Holstein Kiel 001 Marvin Ducksch konnte am Ende doch noch den Fans seine Jubelpose zeigen. Holstein Kiel erkämpft ein 2:2 gegen Sandhausen. © Paesler
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Holstein Kiel: Sehnsucht nach Normalität

Holstein-Trainer Markus Anfang ist froh, die Kieler Zweitliga-Premiere endlich hinter sich zu haben. Am Tag danach war fast alles wie immer. Arbeitsalltag in Kiel – das galt natürlich auch für die Fußball-Störche.

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Regenerations- oder Spiel-Ersatz-Training stand auf dem Vormittags-Programm. Die lockere Stimmung im Nachwuchsleistungszentrum Projensdorf passte zum strahlenden Sonnenschein. Zentrales Thema: Das 2:2 (0:2) gegen den SV Sandhausen bei der Premiere in der Zweiten Bundesliga am Nachmittag zuvor und die Schlüsse, die es daraus zu ziehen gilt.Störche-Cheftrainer Markus Anfang erzählte, er habe am Abend nach Spiel eins nach 36-jähriger Abstinenz vom Bundesliga-Unterhaus etwas später als gewohnt ins Bett gefunden: „Ich habe mir das Spiel noch ausführlich angesehen und analysiert.“ Dass die Mannschaft den 0:2-Rückstand dank einer famosen Aufholjagd, toller Moral und des traumhaften Last-Minute-Treffers von Marvin Ducksch noch in einen Punktgewinn gedreht hatte, verbuchte der Coach naturgemäß auf der Positivseite.Doch auch die Schattenseiten dieses am Ende von 9513 Zuschauern frenetisch gefeierten Auftritts hatten die TV-Bilder schonungslos offenbart. Wie vielen Phasen in den ersten 35 Minuten. Fünf KSV-Profis der Startelf (Kenneth Kronholm, Patrick Herrmann, Rafael Czichos, Kingsley Schindler und Steven Lewerenz) hatten den Rasen ohne jegliche Zweitligaerfahrung betreten. Innenverteidiger Dominik Schmidt hatte in der Saison 2011/12 immerhin 14 Minuten Unterhaus-Luft geschnuppert, Linksverteidiger Christopher Lenz im vergangenen Spieljahr 29 Minuten. Dazu kam die spezielle Atmosphäre, die sich in Kiel in den vergangenen Wochen angestaut hatte und sich an diesem 30. Juli schon vor dem Anpiff in einer neuen Form des Enthusiasmus’ entlud. Kein Wunder folglich, dass das Lampenfieber dem einen oder anderen Kieler Akteur einen üblen Streich spielte. „Wenn das bei dieser einen schlechten Halbzeit bleibt, habe ich nichts dagegen“, sagte Dominic Peitz, mit 176 Zweitliga-Einsätzen der routinierteste aller Störche.

„Sandhausen war in der vergangenen Saison nach der Hinrunde Sechster und am Ende Zehnter. Das ist ein etablierter Zweitligist“, ergänzte Anfang mit Blick auf den Sand im Kombinationsgetriebe, die zahlreichen Fehlpässe oder die bisweilen fahrlässige Zweikampfführung.Der Entwicklungsprozess, in dem sich die Mannschaft befinde, sei noch lange nicht abgeschlossen, so Anfang weiter. Schon im zurückliegenden Spieljahr hatten neue Situation Probleme bereitet. „In Erfurt beispielsweise, als wir beim Anpfiff erstmals auf einem Aufstiegsplatz standen und am Ende froh sein mussten, in letzter Minute ein 1:1 geholt zu haben“, erinnerte der 43-jährige Fußball-Lehrer und pries ein pädagogisches Plus eines Teams: „Die Jungs haben auch gegen Sandhausen während des Spiels gelernt und vor allem in der zweiten Halbzeit ihre Sache sehr ordentlich gemacht.“Dass in der finalen Schlussoffensive vergleichsweise rustikale Stilmittel (lange Schläge, Kampf um die zweiten Bälle) zum Einsatz gekommen waren, hakte Anfang, als Anhänger der gepflegten Ball-Kultur bekannt, unter der Rubrik „Variabilität im taktischen Verhalten“ ab. Sandhausens Abwehr-Hüne Markus Karl hatte die Kieler Strategie zuvor abqualifiziert: „Nur hohe und weite Bälle, das hatte mit Fußball doch nichts zu tun.“ Alles eine Frage der Sichtweise? Eine von „Spiegel online“ veröffentlichte Untersuchung ergab: Hannover und Karlsruhe spielten in der Vorsaison die wenigsten langen Bälle – ein Team führte diese Strategie in die Bundesliga, eines in die Dritte Liga.Anfang war’s egal, sein Blick eilte ohnehin schon auf den Freitagabend (18.30 Uhr) voraus, wenn den Kielern bei Aufstiegsfavorit Union Berlin eine echte Härteprüfung bevorsteht. „Es wird Zeit, dass Normalität im Zweitliga-Betrieb bei uns einkehrt. Die Jungs sollen sich darauf konzentrieren, ihre Fähigkeiten abzurufen“, lautete Anfangs Sehnsucht nach dem Premieren-Fieber vom Sonntag. Ob allerdings ein Punktspiel an der „Alten Försterei“ mit der Hoffnung auf Normalität in Einklang zu bringen ist, bleibt fraglich.

Holstein Kiel (Herren) Fussball 2. Bundesliga Region/Kiel

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