03. April 2018 / 07:49 Uhr

Holstein Kiel kann auch Kampf

Holstein Kiel kann auch Kampf

Andreas Geidel
Grenzwertige Rettungstat in letzter Sekunde: Bielefelds Henir Weigelt (li.) trennt Holstein-Angreifer Tom Weilandt kurz vor dem Arminen-Strafraum von den Beinen – der Pfiff von Schiedsrichter Benedikt Kempkes bleibt in dieser Szene aber aus.
Grenzwertige Rettungstat in letzter Sekunde: Bielefelds Henir Weigelt (li.) trennt Holstein-Angreifer Tom Weilandt kurz vor dem Arminen-Strafraum von den Beinen – der Pfiff von Schiedsrichter Benedikt Kempkes bleibt in dieser Szene aber aus. © dpa
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Holstein zeigt beim 1:1 in Bielefeld zweites Gesicht – Rustikale Störche bleiben bei Turbulenzen auf der Alm stabil

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Das am Ende für den Zweitligisten Holstein Kiel eher glückliche 1:1 (1:1) bei Arminia Bielefeld gebar am Sonntag einen Fakt und eine Erkenntnis. Der Vorsprung der weiter den Relegationsrang drei besetzenden Störche auf Platz vier (Ingolstadt) ist auf fünf Punkte angewachsen. Zudem offenbarten die als Könige der Fußball-Kultur im Bundesliga-Unterhaus geadelten Nordlichter in der Oster-Schlacht von Ostwestfalen ihr zweites, im Aufstiegsrennen vielleicht noch bedeutsames Gesicht: Die Kieler können auch Kampf!

Arminia Bielefeld gegen Holstein Kiel

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Arminen-Coach Jeff Saibene verlängert Vertrag

Die explosive Stimmung unter den 20150 Zuschauern auf der Alm wurde mit der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung von Arminen-Coach Jeff Saibene bis 2021 schon vor dem Anpfiff angeheizt. Und als KSV-Keeper Kenneth Kronholm in der 21. Minute einen Aufsetzer aus 37 Metern (!) von Brian Behrendt unter seinem Körper zur 1:0-Führung der Gastgeber hatte durchrutschen lassen, wackelte die Schüco-Arena erstmals in ihren Grundfesten.

Derart laut geweckt erinnerten sich die Störche ihrer Qualitäten. Dank aggressiverer Zweikampfführung als in der Anfangsphase kam nun auch Fluss in die von der Konkurrenz gefürchteten Kombinationen. Einen 14-m-Schuss von Dominic Peitz (23.) lenkte Bielefelds Torwart Stefan Ortega noch über sein Gehäuse. Der verdiente Ausgleichstreffer entsprang pikanterweise der ersten Bielefelder Ecke. Mit dem abgewehrten Ball starteten die Kieler einen 5:3-Überzahl-Bilderbuchkonter. Das finale Zuspiel von Linksverteidiger „Jojo“ van den Bergh veredelte Kingsley Schindler flach und zielsicher zum 1:1 (25.).

Zweikampf vor bundesligareifer Kulisse auf der Alm: Holstein-Torschütze Kingsley Schindler im Duell mit seinem Bielefelder Kontrahenten Florian Hartherz.
Zweikampf vor bundesligareifer Kulisse auf der Alm: Holstein-Torschütze Kingsley Schindler im Duell mit seinem Bielefelder Kontrahenten Florian Hartherz. © dpa

Holstein Kiel dominierte die erste Halbzeit

KSV-Torjäger Marvin Ducksch besaß in der Folge (26., 29.) zweimal die Chance zu Saisontreffer Nummer 15. Holstein dominierte zur Freude der gut 1500 Schlachtenbummler das Geschehen gegen spielerisch limitierte Ostwestfalen bis zur Pause. Und hatte Riesenpech, dass nach einer brillanten Ballstafette Ducksch beim letzten Pass eine Fußlänge im Abseits stand, das vermeintliche 2:1 durch Tom Weilandt (41.) durch den wenig souveränen Schiedsrichter Benedikt Kempkes nicht anerkannt wurde.

Die Rasenkost, die in Halbzeit zwei geboten wurde, war an Intensität kaum zu überbieten, stürzte die Fans beider Lager in eine XXL-Achterbahnfahrt der Gefühle, setzte Fußball-Feinschmecker allerdings beinahe auf Null-Diät. Knüppelhart ging’s zur Sache. Durch Fouls und Fehlpässe im Übermaß geriet der geordnete Spielaufbau zur Rarität. „Wir haben uns von der Hektik anstecken lassen und unsere Linie verloren“, urteilte Störche-Kapitän Rafael Czichos. „In der ersten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft, in der zweiten haben wir den Kampf angenommen, aber keine spielerische Lösungen mehr gefunden“, meinte van den Bergh, der nach einem Geplänkel an der Seitenlinie die fünfte Gelbe Karte kassierte und im Heimspiel gegen Darmstadt (Sonnabend, 13 Uhr) pausieren muss.

KSV-Verteidiger „Jojo“ van den Bergh bereitete das 1:1 vor und kassierte dann die fünfte Gelbe Karte. Er wird im Heimspiel gegen Darmstadt fehlen.
KSV-Verteidiger „Jojo“ van den Bergh bereitete das 1:1 vor und kassierte dann die fünfte Gelbe Karte. Er wird im Heimspiel gegen Darmstadt fehlen. © © Agentur 54°

Bielefeld suchte nach der Pause im Wechsel vom 4-1-4-1- zum 4-4-2-System und einer gehörigen Portion Leidenschaft die Flucht nach vorne. Die mit geringer Finesse, aber erheblicher Wucht vorgetragenen Angriffe lösten mehrfach Alarmstufe rot im Kieler Strafraum aus. Mit Sturmkante Fabian Klos hatte Saibene den passenden Zielspieler für die Hoch-Weit-Schläge eingewechselt. Ein Strahl von Florian Hartherz (65.) aus 16 Metern verfehlte wie ein Klos-Kopfball (70.) das Ziel nur denkbar knapp.

Zur tragischen Arminen-Figur avancierte Andreas Voglsammer. Nach zwei ausgelassenen Riesen (56., 59.) geriet auch sein Abschluss in der 82. Minute frei vor Kronholm zu schwach. Sekundenbruchteile später riss Dominik Schmidts Fluggrätsche Voglsammer von den Beinen – der Angreifer musste verletzt ausgewechselt werden. Kempkes Pfiff hingegen blieb trotz wütender Proteste auf und abseits der Spielfläche aus. Wie auch bei der grenzwertigen Rettungstat von Henri Weigelt kurz vor dem Bielefelder Strafraum gegen Weilandt (80.). Fast hätte David Kinsombi (88.) gar noch den Siegtreffer für die Störche erzielt. Doch sein Schuss flog um Zentimeter am gegnerischen Tor vorbei.

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Der erste Auswärts-Dreier seit dem 15. Oktober 2017 wäre indes auch zu viel des Guten gewesen. Hatte es doch den Störchen im Rahmen der Turbulenzen von Bielefeld bei ihren sporadischen Gegenzügen an Ruhe, Präzision und finalem Überblick gegen die wahrlich nicht sattelfeste Bielefelder Deckung gemangelt. Merke: Auch der famose Aufsteiger von der Förde kann noch dazulernen.

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