01. September 2017 / 13:31 Uhr

„Vielleicht sind wir bald ja auch ein Top-Team“: Interview mit 96-Profi Waldemar Anton

„Vielleicht sind wir bald ja auch ein Top-Team“: Interview mit 96-Profi Waldemar Anton

Dirk Tietenberg
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Waldemar Anton hat bei 96 einen Vertrag bis 2021 – er ist aktuell in Top-Form.
Waldemar Anton hat bei 96 einen Vertrag bis 2021 – er ist aktuell in Top-Form. © Kirchner
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96-Profi Waldemar Anton entschleunigt zurzeit bei der U21-Nationalelf und spricht über Geld, Glaube und Ruhm.

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Waldemar Anton schaltet zurzeit ab. „Entschleunigung vom Fußball“ nennt DFB-Coach Stefan Kuntz das Trainingslager im Hotel Klosterpforte in Harsewinkel. Anton (21) trägt hier kein 96-Shirt, sondern dunkelgraue Kla­motten mit dem Adler auf der Brust.

An diesem Freitag (18 Uhr, Eurosport) spielt Anton als einer der sechs übrigen U-21-Europameister in Paderborn gegen Ungarn. Wir entschleunigten mit, besuchten „Waldi“ Anton im Kloster und unterhielten uns beim Spaziergang über ganz „normale“ Dinge. Über Geld, Familie, Freunde, Glauben und Ruhm.

Waldemar Anton, der 96-Start mit sechs Punkten – wie fühlt sich das an, wenn man hier im Kloster darüber nachdenkt?

Es gibt fast nichts Schöneres, als sechs Punkte auf dem Konto zu haben und dann in die Länderspielpause zu gehen. So völlig entspannt. Ich genieße die Zeit bis zum nächsten Spiel.

Ich habe versucht, zehn Minuten lang Ihre Spiel-Position gegen Schalke zu entschlüsseln. Bis mir klar war: Sie hatten zwei Positionen. Haben Sie das schon mal gespielt? Innenverteidiger und Sechser zugleich?

In der Jugend mal, ja. Aber im Profibereich noch nie. Wir hatten vorher genau besprochen, wie wir das umsetzen. Es hat gut geklappt. Schalke hatte wenig Chancen und wenig Ideen.

Am Mann: Sportbuzzer-Reporter Dirk Tietenberg mit Waldemar Anton in der Klosterpforte
Am Mann: Sportbuzzer-Reporter Dirk Tietenberg mit Waldemar Anton in der Klosterpforte © Kirchner
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Ideen, verschiedene Systeme. Ist das die 96-Stärke?

Wir haben viele Systeme trainiert. Deshalb sind wir unberechenbar für die Gegner, die nie 100-prozentig sicher sein können, wie wir anfangen. Wir nehmen uns viel Zeit, über gegnerische Spieler und Mannschaften zu reden.

Wenn Sie eine Transfersumme von 222 Millionen Euro mitbekommen, denken Sie dabei nur an 96 oder fühlen Sie sich schon als Teil im Transferzirkus?

Das ist natürlich speziell. Der Fußball hat bei den Summen einen riesigen Sprung gemacht. Ich be­komme das mit, lese das durch, aber viele Gedanken mache ich mir nicht. Ich spiele einfach Fußball, weil ich’s gerne mache, seit kleinauf. Ich will mit 96 so viel erreichen, wie ich kann.

Gab es Angebote?

Es gab Gespräche. Aber Hannover steht für mich an erster Stelle. Deshalb habe ich den Vertrag ja auch verlängert.

Wie wichtig ist Geld?

Nicht das Wichtigste. Familie und Ge­sundheit sind das Allerwichtigste. Aber klar, man freut sich, wenn man gutes Geld verdient, Freunden helfen kann oder der Familie.

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Haben Sie noch Familie in Usbekistan, der Sie Geld schicken?

Ja. Das ist kein reiches Land, zu­mindest da nicht, wo meine Großeltern herkommen. Meinen Großeltern geht’s aber gut.

Was bedeutet Ihnen der Adler auf Ihrer Brust?

Das ist immer ein Traum von mir gewesen. Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Ich bin froh, den Adler auf der Brust tragen zu dürfen, und freue mich auf die Saison mit der Nationalmannschaft.

Gab es Anfragen aus Russland?

Nein.

Wie halten Sie es mit dem Glauben?

Ich bin gläubig und ein Christ.

Beten Sie?

Ja. Ab und zu. Wenn die Möglichkeit besteht, gehe ich in die Kirche in Wettbergen. Leider gibt es nicht so viele Gelegenheiten. Aber an Weihnachten bin ich immer dort. Wenn etwas Schlimmes passiert, gehe ich in die Kirche und zünde eine Kerze an.

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Wie steht’s bei Ihnen mit Treue?

Das gehört zum Leben und ist mir wichtig.

Was sind denn die Tugenden, die für einen Aufsteiger wichtig sind?

Lernfähig muss man bleiben, Disziplin ist ein wichtiger Faktor. Und was hier bei der U 21 auch wichtig ist: Zusammenhalt.

Wie beschwört man einen Teamgeist?

Es gibt verschiedene Optionen. Als Trainer hat man Einflussmöglichkeiten. Aber vor allem muss man sich in der Mannschaft auf jeden Einzelnen verlassen können. Bei 96 ist das so. Der Teamgeist kam so zustande, dass jeder mit jedem gut kann. Wir gehen oft nach dem Training ge­meinsam essen. Es war nie so, dass man trainiert, nach Hause fährt und fertig. Es war immer jemand da, den man trifft, reden kann und sich austauscht.

Dabei geht’s nicht nur um Fußball?

Nein, auch um private Dinge. Das ist speziell auch für die neuen Spieler wichtig, die nicht aus Hannover kommen. Bei mir ist das ja anders. Ich kenne mich hier aus, bin in Hannover aufgewachsen, habe meine Freunde hier.

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Was müssen Freunde für Sie machen – oder sind Sie nur für Ihre Freunde da?

Klar sind sie für mich da, auch in schweren Zeiten.

Sie hatten schwere Zeiten?

Ja, ich war schließlich auch mal länger verletzt. Nicht als Profi zum Glück, aber in der Jugendzeit bin ich ein halbes Jahr ausgefallen. Auf dem Weg zum Profiwerden haben meine Familie und Freunde mir geholfen. Sie haben gesagt, ich soll auf mein Spiel warten und ruhig bleiben.

Wer war denn Ihr Idol früher?

Ich war selbst früher mal Stürmer. Damals war Roy Makaay mein Idol. Seit ich umgeschult wurde, waren es Piquet, Sergio Ramos und Arturo Vidal.

Das sind aber extrovertierte Typen: Der eine hat ’ne tolle Frau, der andere legt sich mit gegnerischen Fans an, und der Dritte grätscht jedem die Beine weg. So extrovertiert kommen Sie mir jetzt nicht vor.

Diese Typen gefallen mir einfach. Sie sind alle immer für ihre Mannschaft da. Das spricht mich komplett an.

Alle spielen bei Top-Clubs. Und als 28-Jähriger? Wo spielen Sie?

Darüber mache ich mir momentan noch nicht so viele Gedanken. Zu­nächst einmal möchte ich mit 96 noch eine Menge erreichen – und wer weiß, vielleicht sind wir in ein paar Jahren auch ein Top-Club.

Welcher große Club war denn Ihr Traumclub?

Barcelona.

Dann wissen wir ja, wo es irgendwann hingeht. Im Ernst: Was bedeutet Ihnen Ruhm?

Das ist ähnlich wie Erfolg. Man fühlt sich bestätigt, und es gibt einem Selbstbewusstsein.

Und wie ist das, wenn man vor 50. 000 Menschen spielt?

Ich bin eigentlich immer ein lockerer Typ. Aber wenn du dann zum ersten Mal vor 50. 000 Menschen spielst, bist du doch etwas nervös. Aber wenn man einmal richtig drin ist, ist das ein Super-Gefühl. Das macht einen stolz.

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