12. März 2018 / 07:55 Uhr

Holstein Kiel beim VfL Bochum: Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Holstein Kiel beim VfL Bochum: Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Thomas Pfeiffer
Kiels David Kinsombi (r.) und Bochums Lukas Hinterseer kämpfen um den Ball. 
Kiels David Kinsombi (r.) und Bochums Lukas Hinterseer kämpfen um den Ball.  © dpa
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Erst nach der Pause konnten die KSV-Profis zeigen, warum sie als Aufsteiger seit dem achten Spieltag auf einem der ersten drei Tabellenränge stehen.

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Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Die mehrmals verfilmte Novelle Robert Louis Stevensons vom ehrgeizigen Wissenschaftler und seinem bösartigen Alter Ego wurde am Sonnabend in Bochum erneut aufgeführt, allerdings nicht im Schauspielhaus, sondern im Ruhrstadion. In der Titelrolle: Fußball-Zweitligist Holstein Kiel. Beim 1:1 (1:0) gegen den abstiegsgefährdeten VfL präsentierten sich die Störche eine Halbzeit lang lethargisch und konfus – Mr. Hyde. Nach der Pause zeigten die verwandelten KSV-Profis, warum sie als Aufsteiger seit dem achten Spieltag auf einem der drei ersten Tabellenränge stehen – Dr. Jekyll.

VfL Bochum gegen Holstein Kiel

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Im Gegensatz zur Original-Geschichte nahmen die 90 Minuten für die Kieler mit dem Punktgewinn ein Happy End, auch wenn sich mancher einen Sieg gewünscht hätte. Das wäre jedoch des Guten zu viel gewesen, auch angesichts der Tatsache, dass Innenverteidiger Dominik Schmidt mit zwei Heldentaten auf der eigenen Torlinie sichere Tore für die Gastgeber verhinderte. Zwei Statistiken sehen darüber hinaus nicht besonders freundlich aus: Seit nunmehr acht Spielen konnte Holstein auswärts nicht mehr gewinnen, und die ehemals „Unabsteigbaren“ aus dem Westen waren das vierte Tabellenkeller-Team in Folge, das der Favorit aus dem Norden nicht bezwingen konnte.

In der ersten Halbzeit drängte sich die Vision auf, dass es zwei Holstein Kiel geben müsse: eines, das vor Wochenfrist den MSV Duisburg mit 5:0 zerlegt hatte, und eines, das sich nun einfallslos und zweikampfschwach in einem 4-2-4-Netz verfing, das die frischen und entschlossenen Gastgeber ab der Mittellinie geflochten hatten. Die frühe Konsequenz war das 1:0 durch den frei stehenden Kevin Stöger (8.); die Vorlage von Anthony Losilla konnte David Kinsombi nicht verhindern – weil er im Zweikampf stolperte.

Holstein-Fans beim VfL Bochum

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„Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen“, befand KSV-Coach Markus Anfang. „Vielleicht hatte das auch mit den personellen Veränderungen zu tun.“ Für Aaron Seydel (krank) und Kapitän Rafael Czichos (verletzt) hatte der 43-Jährige Steven Lewerenz sowie Alexander Mühling nominiert und den gegen Duisburg als „Achter“ überragenden Kinsombi in die Innenverteidigung gezogen – eine Struktur, die im ersten Durchgang nicht funktionierte.

Immerhin brachte die Pausenansprache und die Einwechslung von Tom Weilandt für Lewerenz die Wende. „Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden, denn wir wussten ja eigentlich, dass Bochum eine kampfstarke Mannschaft ist und wir uns als Team in die Zweikämpfe werfen müssen“, sagte Dominik Schmidt. Die prompte Umsetzung zeigte, wie einfach Fußball doch sein kann, wenn die Grundkomponenten stimmen. Gemäß einer steinalten, aber immer noch wahren Weisheit fand Holstein nun über den Kampf zum Spiel. Der Lohn war Marvin Ducksch’ 14. Saisontreffer zum 1:1 (61.) nach einem fantastischen Assist von Leihgabe Weilandt, der noch bis Juni 2019 beim VfL unter Vertrag steht. „Ich habe mich von der ersten Minute an gut gefühlt, das Spiel an meiner alten Wirkungsstätte war schon etwas Besonderes“, freute sich der 25-jährige.

Noten für Holstein Kiel gegen den VfL Bochum

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Zum dritten Retter des einen Punktes avancierte Dominik Schmidt, der zunächst nach einem schweren Fehler seines Keepers Kenneth Kronholm den folgenden Losilla-Schuss auf der Torlinie wegschlug (57.). 19 Minuten später bewertete der schwache Schiedsrichter Florian Badstübner (Windsbach) Kinsombis Ballkontakt als Rückgabe zum Torhüter, den fälligen Freistoß aus elf Metern ballerte Stöger gegen den Kopf von Schmidt. „Wenn die Bochumer ihr zweites Tor machen, ist das Spiel wahrscheinlich gegessen“, würdigte KSV-Spielmacher Dominick Drexler auch den Faktor Fortune angemessen. Im Heimspiel am Freitag gegen Heidenheim dürfen die Störche gern wieder die Tatsache beachten, dass ein Fußballspiel in der ersten Minute beginnt.

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