08. Februar 2019 / 08:59 Uhr

Holstein Kiel: Nach der Pokal-Demonstration mit bösem Ende suchen die Störche nach dem Fokus

Holstein Kiel: Nach der Pokal-Demonstration mit bösem Ende suchen die Störche nach dem Fokus

Marco Nehmer
Die Werbebande zeigt’s an: Die KSV ist raus(s). Kingsley Schindler, der gegen Augsburg zwei Hochkaräter vergab, kann es nicht fassen. Nach dem Pokal-Kater geht es aber direkt weiter – in der Liga am Sonntag in Magdeburg.
Die Werbebande zeigt’s an: Die KSV ist raus(s). Kingsley Schindler, der gegen Augsburg zwei Hochkaräter vergab, kann es nicht fassen. Nach dem Pokal-Kater geht es aber direkt weiter – in der Liga am Sonntag in Magdeburg. © Uwe Paesler
Anzeige

In England, Heimat des Fußballs und des gepflegten Dramas, gibt es ein Sprichwort, das Abende wie diese beschreibt: „Football, bloody hell!“ Oh Fußball, du verdammte Hölle. Geprägt von Sir Alex Ferguson nach Manchester Uniteds Champions-League-Finalsieg im Mai 1999 über den FC Bayern. Für die Münchner war es die Mutter aller Niederlagen. Ein Irrwitz – der in ähnlicher Form am Mittwochabend im Holstein-Stadion nacherzählt wurde.

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Holstein Kiel dominierte den Bundesligisten FC Augsburg im DFB-Pokal-Achtelfinale nach Belieben, zog den auf dem Papier höherklassigen Gegner streckenweise am Nasenring durch die Flutlicht-Manege. Dass es am Ende trotzdem 0:1 stand, war unbegreiflich. Football, bloody hell. FCA-Trainer Manuel Baum, in der Rolle des Ferguson an diesem Abend, war der Erfolg seiner unterlegenen Elf fast peinlich.

FCA-Coach Manuel Baum: „Wir haben alle gesehen, wie viele Großchancen Kiel hatte“

„Wir haben damit gerechnet, dass die Kieler mutig Fußball spielen. Aber wie sie es umgesetzt haben, war wirklich richtig, richtig gut“, sagte er, der den Eindruck machte, lieber über die Leistung der Störche als über die Nicht-Leistung seiner Mannschaft reden zu wollen. „Wir haben alle gesehen, wie viele Großchancen Kiel hatte“, sagte Baum, machte dann aber den entscheidenden Zusatz: „und wie sie damit umgegangen sind.“

15 Torschüsse notierten die Statistiker für den Zweitligisten. Darunter solche, die für gewöhnlich das Attribut „hundertprozentig“ tragen. Kingsley Schinder hatte gleich zweimal die Riesenchance auf die Führung, Janni Serra, Alexander Mühling, Jonas Meffert, Masaya Okugawa, Jannik Dehm, Jae-Sung Lee – sie alle hätten treffen können, müssen. Der Knackpunkt: Augsburgs Keeper Gregor Kobel hatte praktisch nichts zu tun. Nur ein Ball kam tatsächlich auf sein Tor. „Wir haben Dinger gehabt, die er nicht einmal halten musste“, sagte Holstein-Trainer Tim Walter und stellte die Frage aller Fragen: „Wie soll der Ball reingehen, wenn wir daneben schießen?“

Besonders Serra machte einmal mehr keine gute Figur. Seit 353 Minuten wartet der junge Stürmer mittlerweile auf ein Tor. „Momentan agiert er sehr unglücklich“, sagte Walter. „Er kann sich nur selbst aus der Krise ziehen.“

Bilder von der Achtelfinal-Partie im DFB-Pokal zwischen Holstein Kiel und dem FC Augsburg

Holsteins Trainer Tim Walter betritt den Platz. Zur Galerie
Holsteins Trainer Tim Walter betritt den Platz. ©
Anzeige

Das gilt nun ein Stück weit auch für die gesamte Mannschaft. Eine Krise lässt sich aus der vergebenen Chance aufs erste Pokal-Viertelfinale seit 2012 – gestern vor sieben Jahren gastierte das große Borussia Dortmund an der Förde – nun nicht ableiten. Aber der Stachel sitzt tief. Denn es lag Historisches in der Luft. Die Wahrscheinlichkeit, in der nächsten Runde einen machbaren Gegner zugelost zu bekommen, war groß. Halbfinale, nur noch einen Schritt von Berlin entfernt – süße Träume, beerdigt von Michael Gregoritsch in der 85. Minute.

„Ich denke nicht, dass uns das einen Knacks gibt“, sagte Innenverteidiger Dominik Schmidt. „Viel Zeit zum Verdauen haben wir sowieso nicht.“ Die Störche müssen nun schnell wieder den Fokus finden. Denn die nächste Aufgabe steht vor der Tür. Gestern nahmen die Störche die Vorbereitung aufs kommende Ligaspiel gegen Magdeburg (So., 13.30 Uhr) auf. Zurück im nasskalten Zweitliga-Alltag.

Tim Walter: „Das war erstligareifer Fußball mit Zweitligaspielern.“

Und doch besteht Anlass zum Optimismus. Wer einen Bundesligisten derart dominiert, ihm kompromisslos das eigene Spiel aufzwängt, der muss keinen Gegner fürchten. „Ich habe immer gesagt, dass es funktioniert“, sagte Walter zum Spiel, das so etwas wie sein ungekröntes Meisterstück war. „Das war erstligareifer Fußball mit Zweitligaspielern.“

Lernt Holstein aus seinen Fehlern, könnten aus diesen Zweitligaspielern schon im Sommer Erstligakicker werden. Und zwar in Kiel. „Jetzt gilt’s, in der Liga voll anzugreifen“, sagte Rechtsverteidiger Dehm, „und uns aus dieser Enttäuschung rauszuholen.“ Aus der verdammten Hölle in den tabellarischen Himmel.

Stimmt ab! Gebt den Holstein-Spielern Schulnoten!

Mehr anzeigen

Mehr zum Pokalspiel zwischen Holstein Kiel und dem FC Augsburg

Stimmt ab! Wie schlagen sich die Störche nun beim FCM?

Mehr anzeigen

Die Winter-Transfers in der 2. Fußball-Bundesliga der Saison 2018/19

HAMBURGER SV - Zugänge: Berkay Özcan (VfB Stuttgart) - Abgänge: Christoph Moritz (Darmstadt 98), Matti Steinmann (Vendsyssel FF) Zur Galerie
HAMBURGER SV - Zugänge: Berkay Özcan (VfB Stuttgart) - Abgänge: Christoph Moritz (Darmstadt 98), Matti Steinmann (Vendsyssel FF) ©
Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Kiel
Sport aus aller Welt