Der Niedersächsische Fußballverband verlangt seit dem 1. Januar 50 Prozent mehr Geld bei Vereinswechseln - sehr zum Unmut der Vereine. Der Niedersächsische Fußballverband verlangt seit dem 1. Januar 50 Prozent mehr Geld bei Vereinswechseln - sehr zum Unmut der Vereine. ©
Der Niedersächsische Fußballverband verlangt seit dem 1. Januar 50 Prozent mehr Geld bei Vereinswechseln - sehr zum Unmut der Vereine.

Höhere Passgebühren sorgen für Unmut

Niedersächsischer Fußballverband verlangt seit dem 1. Januar 50 Prozent mehr Geld bei Vereinswechseln

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Marco Castiglione liest stets mit Interesse das Journal des Niedersächsischen Fußballverbandes. Im Oktober erfuhr der Fußball-Abteilungsleiter  des TV Jahn Delmenhorst auf diesem Wege, dass der NFV ab 1. Januar 2017  die Passgebühren anhebt. „Sehr moderat“ sollte diese Erhöhung ausfallen, schrieb der NFV-Präsident Karl Rothmund. Zahlen wurden nicht
genannt. Also blieb Castiglione gelassen. Als er dann aber kürzlich erfuhr, wie stark die Kosten tatsächlich gestiegen sind, wuchs in dem Fußball-Obmann der Ärger. Bei einem Vereinswechsel betragen die Passgebühren seit Jahresbeginn für Erwachsene 30 statt bisher 20 Euro. Im Jugendbereich werden zwölf statt acht Euro fällig.

„Bei einer Erhöhung um 50 Prozent von sehr moderat zu sprechen, löst selbst bei Piloten Erstaunen aus. Wir bedauern diesen Schritt des Verbandsvorstandes“, betont Castiglione. Andere Vereinsvertreter aus der Region äußern sich ähnlich. Dabei herrscht durchaus Verständnis dafür, dass der Verband erstmals nach 14 Jahren die Gebühren anhebt. Nur die Höhe und die Umstände gefallen den Klubfunktionären überhaupt nicht. „Für mich ist das eine Frechheit“, sagt Christoph Ernst, der Fußball-Abteilungsleiter des TuS Heidkrug. Castiglione findet: „Der Verband verspielt durch dieses wenig souveräne Vorgehen sein Vertrauen.“

Rothmund begründet die Erhöhung in seiner Stellungnahme damit, dass die Vereinsberatung in der Geschäftsstelle in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet worden sei. „Ein Vereinswechsel wirft viele und manchmal komplizierte Fragen auf, die ein ehrenamtlicher Vereinsvertreter nicht alle beantworten kann. Die Personalkosten sind kontinuierlich gestiegen, weil der Beratungsbedarf stetig zugenommen hat“, schildert der NFV-Präsident.

Ralf Serra, der Referatsleiter Passwesen/Vereinsberatung des Verbandes, betont zudem, dass immer mehr Arbeit anfalle. Pro Jahr gebe es rund 100 000 Bearbeitungsvorgänge.
„Kontrollen und Widerspruchsverfahren haben stark zugenommen“, sagt er. Dass mittlerweile vieles online abgewickelt wird, bedeute nicht weniger Aufwand für die Passstelle. „Manche toben sich richtig aus und benutzen das Modul als Spielwiese. Ob vorsätzlich oder unwissend, sei dahingestellt. Die Aufräumarbeiten im Passprogramm sind nicht nur kompliziert, sondern erfordern viel Aufwand, der die Zeitersparnis durch die verlagerte Erfassungstätigkeit mehr als aufzehrt“, erklärt Serra.

Aktuell herrscht während der Winterpause wieder reger Betrieb an der Wechselbörse. Die angehobenen Passgebühren fallen also gleich ins Gewicht. Allerdings trifft die Erhöhung nicht immer die Vereine direkt. Die Klubs in Delmenhorst und Oldenburg-Land gehen unterschiedlich mit den Passgebühren um. Beim TV Jahn tragen diese Kosten bei einem Vereinswechsel in der Regel die Spieler. „Es gibt aber Fälle, in denen der Verein dafür aufkommt“, sagt Castiglione. Der TuS Heidkrug und der VfL Stenum geben die Passgebühren immer an die Aktiven weiter. „Schon bei 20 Euro sorgte das oft für Unmut, und wir mussten erklären, wofür das Geld ist“, berichtet der Heidkruger Obmann Ernst.Der VfL Wildeshausen übernimmt dagegen die Gebühren selbst und verlangt im Gegenzug mit dem Mitgliedsbeitrag eine einmalige Zahlung von acht Euro. „Uns treffen die höheren Passgebühren. Mit einer Erhöhung um 15 Prozent hätte man leben können, aber 50 Prozent sind nicht angebracht“, findet Wildeshausens Fußball-Obmann Ottmar Jöckel.

Auch Klaus Panzram vom VfL Stenum äußert Verständnis dafür, dass es nach 14 Jahren eine Gebührenerhöhung gibt. „Aber muss der Sprung gleich so gewaltig sein?“, fragt er. Marco Castiglione verweist in diesem Zusammenhang auf das Jahresinterview mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, das der Deutsche Fußballbund kürzlich veröffentlichte. Grindel sagt, dass der DFB den Landesverbänden zusätzliche Gelder in Höhe von insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung stelle. „Und das werden die Amateurvereine vor Ort auch spüren“, verspricht der Präsident. „Dieser Effekt ist für uns nicht nachvollziehbar. Er hinterlässt nur Unverständnis für die drastische Gebührenerhöhung, die für die Attraktivität des Amateursports schädlich ist“, entgegnet Castiglione. Es entstehe der Eindruck, dass immer mehr auf die Vereine abgewälzt werde.

So sieht es auch Wildeshausens Fußball-Obmann Jöckel. Er erinnert daran, dass es im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst gerade erst kontroverse Diskussionen gab, weil die Strafgelder für fehlende Schiedsrichter erhöht wurden. Ab dem älteren D-Jugend-Jahrgang muss ein Klub pro Mannschaft, die am Spielbetrieb teilnimmt, einen Schiedsrichter stellen. Ansonsten werden Geldbußen fällig. Besonders davon betroffen waren die Klubs mit großen Nachwuchsabteilungen. „Wir haben dann einen Konsens mit dem Kreis gefunden, und jetzt kommen die höheren Passgebühren“, sagt Jöckel.

In Stenum macht sich mittlerweile schon Fatalismus breit. „Wir können ohnehin nichts dagegen tun und müssen alles umsetzen, was der Verband anordnet“, sagt Panzram. Castiglione versucht derweil, die Sache mit Humor zu nehmen: „Vielleicht hat die Gebührenerhöhung auch etwas Gutes: Durch die Verteuerung des Vereinswechsels bleiben die Spielerinnen und Spieler hoffentlich ihren Stammvereinen treuer und wechseln erst gar nicht.“

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