Hansas Vorstandsboss Robert Marien Hansas Vorstandsboss Robert Marien © Andy Bünning
Hansas Vorstandsboss Robert Marien

Hansa-Chef: DFB behandelt die 3. Liga stiefmütterlich

Marien begrüßt neuen TV-Vertrag, ist aber unzufrieden mit dem finanziellen Erlös.

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Die Telekom legt ein Jahr früher los als geplant und zeigt bereits in der Saison 2017/18 alle Drittliga-Spiele live im Internet. Begrüßen Sie das?
Robert Marien: Ja, ich finde das gut. Dadurch gibt es eine umfassendere Live-Berichterstattung und die Liga wird attraktiver. Leider gibt es zunächst nicht mehr Geld für die Vereine.

Finanziell hat das vorzeitige Engagement keine Auswirkungen?
Marien: Die Vereine profitieren davon in der nächsten Saison noch nicht. In der darauffolgenden Spielzeit gibt es einen kleinen Obolus obendrauf, aber der ist wirklich klein.

Wie viel Geld gibt es?
Marien: Einen kleinen sechsstelligen Betrag. Ganz genau beziffern kann ich es nicht, weil es davon abhängig ist, wie viele zweite Mannschaften in der 3. Liga spielen. Die zweiten Vertretungen werden ja an dem TV-Geld nicht beteiligt – das heißt, je mehr zweite Mannschaften dabei sind, desto mehr Geld bleibt für die anderen Vereine.

Wie viel Fernsehgeld bekommt Hansa aktuell?
Marien: Ungefähr 770.000 Euro, im nächsten Jahr werden es mit dem Telekom-Vertrag dann etwa 130.000 Euro mehr sein.

Finden Sie den Betrag angemessen?
Marien: Nein, das ist deutlich zu wenig, weil die Schere zur 2. Liga immens größer wird, die Anforderungen vom DFB an die Vereine aber immer mehr an die 2. Liga angepasst werden. Das heißt, die Klubs müssen immer weitere Profi-Bedingungen schaffen, werden aber nicht wie Profis bezahlt. Infolgedessen steigt der Kostendruck, aber die Einnahmenseite stagniert. Dadurch wird es für die Drittligisten immer schwerer.

Wie sieht die Verteilung in der 2. Liga aus?
Marien: Es gibt einen neuen Schlüssel, die Spanne vom Ersten bis zum 18. ist sehr groß. Der am niedrigsten eingestufte Zweitligist bekommt in etwa das Zehnfache eines Drittligisten. Ab der 2. Liga ist das TV-Geld die wichtigste Einnahmequelle der Vereine – bei Hansa Rostock ist es nur die Einnahmequelle Nummer fünf.

Was rangiert davor?
Marien: Unsere wichtigste Einnahmequelle sind die Sponsoren, an zweiter Stelle folgt das Ticketing, dann das Merchandising, die Mitgliedsbeiträge und dann kommt erst das TV-Geld. Wenn man sich das vor Augen führt, kann man sich ungefähr vorstellen, wie verkehrt diese Welt ist!

Haben die Vereine die Möglichkeit, gegenzusteuern?
Marien: Nein, das können wir nicht. Wir sind da wirklich ein Stück weit außen vor. Aber – um es noch mal klarzustellen: Hansa begrüßt den Einstieg der Telekom, doch mit dem Ergebnis in der Vermarktung bin ich nicht einverstanden.

Die Vereine saßen bei den Verhandlungen nicht mit am Tisch?
Marien: Nein, wir wurden über die Ergebnisse informiert.

Befürchten Sie, dass weniger Zuschauer ins Stadion kommen, wenn jedes Spiel live zu sehen ist?
Marien: Das wird sich zeigen. Das ist ein Hinweis, den wir dem DFB gegeben haben – ob das wirklich richtig bedacht wurde. Im Basketball und im Eishockey – auch da ist die Telekom eingestiegen – hat sich das Zuschauerverhalten nach unseren Informationen besonders auswärts verändert. Vielleicht wird es auch bei uns im Gästeblock leerer, schließlich ist Rostock für die meisten Klubs ziemlich weit entfernt. Ich bin gespannt, ob aus Karlsruhe so viele Fans anreisen, wie sie es tun würden, wenn das Spiel nicht live übertragen würde.

Hansa ist bei weitem nicht der einzige Drittligist, bei dem das Geld knapp ist. Wie viel Fernsehgeld wäre denn nötig, um gut wirtschaften zu können?
Marien: Es ist ja kein Zufall, dass fast alle Drittligisten zu knappsen haben, da spielt das TV-Geld eine wesentliche Rolle. Aus meiner Sicht bräuchten wir etwa 20 bis 30 Prozent des Zweitliga-Fernsehgeldes, um die Profi-Strukturen zumindest ansatzweise am Laufen zu halten. Nur mal zum Vergleich: Alle Drittligisten zusammen erhalten weniger Fernsehgeld als der Erstplatzierte in der 2. Bundesliga. Das zeigt, wie gewaltig die Schere ist! Viele Spieler sitzen lieber bei einem Zweitligisten auf der Bank oder der Tribüne, bevor sie bei einem Drittligisten für deutlich weniger Geld ackern gehen.

Würden Sie sich wünschen, dass auch die 3. Liga unter dem Dach der DFL stattfindet?
Marien: Das könnte eine Möglichkeit sein. Der DFB muss sich einfach überlegen, wie er mit seiner höchsten Liga umgeht. Ich habe das Gefühl, dass es doch ein bisschen stiefmütterlich ist, dass wir hintendran stehen. Eine andere Möglichkeit wäre es, eine eigene GmbH zu gründen, die sich um die Vermarktung kümmert und sich ausschließlich mit der 3. Liga beschäftigt.

Interview: Sönke Fröbe

Region/Mecklenburg Vorpommern ezimport F.C. Hansa Rostock (Herren) F.C. Hansa Rostock F.C. Hansa Rostock (Herren) 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren)

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