Zwiegespräch: Holstein Kiels Fußball-Gott Patrick Herrmann (li.) bemüht sich, seinen enttäuschten Mittelfeld-Lenker Dominick Drexler nach der 1:3-Niederlage in Kaiserslautern aufzumuntern. Zwiegespräch: Holstein Kiels Fußball-Gott Patrick Herrmann (li.) bemüht sich, seinen enttäuschten Mittelfeld-Lenker Dominick Drexler nach der 1:3-Niederlage in Kaiserslautern aufzumuntern. © Agentur 54°
Zwiegespräch: Holstein Kiels Fußball-Gott Patrick Herrmann (li.) bemüht sich, seinen enttäuschten Mittelfeld-Lenker Dominick Drexler nach der 1:3-Niederlage in Kaiserslautern aufzumuntern.

Holstein Kiel: Ergebnis statt Erlebnis

Zweitliga-Herbstmeister KSV Holstein belegt nach dem 1:3 in Kaiserslautern nur Platz 15 der Rückrunden-Tabelle.

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Eines vorweg: Amtlich enttäuschend kann diese Saison aus Sicht des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel nicht mehr verlaufen. Mit 36 Punkten haben die Störche den Klassenerhalt so gut wie in der Tasche. Die wichtigste Mission eines Aufsteigers ist nach menschlichem Ermessen damit so gut wie erfüllt. Dass dieses Thema für ein Team, das nach 22 Spieltagen auf Platz drei platziert ist, überhaupt Erwähnung findet, liegt an einer Serie, die allmählich erstaunliche Ausmaße annimmt. Seit nunmehr neun Spielen warten die noch am 11.Dezember als Herbstmeister gefeierten Nordlichter auf einen Sieg. Das 1:3 beim Schlusslicht 1.FC Kaiserslautern am Freitagabend war der vorläufige Höhepunkt des Negativtrends.

1. FC Kaiserslautern gegen Holstein Kiel

Die Fakten:

In der Rückrunden-Tabelle rangieren die Kieler nach fünf Partien mit drei Zählern auf Rang 15. Punktgleich mit den hinter ihnen liegenden Mannschaften aus Dresden und Bochum. Nur der kommende Gast aus Aue (Sonnabend, 13 Uhr) steht mit zwei Pünktchen noch schlechter da. Die neun Gegentreffer, die Holstein in dieser Zeit kassiert hat, werden ebenfalls nur vom FC Erzgebirge (10) überboten.

Die Defensive:

Ausgerechnet Dominik Schmidt und Rafael Czichos, in der Hinserie noch als bestes Innenverteidiger-Paar der Liga geadelt, waren am Freitagabend die Schwachpunkte einer in den ersten 15 Minuten und ab der 44. Minute durchgängig instabilen Viererkette. Vieles spricht für einen in dieser Form einmaligen Ausrutscher. Dass aber speziell der Lauterer Turbo Osayamen Osawe das Duo mehrfach düpierte, überraschte. „Wir haben gefühlt schon 1000 Mal gegen Osawe gespielt. Wir wussten, dass er schnell ist“, sagte Kapitän Czichos nach dem Schlusspfiff auf dem Betzenberg mit Blick auf die Duelle in Liga drei, als Osawe noch das Trikot des Halleschen FC trug. „Wir haben Osawe nicht verteidigt bekommen, das war heute der Unterschied“, erklärte Störche-Cheftrainer Markus Anfang. Einen PlanB gegen den überragenden Akteur der Roten Teufel hatte der 43-Jährige während der 90 Minuten weder strategisch noch personell parat. Immer wieder musste Schmidt aus dem Abwehrzentrum rücken, um Osawe auf dem Flügel zu stellen. Dies zumeist ohne Absicherung, da Rechtsverteidiger Herrmann weiter vorne postiert war und beispielsweise David Kinsombi aus dem defensiven Mittelfeld nicht schnell genug zur Hilfe eilen konnte. Im zweiten Durchgang hätte Kaiserslautern bei noch fünf ausgelassenen Hochkarätern das Ergebnis deutlich in die Höhe schrauben können.

Die Offensive:

Von Minute zehn bis zum Pausenpfiff servierten Mittelfeld-Feingeist Dominick Drexler und Co. Kostproben ihrer in der ersten Halbserie so oft gepriesenen Qualität. Doch wenn Torjäger Marvin Ducksch (lässig verschossener Elfmeter, 12. Minute) nicht trifft, wird’s für die Störche eng mit dem Zählbaren. In Durchgang zwei entsprangen den Angriffsbemühungen allenfalls Ansätze von Tormöglichkeiten. Nach dem 1:3 – erzielt durch Osawe in der 51. Minute – seien, so Schmidt, Mut und Glaube verloren gegangen. Anfang fügte noch den holprigen Untergrund als kleine Entschuldigung für mangelnde Präzision und Durchschlagskraft in vorderster Front an.

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Die Mentalität:

Nach dem 1:1 gegen Regensburg hatte Czichos an die Willenskraft des Kollektivs appelliert, Konzentration und Mentalität auf dem „Betze“ eingefordert. „Wir waren insgesamt von vorne bis hinten nicht präsent genug gegen den Ball. Kaiserslautern hat uns vorgemacht, wie es geht mit Leidenschaft und Mentalität“, haderte der 27-Jährige am Freitag. „Wir können uns von Lautern in Sachen Kampfgeist eine Scheibe abschneiden“, ergänzte Torwart Kenneth Kronholm. Einig waren sich die Kieler Protagonisten, dass das Team gefestigt genug sei, um auch diese Niederlage zu verarbeiten (Czichos). „Für uns bricht keine Welt zusammen. Wir sind Aufsteiger. Vielleicht waren wir auch zu beeindruckt von der tollen Atmosphäre“, meinte Chefcoach Anfang. Gut 20000 Zuschauer hatten die Arena nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Der Support der FCK-Fans war laut, aber – anders als zum Beispiel in München am 2. Juni 2015 – keineswegs furchterregend...

Die Prognose:

Nichts sei in dieser Liga selbstverständlich, sagt Markus Anfang völlig zu Recht. Eine gute Saison zu spielen, das war und ist sein Ziel. Mit der Priorität, in jeder Partie bestmögliche Leistungen abzurufen. Und sich im besten Fall mit einem positiven Resultat zu belohnen. Seine Profis, deren erstes Training knapp vier Tage nach dem jüngsten 1:3 erst für Dienstagnachmittag angesetzt ist, sollen die Spiele in Liga zwei genießen, aus ihnen lernen. Die überragende Hinrunde und der aktuelle Kontostand bilden den komfortablen Hintergrund für diese Sichtweise. Auch wegen des schnellstmöglichen Erreichens der magischen 40-Punkte-Marke würde sich indes niemand in Kiel gegen eine andere Losung sperren: Ergebnis statt Erlebnis.

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