In der neuen Heimat: Rafael van der Vaart in Dänemark. In der neuen Heimat: Rafael van der Vaart in Dänemark. © imago
In der neuen Heimat: Rafael van der Vaart in Dänemark.

„Hier bin ich einfach Rafa aus Holland.“ Van der Vaart spricht über sein Leben in Dänemark

Im SPORTBUZZER-Interview: Der ehemalige HSV-Kapitän (34) erklärt, warum er „superverliebt“ zum FC Midtjylland gewechselt ist, warum er „keinen Bock“ auf China hatte und warum der Fußball echte Typen verliert.

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Spielen konnte Rafael van der Vaart zuletzt nicht – Wadenprobleme, Pause. „Aber ich trainiere wieder mit der Mannschaft“, sagte er dem SPORTBUZZER im Interview. Der ehemalige Kapitän vom Hamburger SV spielt seit August 2016 beim FC Midtjylland. Tabellendritter. Dänische Superligaen. Zwei Saisontore hat er bislang erzielt, aber die vergangenen drei Spiele verpasste er. Und deshalb schrieb die spanische Presse ein paar Geschichten.

So berichteten Zeitungen, darunter „Diario de Sevilla“, dass es beim FC Midtjylland Überlegungen gebe, den Niederländer, der von Betis Sevilla kam, im Sommer wieder auszusortieren. Was dran ist? Tendenziell gar nichts. Der SPORTBUZZER hat sich in Fußball-Dänemark umgehört, die Gerüchte kennt dort niemand. Auch nicht im Klub-Umfeld. Alles ruhig im Staate Dänemark, in dem es van der Vaart sehr gut gefällt, wie er am Telefon erklärte.

Herr van der Vaart, seit sieben Monaten spielen Sie jetzt für den FC Midtjylland – dänische Superligaen. Ist das für jemanden wie Sie, der die Eredivisie in Holland, die Bundesliga, La Liga in Spanien und die englische Premier League gesehen hat, ein fußballerischer Kulturschock?
Ein Schock war es nicht. (lacht) Ich wusste ja schon von meiner Freundin (Estavana Polman, niederländische Handball-Nationalspielerin in Diensten des dänischen Klubs Team Esbjerg; d. Red.) einiges über Dänemark. Und am Ende ist Fußball noch immer Fußball. Aber klar. Ich spiele nicht mehr vor 60.000 Leuten in großen Stadien. Das ist für mich der größte Unterschied zwischen dem Hier und Jetzt und Früher. Hier ist alles etwas kleiner. Aber dafür ist alles viel offener. Der FC Midtjylland ist so etwas wie ein Familienverein.

Seine neue Liebe: Van der Vaart mit Estavana Polman. Seine neue Liebe: Van der Vaart mit Estavana Polman. © imago

Sie haben die ersten Spiele nach der Winterpause verpasst. Was war los?
Ich habe mich in der Vorbereitung verletzt. Wadenprobleme. Und deshalb haben wir entschieden, dass ich etwas Pause mache, um wieder richtig fit zu werden. Aber ich trainiere schon mit der Mannschaft.

Ihre Freundin haben Sie bereits erwähnt. War die Nähe zu ihr der Hauptgrund für Ihren Wechsel nach Dänemark?
Der Hauptgrund war das nicht. Aber ich würde lügen, wenn ich jetzt sage, dass das nicht ein ganz großes Plus für Dänemark war. (lacht) Ich habe sie kennengerlernt, als ich noch in Sevilla gewohnt habe (van der Vaart war 2015 vom Hamburger SV zu Betis Sevilla gewechselt, wo der den Tiefpunkt seiner Karriere erlebte;d. Red.). Und wie das dann so ist: Superverliebt habe ich versucht, nicht mehr so weit von ihr weg wohnen zu müssen. Dann kam der FC Midtjylland und ich habe mit dem Klub gesprochen. Wir hatten alle ein sehr gutes Gefühl – und haben gesagt: Okay, wir machen das.

2000 bis 2017: Die große Van-der-Vaart-Galerie:

Für die Familie verzichtete van der Vaart auf die Millionen

Was wären die Alternativen gewesen?
Es gab einige Angebote. Von weit weg – wie aus China. Aber auf China hatte ich keinen Bock. Ich habe mich einfach für mein Privatleben und für meinen Sohn (Damian, zehn Jahre alt, die Mutter ist van der Vaarts Ex-Frau Sylvie Meis; d. Red.) entschieden. So konnte ich zum Beispiel am 1. März kurz nach Hamburg fahren und ihn abholen. Dann haben wir zusammen das Pokalspiel vom HSV gegen Gladbach (1:2; d. Red.) angeguckt. Ich kann meinen Sohn jetzt einfach öfter sehen. Das ist mir mehr wert als nach China zu wechseln und damit mehr Geld auf dem Konto zu haben.

Und in Dänemark die Straßen entlangzuschlendern dürfte für Sie auch deutlich entspannter sein als beispielsweise ein Bummel auf der Mönckebergstraße in Hamburg.
Ja! Das ist hier alles viel einfacher. Und ich mag das sehr. Ich kann über die Straße gehen und die Leute lassen mich in Ruhe. Fast keiner erkennt mich.

„Ich kann über die Straße gehen und die Leute lassen mich in Ruhe. Fast keiner erkennt mich.“
– Rafael van der Vaart –

Ihre Freundin erwartet ein Baby. Es wird ein Mädchen. Wie geht es der werdenden Mama?
Es geht ihr sehr gut. Da können wir bislang wirklich zufrieden sein. Jetzt warten wir, dass es kommt. (lacht)

Sie haben einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018. Was kommt danach?
Ich möchte so lange, wie es möglich ist, und so lange, wie es mein Körper aushält, Fußball spielen. Aber ich kann jetzt noch nicht wissen, wo es mal hingehen könnte. Wie das Leben heute ist, kann es morgen schon nicht mehr sein. So ist es im Fußball auch. Aber für mich ist klar, dass ich auch nach der Karriere als Spieler im Fußballgeschäft bleiben möchte.

In welchem Aufgabenbereich?
Ich habe zum Beispiel im vergangenen Sommer Auftritte im holländischen Fernsehen gehabt – als Experte. Das hat mir sehr gut gefallen. Und vielleicht fange ich auch damit an, den Trainerschein zu machen. Ich glaube, dass ich einmal wichtig sein kann für Vereine. Ich habe viele Kontakte und weiß natürlich auch, wie Fußball gespielt werden muss.

Van der Vaart vermisst die guten alten Spielmacher

Und Sie haben in Ihrer Karriere jede Menge Erfahrungen gesammelt. Wie bewerten Sie als alter Hase die spielerische Entwicklung im Profifußball und den Umgang mit Talenten?
Ein Unterschied zu früher mag sein, dass man zum Beispiel mir damals immer die Chance und vor allem die Zeit gegeben hat, mein eigenes Spiel und mein Talent zu entwickeln (denkt nach). Mittlerweile sind andere Dinge gefragt. Und das finde ich zum Teil schade. Die Spieler sollen groß und stark sein, sollen viel laufen. Man sieht nicht mehr so viele klassische Dinge wie die Nummer 10 – den Spielmacher (wie es van der Vaart beim HSV war; d. Red.). Der ist ja fast schon verschwunden. Aber das sind doch gerade die Typen, für die die Leute ins Stadion kommen.

Der FC Midtjylland ist etwas Spezielles – obwohl er erst seit 1999 existiert. 2015 gewann der Klub die Meisterschaft, der Sage nach basiert alles auf Statistiken und Wahrscheinlichkeitsrechnungen.
Es ist jetzt nicht so, dass sich bei uns Spielern alles darum dreht. Aber es ist schon so, dass auf bestimmte Dinge extrem geachtet wird. Auf Standardsituationen zum Beispiel. Ecken, Freistöße, Einwürfe … Da geht es bei uns viel um Berechnungen und Statistik, da machen wir viele spezielle Einheiten. Und ich muss sagen: Es ist schon krass, wie oft wir nach solchen Situationen ein Tor machen. (lacht)

++ Video ++
Hier trifft van der Vaart zum ersten Mal in der Liga für den FC Midtjylland (im September 2016 beim 5:2-Sieg gegen Horsens):

Der Kader vom FC Midtjylland hat einen Marktwert von 11,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Allein für Ihren ersten Wechsel weg vom HSV zu Real Madrid im Jahr 2008 sollen an die 15 Millionen Euro geflossen sein. Wirkt sich das auf Ihre Rolle beim FC aus?
Ach. Hier bin ich einfach Rafa aus Holland. (lacht) Ich bin ein normaler Typ. Natürlich habe ich so viele schöne Sachen in meiner Karriere erleben dürfen und mir sozusagen einen großen Namen erspielt. Aber ich möchte hier einfach für die jungen Spieler ein Vorbild sein. Genauso wie ich auch für meinen Sohn ein Vorbild sein möchte. Das ist eigentlich das Einzige, das ich echt richtig wichtig finde.

Sie haben es erwähnt: Mit Ihrem Sohn waren Sie beim HSV. Machen Sie sich Sorgen um Ihren ehemaligen Verein?
Ich habe das dort ja noch selbst als Spieler miterlebt. Ja: Ich habe Angst um den HSV. Aber wenn sie so weitermachen wie zuletzt (nach dem Pokal-Aus gab es einen 1:0-Sieg in der Liga gegen Hertha BSC; d. Red.), werden sie noch viele Punkte holen und in der Liga bleiben.

2014: Van der Vaart nach der überstandenen Relegation gegen Fürth (0:0, 1:1). 2014: Van der Vaart nach der überstandenen Relegation gegen Fürth (0:0, 1:1). © imago
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