04. Dezember 2018 / 09:22 Uhr

Holstein Kiel: Jonas Meffert lässt seine Mitspieler glänzen

Holstein Kiel: Jonas Meffert lässt seine Mitspieler glänzen

Redaktion Sportbuzzer
Scheute auch in Duisburg keinen Körperkontakt: Jonas Meffert im Kopfballduell mit MSV-Stürmer John Verhoek (links). Am Ende gewann der 24-Jährige – wie so oft – den Großteil seiner Zweikämpfe.
Scheute auch in Duisburg keinen Körperkontakt: Jonas Meffert im Kopfballduell mit MSV-Stürmer John Verhoek (links). Am Ende gewann der 24-Jährige – wie so oft – den Großteil seiner Zweikämpfe. © Marcel Kusch/dpa
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Der englische Sprachraum kennt einen Begriff für Menschen, die herausragende Leistungen erbringen, dafür aber nicht immer entsprechend gewürdigt werden. Weil sie ihre hochklassige Arbeit im Hintergrund verrichten, anderen die Show überlassen. Aber in dem, was sie tun, unwiderstehlich gut sind.

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Auf der Insel spricht man von einem „unsung Hero“ – einem unbesungenen Helden. Der Fußball kennt diese Unbesungenen: Claude Makélélé bei Real Madrid war so einer. N‘Golo Kanté ist es beim FC Chelsea. Und auch Zweitligist Holstein Kiel hat einen: Jonas Meffert.

Die Schulterklopfer und Jubelarien bekommen derzeit andere ab an der Förde. Kingsley Schindler spielt überragend, trifft, wie er will. Top-Einkauf Jae-Sung Lee ist wieder in Gala-Form, wird im Stadion mit Korea-Flaggen angefeuert und nach den Spielen von Autogrammjägern belagert. Janni Serra und Mathias Honsak hinterlassen international bei ihren U21-Nationalmannschaften exzellente Visitenkarten.

Und Meffert? Hält das ganze Gebilde zusammen. Taktisch beschlagen, kampfstark, lauffreudig. Ein Fußball-Arbeiter im Weinberg des Herrn – der in Duisburg beim 4:0 am Sonntag nach starker Leistung aber runter muss. Der Oberschenkel macht Ärger, nach 67 Minuten ist Schluss.

„Ich hatte unter der Trainingswoche einen Schlag abbekommen“, erklärt Meffert nach dem Schlusspfiff im Innenraum des Stadions. Anlass zur Sorge? Zumindest eine Vorsichtsmaßnahme. Denn sein Trainer Tim Walter will nichts riskieren. Walter weiß, was er an seinem zentralen Mittelfeldspieler hat. „Freiwillig würde ich ihn nie auswechseln“, sagt er. Das hat etwas von Louis van Gaal, der in seiner Zeit beim FC Bayern über den damals noch blutjungen Thomas Müller sagte: „Müller spielt immer.“ Bei Walter gilt: Meffert spielt immer.

Und das macht er mit einer beeindruckenden Stabilität und Konstanz. Meffert, 24, vor der Saison vom SC Freiburg an die Kieler Förde gewechselt, ist einer der laufstärksten Spieler im in dieser Hinsicht ohnehin nicht zimperlichen KSV-Kader, rennt in praktisch jedem Spiel die Elf-Kilometer-Marke nieder. Das Passspiel? Erstklassig. Knapp 88 Prozent seiner Zuspiele kommen an. Mit rund 58 Prozent gewonnener Duelle ist Meffert zudem der Top-Zweikämpfer seines Teams.

„Ich erledige einfach meine Aufgabe“, sagt Meffert selbst. Understatement würde das der Engländer nennen. Für Meffert: ganz normal. Er ist ein Teamspieler, hängt seine eigene Leistung nicht an die große Glocke. Er lobt lieber die Mitspieler, vor allem die anderen beiden der „drei Tenöre“ im Kieler Mittelfeld. „Was David und Alex (Kinsombi und Mühling, d. Red.) für Aktionen nach vorne haben, zeigt ihre große Qualität. Die beiden helfen mir, und ich versuche, ihnen zu helfen.“ Und wie? „Indem ich einfache Bälle auf sie spiele, mit denen sie möglichst viel anfangen können.“

Und das klappt auch in Duisburg wieder hervorragend. Blindes Verständnis. Meffert spielt sein Spiel – hat aber einmal Glück, als er eine Flanke mit einer Mischung aus Schulter und Arm ins Toraus spielt. „Ich hatte den Arm angelegt“, beschreibt er die strittige Szene aus der 21. Minute. Die MSV-Spieler, die Trainerbank und 12000 Fans im Stadion fordern lautstark Handelfmeter. Doch der Pfiff bleibt aus. Meffert sagt: „Ich hatte schon so viel Pech mit Handspiel.“ Diesmal aber ist das Schicksal auf seiner Seite – anders als 2015 im Trikot des Karlsruher SC. Relegation gegen den HSV, vermeintlicher Handkontakt Meffert, Freistoß HSV in der 90. Minute. Der Rest ist Geschichte. „Tomorrow, my friend“, sagte Marcelo Diaz und rettete die Hamburger.

Nun schreibt Jonas Meffert an seiner eigenen Geschichte, und an der der KSV. Derzeit ist es eine Erfolgsstory, Holstein spielt großen Fußball und klopft wie in der Vorsaison an den oberen Plätzen der Zweiten Liga an. „Wenn man eine Serie hat wie wir, dann bringt das zusätzliches Selbstvertrauen. Wir glauben an uns“, sagt Meffert. „Der Kopf ist positiv.“ In seinem Fall ist es der strategische Kopf. Unbesungen, aber unverzichtbar.

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