08. November 2018 / 21:32 Uhr

"Wird ein deutlich anderes, kampfbetonteres Spiel": Jörg Schmadtke im Interview (Teil 2)

"Wird ein deutlich anderes, kampfbetonteres Spiel": Jörg Schmadtke im Interview (Teil 2)

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
VfL-Manager Jörg Schmadtke im Interview.
VfL-Manager Jörg Schmadtke im Interview. © Florian Petrow
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Im zweiten Teil vom großen Interview mit Jörg Schmadtke spricht der ehemalige Hannover-96-Manager und heutige Geschäftsführer vom VfL Wolfsburg über Ultras, die ausufernde Kommerzialisierung und Trainerentlassungen.

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Welche Ziele haben Sie für diese Saison?

Wir wollen uns im Mittelfeld der Tabelle stabilisieren. Da stehen wir auch, auf der Kippe zwischen oberer und unterer Tabellenhälfte.

Haben Sie eigentlich auch Ultras in Wolfsburg?

Klar, die gibt’s doch in jedem Bundesligaverein.

In Köln hatten Sie mit den Ultras Probleme, 96 hat die auch, aktuell hat Berlin den Ärger – manchmal entsteht der Eindruck, dass die Gruppen den Verein in Beugehaft nehmen?

Das wirkt manchmal so, ist aber auch immer die Frage, wie weit man sich als Club darauf einlässt. Das ist ein schmaler Grat, wie man am Beispiel Hannover oder jetzt auch Hertha BSC sieht. Aber die Ultras sind ja nicht die einzigen Stadionbesucher. Wir haben Familien, Frauen, Männer, Alt und Jung und auch Ultras, die im übrigen auch keine homogene Gruppe sind.

Stimmen Sie zu, dass die ausufernde Kommerzialisierung mit Themen wie Superliga und Ablösewahnsinn nicht nur die Ultras bewegt?

Das ist ein komplexes Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen. Da geht’s um Vermarktung und auch um das innere Gleichgewicht in der Liga. Zwischen Bayern und Düsseldorf liegen Welten. Einerseits sollen uns die großen Clubs in Europa gut vertreten, weil es für die Liga wichtig ist. Andererseits soll es in der Liga einen richtigen Wettbewerb geben. Den haben wir übrigens aktuell auch in der Meisterschaft. Dazu habe ich den Eindruck, dass die Spiele insgesamt besser sind, als sie es vor zwei Jahren waren. Die Frage ist, woher das kommt.

Ja?

Zum einen sind wir in einer frühen Phase der Saison, zum anderen sind die Fesseln gelöst worden, weil uns in den vergangenen Jahren international die Erfolge fehlten. Auch das Abschneiden der Nationalmannschaft spielt eine Rolle. Man hat ein paar Dinge verändert, was dazu geführt hat, dass die Qualität der Spiele sich erhöht hat.

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Wie sehen Sie die sportliche Qualität bei 96?

Ich glaube, dass sie sich ein Stück weit unter Wert präsentieren. Dass sie stärker sind, als das Tabellenbild widerspiegelt.

Erwarten Sie am Freitag ein ähnliches Spiel wie im Pokal?

Nein. Es wird ein deutlich anderes, kampfbetonteres Spiel, weil für beide Seiten mehr auf dem Spiel steht. Auf Grund der Tabellensituation und der anschließenden Länderspielpause wird es ein intensiver geführtes Spiel als im Pokal. Darauf stellen wir uns auch ein.

Als Geschäftsführer bewerten Sie auch die Arbeit der Trainer. Die beschwerten sich zuletzt, dass zu schnell gefeuert wird. Ist das so?

Pauschal geurteilt ist das falsch. Es gibt Situationen, wo man von außen denkt, der Trainer wird zu schnell entlassen. Es gibt aber auch Situationen, wo Trainer sehr gut geschützt werden und wo man Täler zusammen überstehen kann. Das Beispiel dazu ist Leverkusen mit Heiko Herrlich. Zudem glaube ich, dass selten Trainer entlassen werden, weil sie zwei Spiele in Folge verloren haben. Veränderungen werden eher dann vorgenommen, wenn irgendetwas in der Zusammenarbeit und dem Miteinander nicht stimmt.

Wo Sie gearbeitet haben, kam bald der Erfolg, ob in Aachen, Hannover oder Köln. Alle drei Clubs haben Sie in den international Wettbewerb geführt. In Hannover und Köln war dann jeweils nach vier Jahren Schluss – wie lange bleiben Sie in Wolfsburg?

Mein Vertrag ist zunächst auf drei Jahre ausgerichtet.

Wann ist es für Sie grundsätzlich Zeit zu gehen?

Mit zunehmender Zeit werden die Dinge manchmal komplizierter. Ich habe mich immer dann verabschiedet, wenn sich abzeichnete, dass für mich und auch für die Clubseite die Geschichte beendet war und ich das Gefühl hatte, in der Konstellation nicht mehr weiterhelfen zu können. Das ist das Muster aus den drei Stationen.

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In TV-Interviews wirken sie manchmal grummelig. Wann erlebt man Sie herzhaft lachend?

In Situationen mit Menschen, die ich mag.

Ist Ihnen aber bewusst, dass es manchmal im Fernsehen kauzig wirkt?

Ich könnte viel Mühe aufbringen, um mich anders darzustellen, sehe aber die Notwendigkeit nicht. Es geht ja nicht darum, in der Öffentlichkeit mein Profil zu schärfen und mich in den Vordergrund zu stellen, sondern die Interessen des Clubs zu vertreten, für den ich arbeite. Da kann es schon mal sein, dass meine Art komisch rüberkommt, aber das ist mir egal, denn ich weiß, wer mein Brot bezahlt.

Dadurch schärfen Sie Ihr Profil aber dann irgendwie doch?

Ich habe schon als Spieler Dinge vertreten, die ein bisschen anders waren. Das liegt auch daran, wie ich in der Branche groß geworden bin, nämlich als Profi in meinem eigenen privaten Umfeld. Ich musste nicht meine Stadt verlassen, um Profi zu werden und brauchte mich deshalb nicht so an das Fußballumfeld anzupassen. Ich bin immer ein Stück weit distanziert gewesen und geblieben, weil ich durch mein eigenes Umfeld eine andere Sichtweise bei manchen Themen hatte. Das zieht sich wie ein roter Faden durch meine Karriere, auch wenn ich mich im Laufe der Jahre natürlich auch verändert und entwickelt habe.

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Es gab Wolfsburger Spieler, die in Hannover gewohnt haben wie Thomas Brdaric. War das für Sie auch eine Möglichkeit?

Nein. Es ist ein wichtiges Zeichen für den Club, in der Stadt zu wohnen, in der ich arbeite und nicht etwa in Braunschweig, Hannover oder Berlin. Ich wohne hier sehr schön in der Nähe des Schlosses.

Ist Wolfsburg denn so langweilig, wie manche behaupten?

Die Kneipen- und Clubszene ist ein bisschen unterentwickelt, aber das ist für mich nicht wichtig. Ich bin ja keine 25 mehr. Für mich ist Wolfsburg sehr attraktiv. Es ist eine saubere, sichere Stadt, in der man beispielweise sehr gut essen gehen kann. Für mich ist das dann meistens Italienisch.

Wie oft muss der Rheinländer Schmadtke aus dem emotionsarmen Norden wieder in Heimat zum Auftanken fahren?

Meine erster Wohnsitz ist hier, aber ich habe auch eine Dependance in Düsseldorf. Wenn wir im Westen spielen, bleibe ich da schon mal für ein, zwei Tage.

Jörg Schmadtke beim Interview-Termin in Wolfsburg:

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