09. August 2018 / 13:53 Uhr

Holstein Kiel: Super-Storch Jae-Sung Lee grüßt schon mit „Moin“

Holstein Kiel: Super-Storch Jae-Sung Lee grüßt schon mit „Moin“

Andreas Geidel
Jae-Sung Lee feierte gegen den Hamburger SV einen überragenden Einstand im Holstein-Trikot.
Jae-Sung Lee feierte gegen den Hamburger SV einen überragenden Einstand im Holstein-Trikot. © Uwe Paesler
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Der Südkorea-Star fühlt sich an der Förde pudelwohl – aber im Winter fehlt er Holstein Kiel einen ganzen Monat.

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Auf dem Rasen des Hamburger Volksparkstadions hatte er am Freitagabend mindestens die deutsche Zweitliga-Welt in Begeisterung versetzt. Jae-Sung Lee hatte bei seiner Premiere im Trikot der KSV Holstein bewiesen, warum er 2017 zu Südkoreas Fußballer des Jahres gekürt worden war. Warum der 38-fache Nationalspieler bei der WM in Russland dank seiner Technik und seiner Handlungsschnelligkeit mit und gegen den Ball die Blicke auf sich gezogen hatte. Doch Lees positive Auftritte reduzieren sich nicht nur auf seinen Beruf. Der 25-Jährige erobert auch abseits der Spielfläche die Herzen im Sturm.

Ortstermin im Trainingszentrum der Störche, das erste längere Interview in Lees neuer Wahlheimat. Holsteins Top-Transfer erscheint pünktlich in Begleitung seines Bruders Jay, der sich als Übersetzer betätigt. Der in Südkorea als Superstar verehrte Profi nimmt in lockerer Runde auf der Rundbank unter einem Eichenbaum Platz. Keine Allüren, hier und da lächelt Lee asiatisch höflich, um dann spontan herzhaft zu lachen. „Alle sind hier sehr freundlich zu mir, ich fühle mich wohl“, gibt der Spielmacher zu Protokoll. Auch die neuen Kollegen seien sehr bemüht, ihm bei der Integration im neuen Kulturkreis zu helfen: „Wir haben einen Whatsapp-Gruppenchat, in den ich direkt aufgenommen wurde. Unser Kapitän David Kinsombi kümmert sich um mich, fragt mich, wie es mir geht und hilft mir.“

Nein, Heimweh habe er in seinen ersten zwei Wochen in Kiel noch nicht verspürt. „Ich habe täglich über Facetime Kontakt nach Hause, besonders zu meinem Neffen.“ Und natürlich telefoniere er auch regelmäßig mit seinen in Deutschland spielenden Landsleuten wie Jae-Cheol Koo (Augsburg) oder Yi-Young Park (FC St. Pauli). Auch die deutsche Küche bereitet ihm keine Sorgen, erzählt Lee. „Schnitzel ist sehr gut, und wir mögen auch Steak. Generell ist das Essen hier okay, aber wir vermissen natürlich ein wenig die koreanische Küche. Das Essen ist hier ein bisschen zu salzig.“ Seine Augen signalisieren bei diesen Worten die Bitte um Verständnis – Lee lächelt.

Und lacht herzhaft bei der Frage, wie es um seine Deutschkenntnisse bestellt sei. Dann legt Lee los: „Schere, Gabel, Messer, Teller, sieben (seine Rückennummer, die Red.).“ Natürlich fehlt auch das unvermeintliche „Moin, Moin“ nicht in seiner persönlichen Liste. Die Störche-Verantwortlichen suchen nach einem Deutsch-Lehrer für ihren Top-Einkauf. Und nach einer Wohnung in Wassernähe. Denn noch leben die Lee-Brüder im Hotel. Doch auch dieses Nomadendasein bereitet dem Asiaten keine Kopfschmerzen. Denn wer glaubt, der Toni Kroos Südkoreas habe in seiner Heimat ein Luxus und Glamour-Dasein europäischen Zuschnitts geführt, der irrt. „Wer noch nicht verheiratet ist, der wohnt im Gemeinschaftshaus des Vereins“, berichtet Lee von vergleichsweise spartanischen Verhältnissen. Jeonbuk Hyundai Motors FC hieß sein letzter Arbeitgeber, mit dem er unter anderem zwei nationale Meistertitel und den Gewinn der asiatischen Champions-League gefeiert hat.

Kein WM-Urlaub, stattdessen direkt nach dem Turnier in Russland noch fünf Spiele für Jeonbuk, dann mit einem 18-Stunden-Flug nach Hamburg, mit der KSV Holstein zwei Tage später zur Generalprobe nach München, sechs Tage später die überragende Leistung im Volkspark – der Begriff Erschöpfung ist für Lee offenkundig nicht existent, ist er ein Ironman? „Es ist mein Traum, in Europa zu spielen. Das ist mein Motor. Ich möchte in jedem Spiel auf dem Platz stehen. Das ist für mich keine große Sache – in Korea haben wir teilweise jeden dritten Tag gespielt.“

​Stimmt ab! Wie schlagen sich die Störche im bevorstehenden Heimspiel?

Rückblende: Als Holstein Sportdirektor Fabian Wohlgemuth Anfang Juni seine Arbeit an der Förde begann, fand er zusammen mit Cheftrainer Tim Walter einen für Zweitliga-Verhältnisse nur bedingt tauglichen Kader vor. „Die Situation auf dem deutschen Markt war überschaubar, deshalb mussten wir uns auch interkontinental umsehen“, erinnert sich Wohlgemuth. Dann bekam das sportliche Führungsduo der Kieler noch vor der WM den Tipp, ein südkoreanischer Spitzenspieler wolle sich in Richtung Europa verändern. „Wir haben dann unser Beraternetzwerk angezapft, haben Überzeugungsarbeit geleistet und sind auch nach der WM hartnäckig geblieben“,so Wohlgemuth weiter.

Am Ende war das Transfer-Meisterstück dank einer „großen Teamleistung aller Beteiligter im Verein“, so Wohlgemuth, perfekt. Für einen „Schnäppchenpreis“ von rund 900.000 Euro Ablöse unterschrieb Lee einen Dreijahres-Vertrag bei Holstein und verzichtete für den Einstieg ins Abenteuer Europa auf reichlich Gehalt. Heute sagt der Südkoreaner: „Holstein Kiel ist der richtige Verein für mich. Alle haben mir geraten, nach Kiel zu wechseln. Ein kleiner Verein mit einer familiären Atmosphäre.Vor allem aber hat mich die Spielphilosophie von Trainer Tim Walter überzeugt.“

Im Januar stehen für Lee die Asien-Meisterschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten an (5.1. bis 1.2. 2019). Die Störche müssen ihr neues Trumpf-Ass laut Fifa-Statuten dafür freistellen. Erneut gerät Lee dann ins Blickfeld internationaler Scouts. Vielleicht sind auch die Späher des FC Barcelona vor Ort, der Lieblingsklub Lees neben der KSV Holstein.Vielleicht auch die der Tottenham Hotspurs, dem Klub von Lees Nationalmannschafts-Kumpel Heu-Ming Son. Oder die von Manchester United. Der Klub, für den Ji-Sung Park zwischen 2005 und 2012 spielte. „Er ist mein Idol. Ich habe mir als Kind jedes Wochenende seine Spiele angeguckt“, so Lee.

Der Ex-Hamburger Son muss noch damit rechnen, zum Militär in der Heimat einberufen zu werden. In Südkorea sind alle Männer bis zum 28.Lebensjahr für 24 bis 28 Monate zu diesem Dienst verpflichtet. Es sei denn, sie haben zum Ansehen des Landes überragende sportliche Erfolge erzielt. Wie Lee, der 2015 mit seinem Team die Ostasien-Meisterschaft gewann. Er ist deshalb vom Wehrdienst befreit. Der 3:0-Sieg beim HSV war ein sportlicher Festtag, dem am Freitag ein persönlicher folgen wird. Lee fiebert seinem 26. Geburtstag entgegen. Ob sich die Störche eine besondere Überraschung einfallen lassen werden? Vielleicht das koreanischche Gericht „Kimi“ (sauer eingelegter Chinakohl und andere Gemüse mit verschiedenen scharfen Soßen, Knoblauch, Fleisch und Fisch)auftischen? Spätestens dann würde Jae-Sung Lee wieder herzhaft lachen, dieser Sympathieträger auf und abseits des Platzes.

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