Ulf Kämpfer geht mit der DFL hart ins Gericht. Ulf Kämpfer geht mit der DFL hart ins Gericht. © Frank Peter
Ulf Kämpfer geht mit der DFL hart ins Gericht.

Holstein Kiel: OB Kämpfer schimpft auf die DFL

Die Politk debattiert – 13921 Solidaritäts-Bekundungen in einer Online-Petition.

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Der Ärger über die längst korrigierte Entscheidung, die Holstein Women aus dem Verein auszugliedern, scheint in der Landeshauptstadt verflogen. Ganz Kiel steht nun wieder hinter der KSV. Grund dafür sind aber nicht die anstehenden Aufstiegsspiele. Sondern die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), im Holsteinstadion mit seiner geringen Zuschauerkapazität keine Erstligapartien austragen zu lassen.

Im Internet schießt eine virtuelle Solidaritätsliste „Pro Holstein“ durch die Decke. Schon 13921 Menschen bekundeten in den letzten drei Tagen unter www.openpetition.de ihren Wunsch, man möge die Störche in ihrer Heimat spielen lassen. Ziel sind 20000 Befürworter, um damit die DFL zumindest moralisch in die Pflicht zu nehmen.

Das versuchen seit der Entscheidung der DFL auch diverse politische Vertreter, allen voran Kiels OB Ulf Kämpfer (SPD). „Ehrlich gesagt: Richtig Bock auf Kompromisse habe ich nicht. Ich finde, nicht wir müssen uns bewegen, diese blöde DFL muss sich bewegen. Und im Zweifel machen wir einen Sternmarsch, wo immer die ihre Büros haben, und zeigen denen mal, was eine Harke ist.“

Auch die SPD sicherte dem Verein ihre volle Unterstützung zu. „Leistung muss belohnt werden“, sagte die Abgeordnete Kathrin Wagner-Bockey. Die DFL benachteilige offenkundig kleine Vereine, die Lizenzverweigerung führe zu einer Leistungsverzerrung. „Auch kleinen Vereinen muss die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geboten werden.“ Der mögliche Aufstieg in die Erste Liga sei für Holstein Kiel eine Riesenchance.

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Die AfD-Fraktion gibt die Hoffnung nicht auf, dass Holstein Kiel doch noch eine Ausnahmegenehmigung der DFL erhält. „Die sportliche Leistung stimmt und ist erstligareif“, sagte der Abgeordnete Frank Brodehl. „Dem Verein zwangsweise ausschließlich Auswärtsspiele aufzubürden, ist für uns vollkommen inakzeptabel.“ Die Premiere der Störche dürfe „nicht Opfer von Kommerzinteressen oder von Auflagen werden, die mit dem gesunden Menschenverstand nicht zu vereinbaren sind“.

Zudem ist die politische Debatte um den weiteren Stadionausbau voll entbrannt. Die Landtags-Grünen betonten, dass ein Ausbau nicht zu Lasten des Breitensports gehen dürfe. Sie stellen mit Monika Heinold in der Jamaika-Regierung. Ganz so apodiktisch wollen das Vertreter von CDU und FDP nicht formulieren. Sich gegen renommierten Profisport zu wenden, grenze an politischem Selbstmord. Allerdings reagiert man auch dort irritiert darauf, dass die Vereinsvorschläge noch immer so unausgereift erscheinen.

„Der Ball für mögliche weitere Baumaßnahmen am Holstein-Kiel-Stadion liegt bei der Stadt Kiel als Eigentümerin und dem Verein als Nutzer“, sagte der haushalts- und sportpolitische Fraktionssprecher der Grünen, Rasmus Andresen. Bisher seien die Verantwortlichen dem Land konkrete und belastbare Pläne schuldig geblieben. Seine Fraktion sehe vor allem die Stadt in der Pflicht – und die Sponsoren, „da diese am meisten finanziell vom sportlichen Erfolg von Holstein Kiel profitieren“. Andresen forderte von der Vereinsspitze allerdings stärkeres gesellschaftliches Engagement in den Bereichen Frauenfußball, Anstrengungen gegen Rechtsextremismus.

Auch FDP-Fraktionschef Christopher Vogt betonte, dass man dem Verein keine unnötigen Steine in den Weg legen dürfe. Zwar liege der Breitensport in der Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen im gemeinsamen Fokus. Aber der Spitzensport sei ein Zugpferd und brauche eine vernünftige Infrastruktur. „Bundesligafußball ist nicht nur ein Image-, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor.“

​Uefa schreibt nur 8000 Plätze vor

Deutschlandweite Solidarität mit Holstein auch in der Presselandschaft. Als „arrogante Entscheidung“ bewertete die „Süddeutsche“ das Vorgehen der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Die „Welt“ kommentierte: „Mit jener stumpfen Behördenentscheidung verhindert die Profiklubvereinigung womöglich ein grandioses Fußballmärchen.“ Ohne Gigantismus und mächtigen Mäzen im Hintergrund habe es Holstein zu einem beachtlichen Klub gebracht. „Spiegel online“ führte Beispiele aus anderen Ligen ins Feld. So spiele SD Eibar in der spanischen Primera Division in einem 7083 Zuschauer fassenden Stadion und der englische Premier-League-Klub AFC Bournemouth in einer Arena mit einem Fassungsvermögen von 11464 Besuchern. Selbst die Uefa schreibe in der Champions-League-Gruppenphase ein maximales Fassungsvermögen von nur 8000 Sitzplätzen vor.

So hat Holstein Kiel im Sommer 2017 den Aufstieg in die 2. Liga gefeiert:

Region/Kiel Holstein Kiel (Herren) Holstein Kiel 2. Bundesliga

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