22. Februar 2018 / 07:35 Uhr

Hirscher und Kristoffersen patzen: Schwede Myhrer holt Slalom-Gold

Hirscher und Kristoffersen patzen: Schwede Myhrer holt Slalom-Gold

Stefan Döring
Triumph mit 35: Andre Myhrer holt eine historische Gold-Medaille. 
Triumph mit 35: Andre Myhrer holt eine historische Gold-Medaille.  © getty
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Mit Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen zeigten gleich zwei Favoriten bei Olympia 2018 in Südkorea Nerven. Davon profitierte Andre Myhrer, der sich zum ältesten Slalom-Olympiasieger aller Zeiten aufschwang.

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Mit diesem Podium beim Olympia-Slalom hatte nun wirklich niemand gerechnet! Der Schwede Andre Myhrer fuhr am Donnerstag vor Ramon Zenhäusern aus der Schweiz und Michael Matt aus Österreich zu Gold. Dabei profitierte er in beiden Durchgängen vom Ausscheiden der Superstars. Marcel Hirscher erwischte es schon nach 22 Sekunden im ersten Lauf, Henrik Kristoffersen rutschte im zweiten Durchgang nach nur zehn Sekunden aus. Der 35-jährige Myhrer ist damit der älteste Slalom-Olympiasieger der Geschichte und der erste Schwede seit der Legende Ingemar Stenmark.

"Ein Traum ist wahrgeworden", sagte er. Schon 2014 in Sotschi war Myhrer wie am Donnerstag Zweiter nach dem ersten Lauf, schied dann aber aus. Vier Jahre später behielt der die Nerven. "Ich wusste, dass ich noch einmal eine Chance bekomme. Heute habe ich sie genutzt." Aber er wusste auch: Ohne die Patzer der Konkurrenz wäre das nicht möglich gewesen.

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Goldfavorit war schließlich Hirscher, der bemüht war, sich nichts anmerken zu lassen. Äußerlich blieb er ruhig, versuchte sein Ausscheiden herunterzuspielen. "Ich war schon einmal mehr angefressen", sagte der Salzburger. Innerlich brodelte es aber in ihm. Ganz verstecken konnte der österreichische Skistar die Wut und die Enttäuschung über das Aus nicht. "Am liebsten würde ich sofort in das Flugzeug steigen und heimfliegen", sagte er.

Es sollte die Krönung seiner Olympischen Spiele in Pyeongchang werden. Nach Gold in der Kombination und im Riesenslalom wollte er im Yongpyong Alpine Centre seinen dritten Triumph einfahren. Nach 22 Sekunden war der Traum bereits beendet, der erfolgreichste Skifahrer Österreichs bei Olympischen Spielen der Geschichte zu werden. Daraus könnte auch in vier Jahren nichts werden. Pyeongchang waren wohl seine letzten Spiele. Die Wahrscheinlichkeit sei "sehr hoch", sagte er. Aber es hatte sich angedeutet.

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Hirscher und der Hang. Was sonst oftmals in nur wenigen Sekunden zu einer innigen Liebesbeziehung wird, reichte am Donnerstag nicht einmal für ein richtiges Kennenlernen. Mit den Schneeverhältnissen kam er überhaupt nicht zurecht, wurde ausgehoben und verpasste das nächste Tor. Sein erster Ausfall im Slalom seit dem 14. Februar 2016, ausgerechnet bei Olympia. "Meine ganze Woche im Slalom-Training war richtig schlecht. Und das war das Endresultat. Ich war von oben weg chancenlos. Mich hat's von Anfang an herumgeschleudert. In zehn Jahren habe ich es das erste Mal erlebt, dass ich nicht einmal mehr richtig frei fahren konnte", sagte der Salzburger.

Eine Erklärung? "Meine Ski funktionieren super, nur halt hier nicht", sagte Hirscher. Worte, die der Erfolgsmarke Atomic gar nicht schmecken dürften. Die Skimarke tut alles für seinen Topstar. 30 Paar Ski soll Hirscher mit in Südkorea gehabt haben. Betreuer aus dem Team Österreich sagen hinter vorgehaltener Hand, dass es sogar noch mehr gewesen wären. Der Perfektionist Hirscher wollte für alle Fälle vorbereitet sein, war es dann aber doch nicht.

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Schon am Vortag hatte er angekündigt, dass es mit einem weiteren Olympia-Gold schwierig werden würde. "Man muss zuerst brillant fahren. Es gibt so viele andere, die dieses Rennen gewinnen können. Man will selbst ja auch entsprechend performen, deshalb ist der Druck nicht viel weniger", sagte Hirscher. Das tat er nicht. Daran gab er neben den Ski aber auch sich die selbst die Schuld. "Es ist auch mein Fahrstil, der dazu beiträgt. Ich fahre sehr kraftvoll mit kurzem Abdruck. Heute sind die vorne, die es mehr mit Gefühl machen können. Ein Gefühlsskifahrer bin ich halt nicht", sagte der 28-Jährige.

Dagegen fand Andre Myhrer, 2010 Bronze-Medaillengewinner in Vancouver,  das richtige Rezept für den aggressiven Schnee. "Die Bedingungen waren nicht leicht, aber wir haben nach vielen Tests das perfekte Set-up gefunden", sagte Myhrer, der nach Weltcupsiegen immer eine Gitarre für seine Sammlung kauft. Und nach dem Sieg bei Olympia? "Vielleicht kaufe ich zwei. Ich weiß ja nicht, wie viel so ein Olympiasieg wert ist", sagte er.

Hirscher hat dagegen bereits die nächsten großen Ziele im Blick: "Der Weltcup ist für mich sehr wichtig. In Kranjska Gora geht es für ihn nächste Woche schon um die "kleine Kugel im Riesenslalom, kleine Kugel im Slalom und die große Kugel."

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