26. Mai 2018 / 13:27 Uhr

Hannovers Fußballchefs kritisieren Hannover 96: "Das ist kein Fairplay"

Hannovers Fußballchefs kritisieren Hannover 96: "Das ist kein Fairplay"

Mark Bode
Rolf Jägersberg vom VfL Eintracht Hannover findet das Vorgehen von Hannover 96 nicht richtig.
Rolf Jägersberg vom VfL Eintracht Hannover findet das Vorgehen von Hannover 96 nicht richtig. © Maike Lobback
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Hannover 96 will mit einer dritten Mannschaft in der nächsten Saison an den Start gehen. Um möglichst schnell in die Oberliga zu spielen, will sich der Verein bei Fortuna Sachsenross in der Kreisliga einkaufen. Das kommt in Hannovers Fußballszene gar nicht gut an.

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Die hannoversche Fußballszene ist in Aufruhr. Hintergrund: Hannover 96 will zur Saison 2019/20 den Kreisliga-Startplatz von Fortuna Sachsenross kaufen und die Amateursparte in den Folgejahren möglichst schnell bis in die Oberliga bringen. Das gefällt den Verantwortlichen der Kreisliga-Vereine weitgehend gar nicht. „Das kann ich nicht gutheißen. Warum fangen sie nicht auch ganz unten an – wie jeder andere Verein auch“, sagt der stellvertretende Vorsitzende von TuS Kleefeld, Carsten Schumacher. „96 soll in der Bundes- und Regionalliga mit den beiden Teams bleiben. Alles andere ist Wettbewerbsverzerrung“, sagt Reinhard Schwitzer, Vereinsboss bei der SG 74. Er fürchtet eine zu große Dominanz von 96: „Die würden andere Vereine erdrücken.“

​"Nur der Einstieg ist falsch"

Auch Rolf Jägersberg, Chef beim VfL Eintracht, ist aufgebracht: „Das ist ein Schlag ins Gesicht von Vereinen, die sich seit Jahren ehrenamtlich engagieren. Das hat mit Fairplay und sozialer Rücksicht gegenüber den anderen Vereinen nichts zu tun.“ Er hält es grundsätzlich nicht für verwerflich, dass sich 96 im Bereich Breitensport neu aufstellen möchte. „Nur der Einstieg ist falsch“, so Jägersberg. Ihn stört das Verhalten von 96 massiv. Zudem musste er schon negative Erfahrungen sammeln. Im Leichtathletikbereich soll der Verein seinem VfL Eintracht vier Kaderathleten abgeworben ha­ben: „Und das, nachdem sie selber jahrelang keine Nachwuchsarbeit betrieben haben.“ Für ihn ist das kein guter Stil. „Das gehört sich nicht“, sagt er.

Auch bei den meisten Spielern von Fortuna Sachsenross sind die Pläne auf wenig Gegenliebe gestoßen. Sie fürchten, dass vom Verein nur eine leere Hülle für 96 bleibt. Positives gewinnen sie der Finanzspritze ab, die Fortuna-Anlage ist in keinem guten Zustand, dazu sinkt die Trainingsbeteiligung im Winter stark ab.

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​"Es muss alles sportlich fair bleiben"

Florian Hammer, Sportlicher Leiter bei den Sportfreunden An­derten, steht dem 96-Vorhaben offen gegenüber. „Ich finde es grundsätzlich nicht verkehrt, wenn sie sich etwas breiter aufstellen wollen.“ Er fügt allerdings hinzu: „Es muss alles sportlich fair bleiben.“ Heißt: Wenn 96 nicht in der 4. Kreisklasse beginnen sollte, hätte er dafür kein Verständnis: „Das wäre ein komisches Vorgehen, einem anderen Verein einfach die Lizenz abzukaufen.“ Er kann zu­dem nicht nachvollziehen, dass Fortuna für dieses Vorhaben offen ist. „Ich hätte keine Lust, den Namen und die Tradition herzugeben. Ich verstehe es nicht. Der Verein hat eine schöne Anlage. Da sollte es doch andere Möglichkeiten geben“, sagt der Anderter, der mit seinem Team morgen (15 Uhr) in der Kreisliga auf die Fortunen trifft.

Den Verantwortlichen bei Fortuna macht Jägersberg unterdessen keinen Vorwurf: „Wir wissen, dass viele Clubs wirtschaftliche Schwierigkeiten haben und um die Existenz kämpfen.“ Deshalb kritisiert er primär die Verantwortlichen bei 96, Präsident Martin Kind und Martin Mader, der für die Breitensport-Abteilung zuständig ist. Er kenne und schätze beide sehr, sagt aber: „Ich fände es sehr schade, wenn es wirklich deren Wille ist, diesen Weg so zu gehen.“

Eine Gefahr, die die meisten Vereinsvertreter sehen: 96 wedelt mit Geldscheinen und kauft sich pro­blemlos eine namhafte Mannschaft zusammen, mit der es dann zügig nach oben gehen soll. Bis in die Oberliga, so Maders Plan. „Die hätten kein Problem damit, Spieler zu finden“, so Schwitzer. „Die Marke 96 zieht ohnehin“, ergänzt Hammer. Allerdings könne unter einem zusammengekauften Team das Miteinander leiden: „Vielen Spielern kommt es auf Teamgeist und Zusammenhalt an. Das finden sie dann bei anderen Vereinen.“

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