31. Juli 2017 / 18:41 Uhr

Herthas erloschener Stern: Lennart Hartmann beendet seine Karriere im Alter von nur 26 Jahren

Herthas erloschener Stern: Lennart Hartmann beendet seine Karriere im Alter von nur 26 Jahren

Ronny Müller
Lennart Hartmann (l.) absolvierte in der Saison 2012/13 immerhin 29 Drittligapartien für Babelsberg 03.
Lennart Hartmann (l.) absolvierte in der Saison 2012/13 immerhin 29 Drittligapartien für Babelsberg 03. © Jan Kuppert
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Lennart Hartmann beendet seine Karriere im Alter von nur 26 Jahren.

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Lennart Hartmann war 17 Jahre, vier Monate und vier Tage alt. Am 17. August 2008 absolvierte der Fußballer von Hertha BSC sein erstes Bundesligaspiel. Die Berliner gewannen 2:0 bei Eintracht Frankfurt. Trainer Lucien Favre wechselte Hartmann in der 67. Minute ein und machte ihn zu Herthas jüngstem Bundesligaspieler aller Zeiten. Hartmann war kurz zuvor vom Deutschen Fußball-Bund mit der Fritz-Walter-Medaille für die talentiertesten Kicker eines Jahrgangs ausgezeichnet worden. Er hatte 39 Jugendländerspiele bestritten. Er war ein aufgehender Stern am deutschen Fußballhimmel.

Schluss mit 26

Nun ist das Licht erloschen. Hartmann hat seine Karriere im besten Fußballeralter von 26 Jahren beendet. Nach den Stationen Hertha BSC, Alemannia Aachen, Babelsberg 03, Berliner AK und Tennis Borussia Berlin kickte der Mittelfeldmann zuletzt für den Oberligameister VSG Altglienicke. Drei Bundesligaspiele, drei Europacuppartien, 29 Drittligaeinsätze für Babelsberg – es sind die Zahlen eines unerfüllten Karrieretraums.

Schon als Jugendlicher Probleme mit der Hüfte

Dennoch wirkt Hartmann nicht geknickt. „Ich bin sehr glücklich, glücklicher als in den letzten zwei, drei Jahren“, sagt der Berliner. Zunächst habe er ganz schön daran zu knabbern gehabt, als ihm die Ärzte ein Stoppschild vor die Nase setzten. Doch Hartmann musste damit rechnen.

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Schon als Jugendlicher hatte er immer wieder Sorgen mit der Hüfte. Mit der Belastung als Profi wurden die Probleme immer größer. Fünf Monate musste er mit 17 pausieren. „Mal hieß es, es ist die Leiste, mal war es das Schambein.“ Niemand schaffte Linderung. Erst Bayern Münchens damaliger Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der den Status eines Gurus genießt, konnte ihm zunächst helfen. „Es wurde eine Hüftfehlstellung diagnostiziert.“ Aber die Schmerzen kamen immer wieder. Hartmann: „Es war immer dieselbe Geschichte. Ich habe aber gehofft, dass ich es hinauszögern kann.“

Mit „es“ meint er den Ausstieg aus dem Fußball-Zirkus. Anfang des Jahres warnten ihn Ärzte nach einer MRT-Untersuchung jedoch weiterzuspielen. „Sonst hätte die Gefahr dauerhafter Schmerzen bestanden.“ Auch mit dem Futsal – Hartmann hatte es bis in die Nationalmannschaft geschafft – ist es vorbei. „In der Halle ist die Belastung ja noch höher.“

Gutes Jahr mit Babelsberg

In Babelsberg hatte die Hüfte in der Drittligasaison 2012/13 einigermaßen mitgemacht. „Wir haben nicht so hart und nicht so oft trainiert.“ Hartmann spielte ein gutes Jahr. Dynamo Dresden und Darmstadt 98 hatten Interesse. Doch eine schwere Knöchelverletzung machte ihm einen Strich durch die Pläne.

Hartmann begann ein Jurastudium. Bald startet das neunte Semester. Das Studium war ein Ausbruch aus dem Profi-Raster. „Training ist von 10 bis 12. Danach spielen viele Playstation. Dem passt man sich irgendwie an.“ Das wollte er aber nicht. „Das Leben an der Universität gibt mir ganz andere Gespräche.“ Hartmann steht dem Profifußball eh skeptisch gegenüber. „Ich habe die Schattenseiten kennengelernt.“ So sei er etwa in Aachen aus seinem laufenden Vertrag gedrängt worden. „Was da für Sachen angedroht wurden, das war menschlich fragwürdig.“ So hätte er früh morgens und spät abends alleine und ohne Ball trainieren sollen. Ohne Aussicht auf Spielpraxis.

Spaß als Trainer

Wegen seiner ständigen Schmerzen verlor Hartmann phasenweise die Lust aufs Kicken. Der Techniker lebte von seiner Kreativität – doch wenn der Kopf von Schmerzen abgelenkt ist, können die Ideen nicht sprudeln. Und das Training bei Berliner Clubs auf Kunstrasen war nichts für seine Hüfte.

Dem Fußball bleibt Hartmann trotz des unfreiwilligen Endes erhalten. Seit kurzem trainiert er die D-Junioren von Tennis Borussia Berlin. „Die Jungs sind in einem perfekten Lernalter, ich kann ihnen viel beibringen. Das macht mir fast mehr Spaß als selbst zu spielen.“
Hartmann hat seinen Frieden mit seinem Karriereende gemacht. Nur ins Olympiastadion ist er seit seinem letzten Spiel für Hertha nicht mehr gegangen. „Da kommen schon noch schmerzhafte Erinnerungen auf.“

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