05. März 2018 / 12:23 Uhr

Holstein Kiel: Sternstunde der Störche

Holstein Kiel: Sternstunde der Störche

Andreas Geidel
Die pure Erleichterung: Holstein-Kapitän Rafael Czichos genießt den Moment nach seinem Treffer zum 4:0-Zwischenstand in vollen Zügen.
Die pure Erleichterung: Holstein-Kapitän Rafael Czichos genießt den Moment nach seinem Treffer zum 4:0-Zwischenstand in vollen Zügen. © Paesler
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Holstein bei 5:0-Gala gegen Duisburg im Torrausch – Magische 40-Punkte-Marke erreicht.

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Fünf Böller für den Kieler Fußball-Feiertag! Mit 5:0 (2:0) fertigten die Zweitliga-Störche am Sonnabend den Rückrunden-Primus MSV Duisburg ab. Die rund 1000 Gäste-Anhänger unter den 10 143 Zuschauern wähnten sich bei Gefrierhaus-Temperaturen in einem frostigen Albtraum, so dominant waren die Holstein-Profis individuell und als Kollektiv über die gesamte Distanz. Die Schützlinge von KSV-Cheftrainer Markus Anfang beendeten die Serie von elf Spielen ohne Sieg mit einer hinreißenden, vor Willenskraft und Eleganz strotzenden Gala-Show, erreichten damit bereits am 25. Spieltag die magische 40-Punkte-Marke und festigten nicht nur Relegationsrang drei, sondern bauten den Vorsprung auf Platz vier sogar auf drei Zähler aus – eine Demonstration der eigenen Qualität, eine Sternstunde des Sensations-Herbstmeisters von der Förde.

Und plötzlich war das Lachen zurück im Kieler Lager. Auch bei Innenverteidiger Dominik Schmidt. Der 30-Jährige hatte seine Wünsche im Vorfeld des Aufsteiger-Gipfels klar formuliert. Die Schmidt-Liste: Endlich wieder ein Sieg – check! Die Null hinter dem Doppelpunkt –check! Mit Konzentration und Konsequenz über 90 Minuten die Gunst des Fußball-Gottes erzwingen – check! Nach Wochen des Schiedsrichter-Pechs ein Einsehen des Unparteiischen –check! Bastian Dankert übersah zunächst vor dem Kieler 2:0 ein vom MSV angemahntes Foul von Torjäger Marvin Ducksch an Kevin Wolze, ahndete dann einen zarten Hackenstreichler des verzweifelnden Ex-Storches Fabian Schnellhardt an Ducksch mit Elfmeter.

Holstein Kiel gegen den MSV Duisburg

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Nur in einem Punkt hielten sich die Kollegen nicht an die Order ihres Vize-Kapitäns. Denn mit einem „notfalls dreckigen Dreier“ mochten sich die Störche nicht begnügen. Am Ende stand der zweithöchste Zweitliga-Erfolg in der Vereinshistorie der Nordlichter nach dem 7:1 gegen Osnabrück am 31. Mai 1980 beim KSV-Liga-Debüt des späteren Welttorwarts Andreas Köpke. Die im Verbund überragende Kieler Defensivarbeit mit den Mittelfeld-Galionsfiguren Dominic Peitz und David Kinsombi an der Spitze legte die Basis. Den MSV-Strategen um Feinmotoriker Schnellhardt wurde am Boden und in der Luft vom Anpfiff an der Spaß am Beruf geraubt. Der erste von insgesamt nur vier Duisburger Schüssen flog in der 57. Minute in Richtung des KSV-Gehäuses.

Mit derartiger Rückendeckung sprühten die Künstler aus der Torfabrik des Bundesliga-Unterhauses vor Tatendrang. Einen langen Chip-Ball Schmidts und eine Kopfball-Verlängerung Duckschs veredelte Kinsombi (18.) dank urgewaltigen Durchsetzungsvermögens gegen Gerrit Nauber zur 1:0-Führung der Störche. Nur 162 Sekunden später endete eine für Duisburger Schwindelgefühle sorgende Ballstafette bei Aaron Seydel. Der U21-Nationalspieler narrte den völlig überforderten Dan-Patrick Poggenberg, ebenfalls ein ehemaliger Kieler, und schoss die Kugel vom linken Flügel flach durch den MSV-Strafraum. Dominick Drexler (20.) staubte zum 2:0 ab.

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„Die Zweikämpfe entscheiden, das ist auch auf allerhöchstem Niveau so“, gab der 33-jährige Routinier Peitz später zu Protokoll. Und Drexler erinnerte sich: „Ich hatte schon in der Halbzeitpause ein gutes Gefühl. Alle wollten sofort wieder raus aufs Feld.“ Nur nicht nachlassen, nicht wieder einen Vorsprung verspielen wie zuletzt gegen Union Berlin, Aue oder beim FC St. Pauli.

Nein, diesmal hielten die Störche das ohnehin beeindruckende Tempo auch in Durchgang zwei hoch, sie blieben stabil. Kingsley Schindler (51.) verwandelte den Strafstoß zum 3:0 und das Holsteinstadion endgültig in eine brodelnde Arena der Glückseligkeit. Seydel köpfte eine Ducksch-Ecke gegen die Latte, Kapitän und Abwehrchef Rafael Czichos (62.) staubte zum 4:0ab. Und nach dem fünften Kieler Eckstoß von Joker Steven Lewerenz verlor Nauber (82.) endgültig die Orientierung und bugsierte die Kugel zum Endstand ins eigene Netz.

„Wir haben genauso gespielt wie in den letzten Wochen, haben uns heute aber belohnt und in den wichtigen Situationen getroffen. Die Jungs haben einrichtig, richtig gutes Spiel gemacht. Dafür allerdings können wir uns schon am nächsten Sonnabend in Bochum nichts mehr kaufen“, stellte Holstein-Erfolgscoach Anfang durchaus erleichtert fest, fand aber noch ein Haar in der Suppe: „Wir haben noch einige Chancen liegengelassen.“ Das indes sei „Jammern auf hohem Niveau“. Merke: Auch 50 (!) Treffer auf dem Konto dürfen keine Selbstzufriedenheit erzeugen.

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