.“ Es entbrennen Diskussionen, BTSV-Trainerin Katja Wittfoth schimpft lauthals. 96-Coach Geisenheiner sieht die Situation erwartungsgemäß anders: „Für uns war das ein klarer Elfmeter.“

Füllkrug macht den 4:3-Siegtreffer

Anna-Lena Füllkrug lässt sich von dem Trubel jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Sie schnappt sich den Ball – und trifft zum 4:3. Jetzt gilt es die Nachspielzeit zu überstehen. Und die ist nach all den Unterbrechungen lang. Sechs Minuten lässt die Schiedsrichterin nachspielen. Dann ist der erste Sieg im ersten Niedersachsenderby der Frauen unter Dach und Fach gebracht. Geisenhainer: „Hammergeil! Das kann man gar nicht beschreiben!“

Die besten Bilder von Anna-Lena Füllkrug, Schwester von 96-Profi Niclas, im Trikot von Hannover 96.

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