08. November 2018 / 12:40 Uhr

"Hannover 96 steht vor einer Zerreißprobe": Jörg Schmadtke im Interview (Teil 1)

"Hannover 96 steht vor einer Zerreißprobe": Jörg Schmadtke im Interview (Teil 1)

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
VfL-Manager Jörg Schmadtke im Interview.
VfL-Manager Jörg Schmadtke im Interview. © Boris Baschin
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Im ersten Teil vom großen Interview mit Jörg Schmadtke spricht der ehemalige 96-Manager und heutige Geschäftsführer vom VfL Wolfsburg über Unruhe bei Hannover 96, 50+1, seinen neuen Arbeitgeber und die DNA des VfL Wolfsburg.

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Jörg Schmadtke, tut es Ihnen eigentlich ein bisschen leid, wenn Sie wie vergangene Woche Ihren Ex-Club 96 aus dem Pokal werfen?

Ehrliche Antwort – nein. 96 ist ein Teil meiner Vergangenheit, ich habe da auch gern gearbeitet. Man verfolgt zwar noch seine Ex-Clubs, aber ich freue mich dann doch lieber für meinen neuen Verein, dass wir eine Runde weitergekommen sind.

Gibt’s denn noch Verbindungen nach Hannover?

Ich habe mit ein paar Leuten noch ab und zu Kontakt. Stadionchef Thorsten Meier etwa. Oder Martin Kind, Gregor Baum und Axel Partenheimer.

Wie nehmen Sie die aktuelle Situation bei 96 wahr?

Ich kann das nur oberflächlich und ganz vorsichtig bewerten. Von außen wirkt es gerade ein bisschen unruhig. Es sieht danach aus, dass der Verein vor einer Zerreißprobe steht. Wenn eine außerordentliche Mitgliederversammlung nach einer Unterschriftensammlung einberufen wird, dann ist das ein Zeichen, dass irgendwas in der Kommunikation oder der Struktur nicht stimmt.

Ist 96-Chef Kind der alleinige Vorreiter bei der Aufhebung von 50+1?

Das war Martin Kind ja schon immer. Mich wundert nur, dass es sich so lange hinzieht.

Was ist Ihre persönliche Position – soll 50+1 fallen oder bleiben?

Ich fände es gut, wenn wir als Liga in der Lage wären, das selbst zu gestalten und uns nicht von Gerichten aufdrücken lassen, was wir zu tun oder zu lassen haben.

Es sieht aber gerade nicht danach aus, dass Ihr Wunsch erfüllt wird.

Das stimmt.

Jörg Schmadtke - Seine Karriere in Bildern:

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Sie könnten ja mit Ihrem Verein was anstoßen.

Wir als VfL Wolfsburg sollten uns als Verein mit einer Sondergenehmigung der DFL da besser zurückhalten. Es wäre nicht schlau, sich da aktiv einzubringen.

Eine Folge der Debatten in Hannover war der Stimmungsboykott, durch den 96 eine Saison lang so gut wie kein Heimspiel hatte.

Dass der Verein das Jahr überstanden hat, spricht für die Kraft dieses Clubs. Das ist schon gut.

Warum zeigt der Club diese Kraft aktuell nicht, was sind die Bremsklötze?

Das kann ich nur vermuten. Es scheint zwei unterschiedliche Pole zu geben, die nicht vereinbar sind. Auf der einen Seite Martin Kind mit seinen Ideen, wie er den Verein zukunftsträchtig aufbauen will. Auf der anderen Seite die Traditionalisten, der e.V., der Verein, der die Dinge in der Hand halten soll. Das geht nicht zusammen.

Die sportliche Situation ist aber auch nicht befriedigend. Warum?

Das kann ich ebenfalls nicht beurteilen. Das Einzige, was ich feststellen kann, wenn ich die Mannschaftsstruktur sehe, ist, dass sie nicht am Limit performen, dass sie mehr Punkte hätten haben können.

Das sind die Tops und Flops aller Schmadtke-Transfers:

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Bevor Sie in Wolfsburg angefangen haben, hat sich der VfL auch um 96-Manager Horst Heldt bemüht. Helfen Sie uns – wer war erste und wer zweite Wahl?

Da bin ich der falsche Ansprechpartner. In der Berichterstattung wirkte es so, dass Horst erste Wahl war. Ob das so ist, weiß ich nicht, ist für mich aber auch unerheblich.

Sie haben jetzt in Wolfsburg mehr Mittel zur Verfügung als bei 96. Leben Sie als VfL-Geschäftsführer wie Gott in Frankreich?

Nein, ich lebe wie Jörg in Wolfsburg. Wir sind schon ein bisschen besser ausgestattet, vor allem die Infrastruktur ist super. Wirtschaftlich haben wir aber auch eine Einnahmen- und Ausgabenseite, die einigermaßen im Lot stehen sollte. Wir arbeiten hier schon nach kaufmännischen Grundprinzipien und müssen mit Augenmaß handeln, was den einen oder anderen erstaunen mag.

Wie ist Ihre Herangehensweise bei einem neuen Verein – gibt es eine Schmadtke-Linie, die Sie in Aachen, Hannover, Köln und Wolfsburg gleich durchziehen?

Immer gleich ist, hingehen und zuhören – und versuchen, sich die DNA einzuverleiben. Es ist wichtig, eine Leitlinie zu haben, aber sich trotzdem auf die Besonderheiten des jeweiligen Club einzulassen.

Jörg Schmadtke beim Interview-Termin in Wolfsburg:

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Was ist in Wolfsburg für Sie besonders?

Es ist eine andere Konstellation, weil wir das Werk im Hintergrund haben. Wir haben zum Beispiel einen Betriebsrat, das hatte ich noch nicht erlebt. Man muss bei dem einen oder anderen Thema ein paar Leute mehr mitnehmen als in anderen Clubs, aber das ist kein Problem.

Wo wollen Sie denn mit dem VfL hin?

Wenn man den größten Autobauer der Welt als Shareholder hat, ist klar, dass man ins obere Drittel der Tabelle will.

Klingt fast bescheiden.

Man muss immer auch die Konkurrenzsituation betrachten, und Fußball ist nun mal kompliziert.

Welche Folgeschäden haben denn die zwei Jahre Relegation hinterlassen?

Ein Stück weit Verunsicherung, daraus resultierend ein etwas zu geringes Selbstvertrauen. Der VfL ist über 20 Jahre ununterbrochen in der Bundesliga vertreten. Ich würde mir wünschen, dass unsere Farben aggressiver und selbstverständlicher vertreten werden. Daran arbeiten wir aber.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews mit Jörg Schmadtke.

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