09. November 2018 / 01:07 Uhr

Hansa-Ikone Juri Schlünz: „Gegen Kaiserslautern gab es immer auf die Hölzer“

Hansa-Ikone Juri Schlünz: „Gegen Kaiserslautern gab es immer auf die Hölzer“

Sönke Fröbe
Meister West gegen Meister Ost im Supercup: Stefan Kuntz (l.) und Juri Schlünz tauschen 1991 die Wimpel. 
Meister West gegen Meister Ost im Supercup: Stefan Kuntz (l.) und Juri Schlünz tauschen 1991 die Wimpel.  © imago/Kicker/Liedel
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Der langjährige Spieler und Trainer von Hansa Rostock über denkwürdige Duelle gegen die Roten Teufel. Er wurde gegen FCK einst selbst vom Platz gestellt.

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Rostock. Viel mehr Tradition geht in der 3. Liga kaum: Hansa Rostock empfängt mit dem 1. FC Kaiserslautern morgen (14 Uhr, NDR und SWR) ein Schwergewicht des deutschen Fußballs. 44 Jahre spielte der viermalige Meister in der 1. Bundesliga (Platz zehn in der ewigen Tabelle), in dieser Saison machen die Roten Teufel erstmals Bekanntschaft mit der 3. Liga. Beide Klubs haben bessere Zeiten erlebt und sich in der Vergangenheit denkwürdige Duelle geliefert. Hansa-Ikone Juri Schlünz war beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Traditionsklubs dabei und schrieb unfreiwillig Fußball-Geschichte.

Supercup 1991: Schlünz fliegt vom Platz

Im Supercup-Halbfinale 1991 spielte der Meister Ost (Hansa) gegen den Meister West (Lautern) im Ostseestadion um die erste Trophäe des gesamtdeutschen Fußballs (das andere Halbfinale bestritten die Pokalsieger Bremen und Eisenhüttenstadt). „Wir lagen 0:2 hinten, dann machte Florian Weichert das 1:2 – und ich habe als Kapitän gesagt: ,Jungs, jetzt greifen wir noch mal an!“, erinnert sich Schlünz. Der Mittelfeldmann wollte mit gutem Beispiel vorangehen, erwischte bei einem Zweikampf aber FCK-Stürmer Thomas Vogel. Schiedsrichter Manfred Amerell zögerte nicht und zeigte dem bereits verwarnten Schlünz Gelb-Rot. Es war die erste Ampelkarte im deutschen Fußball. „Vielleicht wollte Herr Amerell Geschichte schreiben“, sagt Schlünz, dem die Strafe noch heute als zu hart erscheint.

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Noch schlimmer als das verlorene Supercup-Spiel waren für Schlünz aber die Folgen seiner Gelb-Roten Karte, die der DFB zur Saison 1991/92 eingeführt hatte. „Keiner wusste, wie damit umzugehen ist und für welches Spiel ich gesperrt bin“, erzählt der heute 57-Jährige. Schließlich musste der Hansa-Kapitän beim Bundesliga-Auftakt gegen Nürnberg von der Tribüne aus zuschauen. „Das war bitter für mich, immerhin hatte ich einen gewissen Anteil daran, dass wir in der Bundesliga spielten“, so Schlünz. Weil Rostock gegen Nürnberg 4:0 gewann, sah Trainer Uwe Reinders keine Veranlassung, die Startelf zu verändern und ließ seinen Kapitän auch bei den Siegen bei Bayern München (2:1) und gegen Borussia Dortmund (5:1) zunächst auf der Bank schmoren.

Die historische Gelb-Rote Karte ist eine von „etlichen Geschichten“, die Schlünz mit den Roten Teufeln verbindet. In 28 Pflichtspielen standen sich Mecklenburger und Pfälzer bis heute gegenüber – mit leichten Vorteilen für den FCK (13:10 Siege). Mit einer Mischung aus Respekt und Ehrfurcht erinnert sich Schlünz vor allem an die Duelle auf dem Betzenberg, die er als Spieler, Trainer oder Vereinsoffizieller miterlebt hat. „Auf dem Betzenberg galten eigene Gesetze, da war Feuer drin und es gab immer auf die Hölzer“, sagt der einstige Mittelfeldspieler und erinnert sich besonders an ein Spiel, bei dem ihm Lautern-Raubein Demir Hotic mit gestrecktem Bein mal den Knöchel lochte und „das Blut nur so rausblubberte“.

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Bittere Klatsche im November 2008

Nicht nur für Schlünz unvergessen und wohl auch unvergesslich: der 17. November 2008. Es war das letzte Spiel in seiner Trainerkarriere, und es wurde ein Desaster: Mit 0:6 gingen Hahnel, Gledson, Rahn, Kern und Co. auf dem Betzenberg unter. Auch der junge Kai Bülow war dabei, als die FCK-Fans den Rostocker Spielern nach dem Abpfiff höhnisch mit Papiertaschentüchern winkten. Schlünz, der damals dem Klubvorstand angehörte, hatte sich nach der Entlassung von Frank Pagelsdorf von Manager Herbert Maronn dazu überreden lassen, noch mal als Interimstrainer einzuspringen. „Das war leider inkonsequent von mir“, sagt er heute.

„Als wir 0:4 oder 0:5 hinten lagen, bekamen wir einen Elfer, und ich habe nur gedacht: ,Enno’, bitte mach ihn rein!“ Doch Enrico Kern verschoss, und so nahm das persönliche Drama von Schlünz seinen Lauf. Vier Jahre nach einer 0:6-Pleite gegen den HSV, die seinen Rücktritt zur Folge hatte, kassierte Hansa in seinem letzten Spiel als Trainer noch mal sechs Gegentore. „Ich war damals zwar wütend, aber das hat mich nicht so hart getroffen, ich hatte die Mannschaft ja nur ein paar Tage trainiert“, sagt Schlünz, der den Staffelstab wenig später an Dieter Eilts weitergab. Im Rückspiel gegen Lautern saß aber schon nicht mehr der Ex-Bremer auf der Bank, sondern Andreas Zachhuber. Hansa besiegte die Roten Teufel mit 5:1.

Jetzt abstimmen: Wen soll Hansa-Trainer Dotchev gegen den 1. FC Kaiserslautern aufstellen?

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