05. Dezember 2018 / 12:35 Uhr

Holstein Kiel scoutet kommende Profis für den E-Sports-Kader

Holstein Kiel scoutet kommende Profis für den E-Sports-Kader

Marco Nehmer
KN-Reporter Marco Nehmer (re.) konnte sich dank einer Wild-Card im Selbsttest beim E-Sports Scoutingturnier von Holstein Kiel ausprobieren.
KN-Reporter Marco Nehmer (re.) konnte sich dank einer Wild-Card im Selbsttest beim E-Sports Scoutingturnier von Holstein Kiel ausprobieren. © Sonja Paar
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Drama an der Crown Lane, dem Holstein Kiel zugewiesenen Fantasiestadion. Und die Kieler Nachrichten sind mittendrin.

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Es ist Sonnabend, Holstein Kiel trifft auf Holstein Kiel. Ein Abnutzungskampf. Auf der einen Seite: eine KSV-Elf im 4-2-3-1, die sich die Zähne ausbeißt. Auf der anderen Seite: eine Dreierkette, die Beton anrührt. Auf der einen Seite: Tim, talentierter Zocker des Videospiels „FIFA 19“. Auf der anderen: ich, der KN-Reporter. Anspannung, feuchte Hände. Konzentrationslevel: Tunnelblick. Ich habe einen Startplatz beim E-Sports-Scouting-Turnier der KSV ergattert. Und scheitere am Ende dramatisch. Doch der Reihe nach.

Holstein Kiel fahndet derzeit nach zwei Profis an der Spielkonsole. Der Zweitligist plant den Einstieg in die von der Deutschen Fußball-Liga organisierte „Virtual Bundesliga“. In der geht es ab Januar um die deutsche Vereinsmeisterschaft im E-Football. Das E steht für elektronisch – Gamepad statt Grätsche. Auf den Konsolen PlayStation und Xbox messen sich dann die Besten im aktuellsten Ableger des Fußballsimulations-Klassikers „FIFA“. Eine exotische Nische? Nein. Im Internet gucken Zehn-, manchmal Hunderttausende gleichzeitig zu, wenn Profi-Gamer zum Controller greifen. Ja, richtig, Profis. Mit dem Zocken lässt sich Geld verdienen. Eben wegen dieser Aufmerksamkeit, die der E-Sport vom überwiegend jungen Publikum bekommt. Die Preisgelder bei Turnieren: teils im Millionenbereich.

Impressionen zu Holstein Kiels Scoutingturnier für E-Sprots:

Die Spielleitung von Holstein Kiel hatte alles im Griff und war mit Spaß bei der Sache. Zur Galerie
Die Spielleitung von Holstein Kiel hatte alles im Griff und war mit Spaß bei der Sache. ©
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Asien ist Vorreiter, Europa zieht nach. Und jetzt auch die „analogen“ Fußballklubs, die das Thema für sich entdeckt haben. Schalke 04, der VfL Wolfsburg, Werder Bremen – sie alle haben E-Sports-Abteilungen geschaffen, Konsolen-Profis verpflichtet. Mittlerweile ist etwas mehr als ein Dutzend Klubs in Deutschland dabei – und bald auch Holstein Kiel. Ende November der Aufruf: talentiert? Volljährig? Aus der Region? Dann kommt zur KSV – und erspielt euch einen E-Sports-Profivertrag. Eine Woche später steht Jan-Eric Krajewski, bei den Störchen zuständig fürs Digitale, im großen Zelt vorm Holstein-Stadion und schaut zufrieden in die Runde. 64 Startplätzen beim gleich startenden Turnier stehen 300 Anmeldungen gegenüber – die E-Sports-Initiative der KSV funktioniert. Daniela Stahl ist nicht verwundert: „E-Sports wird ein Riesending. Das ist ein großes Zukunftsthema.“ Sie organisiert das Turnier zusammen mit Darius Karampoor – und verschafft mir, dem Reporter, eine Wild Card. Ein paar Angemeldete sind nicht erschienen. Ich habe also Glück.

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Das gilt auch für mein Spiel eins, das in einem mächtigen Truck, der „Black Betty“, steigt. Das irre Gaming-Vehikel bietet Platz für 16 Zocker an acht Spiel-Stationen. Aus dem „FIFA“-Sattelschlepper wird – natürlich – live gestreamt. Über „twitch.tv“ schalten sich die Videospiel-Nerds zu. Kurz nach Turnierstart am Vormittag sind es allerdings erst etwa 100. Krajewski sagt: „Es läuft noch holprig – aber das ist der Holstein-Kiel-Weg.“ Gegen alle Widerstände, aber beständig nach oben. Ich fahre also voll auf KSV-Linie in der ersten Turnierrunde, als ich Tim – so heißen heute zwei meiner Gegner – bezwinge. Er ist öfter mal durch im Pflicht-Duell Kiel gegen Kiel, spielt mit Jae-Sung Lee einige gefährliche Vertikalpässe. Ich halte mit Lewerenz-Flankenläufen dagegen, rette mich in eine ereignisarme Verlängerung im Holstein Kiel zugewiesenen Fantasie-Stadion „Crown Lane“. Danach: Elfmeterschießen. Ich pariere den entscheidenden Ball – und bin weiter.

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Tim fliegt etwas später nach seiner zweiten Niederlage raus. „Alles gut, ich geh’ Bundesliga gucken“, sagt er trotzig. Der echte Fußball wird hier also auch noch geschätzt. E-Football als Konkurrenz? Eher als Ergänzung. Aber zurück zum Wesentlichen. Runde zwei. Diesmal gegen Leon, der richtig mitgeht. „Sind die blind!“, schreit er. Ein Herrmann ist halt kein Ronaldo, die unterklassigen Teams sind die wahre Champions League der „FIFA“-Reihe, ungleich schwerer zu beherrschen. Trotzdem gewinnt er. 2:0. Mann, der Junge wargut. Egal, das Double-K.o.-System eralubt mir diese eine Pleite. Runde drei überstehe ich kampflos. Der Gegner hat Termine, muss weg. So kann’s auch gehen. Und plötzlich stehe ich, der eher aus Jux angetretene KN-Typ: im Achtelfinale. Ich werde doch wohl nicht...?

Ich bin schon mit einem Bein im Viertelfinale, da zuckt mein rechter Daumen. In der 120. Minute. Im Strafraum. Ich räume mit Johannes van den Bergh Kingsley Schindler ab. Tim bedankt sich, schiebt den Elfer zum Last-Minute-Sieg ein. Aus, vorbei. Raus mit Applaus. Die Sieger sind am Ende andere: Bennett Rohwedder gewinnt das Finale spät am Abend gegen Nils Mohr. Werden sie jetzt Profis? Möglich. Aber nicht sicher. Denn sie müssen nicht nur die Besten sein, sondern auch die Passendsten. Stichwort Teamchemie. Ein bisschen wie auf dem echten Platz.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Fiete Sykora war über Jahre hinweg (2009-2015) Stammspieler bei Holstein Kiel. In 158 Spielen erzielte der Stürmer 43 Tore. Zur Galerie
Fiete Sykora war über Jahre hinweg (2009-2015) Stammspieler bei Holstein Kiel. In 158 Spielen erzielte der Stürmer 43 Tore. ©
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