11. April 2018 / 15:53 Uhr

Heißblütige Marseille-Fans: „Ein Spiel ohne Pyrotechnik ist wie ein Kuchen ohne Kerze“

Heißblütige Marseille-Fans: „Ein Spiel ohne Pyrotechnik ist wie ein Kuchen ohne Kerze“

Anne Grimm
Fans von Olympique Marseille beim Europa-League-Spiel in Salzburg.
Fans von Olympique Marseille beim Europa-League-Spiel in Salzburg. © Getty Images
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Marseille, 27.000 Ultras, die größte Szene Frankreichs. Hier entstand in den 80er-Jahren eine außergewöhnliche Fankultur, die bis heute Bestand hat. Im Stadion Velodrome muss sich RB Leipzig beim Viertelfinal-Rückspiel der Euro League gegen mehr als 60.000 Fans durchsetzen.

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Marseille. Südfrankreich, Marseille. Die mit 860.000 Einwohnern zweitgrößte und älteste Stadt des Landes verzaubert. Mit seinem maritimen Flair, mit seiner multikulturellen und fröhlichen Art. Nur zwei Kilometer Luftlinie vom Mittelmeer entfernt steigt bei Heimspielen von Olympique Marseille jedes Mal ein großes Fußballfest. Die OM-Anhänger sind so heiß auf das Erreichen des Europa-League-Halbfinals, dass sie am Donnerstagabend gegen RB Leipzig sogar den internationalen Zuschauerrekord des Vereins knacken werden.

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Wie ein Journalist der Zeitung La Provence dem SPORTBUZZER verriet, sind bereits 60.000 Karten verkauft worden. Erst seit dem Umbau für die EM 2016 besitzt das „Stade Velodrome“ eine Kapazität von 67.500 Besuchern. Vorher waren es 59.000. Der bisherige Bestwert stammt aus dem Jahr 2004, als sich die Franzosen im Halbfinale des Uefa-Cups gegen Newcastle United vor 58.897 Fans dank zweier Tore von Didier Drogba fürs Finale qualifizierten. Im Endspiel musste sich OM dem FC Valencia geschlagen geben.

*Pyrotechnik: 350.000 Euro Strafe für Marseille *

In Marseille entstanden Mitte der 80er-Jahre die Ursprünge der Ultrabewegung in Frankreich. Damals schwappten Pyrotechnik, Banner, Gesänge sowie Choreographien aus dem Nachbarland Italien über die Grenze. Die erste Gruppe „Commando Ultras 84“ ist bis heute mit 5500 Mitglieder aktiv, verrät ein Kenner der Szene. Unglaubliche 27.000 Fans zählen zu den Ultras des Vereins. Ihr Ziel: Bei jedem Fußballspiele eine große Show veranstalten – dafür sind sie in ganz Europa bekannt.

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Ihre Markenzeichen: Wechselgesänge zwischen der Nord- und Südkurve des Stadions, sowie Pyrotechnik. Die leuchtenden Fackeln sind für die Olympique-Fans so wichtig, wie das Croissant für die Franzosen beim Frühstück. Ihr Motto: „Ein Spiel ohne Pyrotechnik, ist wie ein Kuchen ohne Kerze.“ Allein in dieser Saison musste der Verein deshalb zwischen August und Februar 350.000 Euro Strafe an die französische Liga zahlen.

Im Hinspiel vor einer Woche in Leipzig, das RB mit 1:0 gewann, hatten die OM-Anhänger von der Uefa ein Stadionverbot aufgebrummt bekommen, weil sie im Achtelfinale gegen Athletic Bilbao in Spanien ein Feuerwerk abbrannten. Etwa 60 Schlachtenbummler waren trotzdem angereist, flanierten gut gelaunt über die Karl-Liebknecht-Straße in einen Pub und lösten einen großen Polizeieinsatz aus.

Image eines Skandalklubs

Der enge Zusammenhalt der Fangruppen stellt eine Besonderheit dar, die der Tradition des 1899 gegründeten Vereins und der Zeit des Bestechungsskandals zu verdanken ist. 1994 wurde Marseille als amtierender Meister in die zweite Liga strafversetzt. Der damalige Präsident Bernard Tapie hatte Schmiergelder an den Ligarivalen Valencienne, Ex-Klub des RB-Verteidigers Dayot Upamecano, der zu dieser Zeit noch nicht einmal geboren war, bezahlt. Der Grund: wenige Tage vor dem Europapokalfinale gegen den AC Mailand wollte der Verein seine Stars, darunter auch Rudi Völler, schonen. Der Deal flog auf, das Bestechungsgeld wurde von der Polizei sichergestellt, Patron Tapie musste eine Haftstrafe von acht Monaten absitzen.

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Aktuell richten sich die Gesänge und Banner oft gegen den Präsidenten Jacques-Henri Eyraud. Die Ultras sind unter anderem verärgert, weil er vor zwei Jahren den Ticketverkauf, den einige Fans im Stadion betreiben durften, stoppte. Trotz der frenetischen bis feurigen Stimmung im Velodrom ist die Gewaltbereitschaft der Ultras vergleichsweise niedrig, meint der Journalist der Zeitung La Provence.

Aus Leipzig reisen etwa 550 Fans an, um das Spektakel im Stadion live mitzuerleben. Gemeinsam wollen sie am Donnerstagabend zum Viertelfinal-Rückspiel ziehen. In den beiden K.o.-Runden gegen Neapel und St. Petersburg fielen die Fanmärsche aus. In Italien aufgrund eines Verbots der Polizei, in Russland wegen der überschaubaren Zahl an Mitfahrern, die bei etwa 30 Fans lag.

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