11. Januar 2018 / 08:03 Uhr

Hooligans sind in Sachsen politischer

Hooligans sind in Sachsen politischer

Thomas Fritz
Klare Botschaft: Schal mit der Aufschrift „Hooligans Dynamo“.
Klare Botschaft: Schal mit der Aufschrift „Hooligans Dynamo“. © Frank Dehlis
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Im Freistaat gibt es große Schnittmengen mit Neonazis

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Leipzig. Die Hooligan-Bewegung in Deutschland feiert ihren 40. Geburtstag – und doch ist erstaunlich wenig über eine der ältesten Jugendkulturen des Landes bekannt. Robert Claus, Experte für Rechtsextremismus und Fußballfans, will mit seinem Buch „Hooligans – Eine Welt zwischen Fußball, Politik und Gewalt“ Licht ins Dunkel bringen. Und darin arbeitet der 34-Jährige auch einige Erkenntnisse über die Szene im Freistaat heraus. „Die Hooligans in Sachsen sind im Vergleich zu anderen Regionen sehr politisch. Und zwar in der Mehrheit rechtsextrem“, sagt der Forscher. „Da existieren sehr große Schnittmengen zwischen Hools und Neonazis, wogegen Rechte an anderen Standorten manchmal nur eine Strömung innerhalb der Gruppen sind.“ Mit Chemie Leipzig gebe es allerdings auch einen Klub mit einer linken Schlägerszene.

Gruppen wie HooNaRa (kurz für Hooligans Nazis Rassisten) aus Chemnitz in den 2000er Jahren, Hooligans Elbflorenz sowie Faust des Ostens im Umfeld von Dynamo Dresden und Scenario Lok im Umfeld von Lok Leipzig waren prägend für die hiesige Entwicklung. Alle diese Gruppierungen sind offiziell nicht mehr aktiv. „Dahinter stehen zum Teil taktische Erwägungen, um einer Strafverfolgung zu entgehen, andere sind wirklich aufgelöst“, erklärt Claus. In den Fankurven seien ehemalige Mitglieder als Einzelpersonen immer noch anzutreffen, beim 1. FC Lok sorgen sie vor allem auf Auswärtsfahrten von Zeit zu Zeit für Probleme. Bei den Pegida- und Legida-Aufmärschen in Dresden bzw. Leipzig fungierten Hooligans z.T. als Ordnungsdienst und griffen Andersdenkende und Journalisten an. Auch beim Überfall auf Connewitz 2016 waren sie beteiligt.

Ursprung in Großbritannien der 70er Jahre

Die Hooligan-Bewegung schwappte in den 70er Jahren aus Großbritannien nach Westdeutschland und in den 80ern in die DDR über. Die Datei „Gewalttäter Sport“ der Polizei zählte Mitte 2017 10 646 Personen von Fußballvereinen der oberen drei Ligen zur Kategorie C (Gewalt suchend). Weil Klubs in niederen Ligen mit einem hohen Gewalttäter-Potenzial fehlen und die sogenannten „Ackermatches“ auf Wald- und Wiese nicht erfasst werden, geht der Experte von einer hohen Dunkelziffer aus. Rund 3,5 Prozent der Erfassten wurden 2015 als rechtsmotiviert eingestuft.

Weitere Erkenntnisse: Die erste Hooligan-Generation ist gealtert und teils den Weg in die Security- und Rockerszene gegangen. Hools kämpfen heute meistens auf Wald und Wiese und haben sich so für Kampfsportler und Türsteher geöffnet, andere wie das Imperium Fight Team aus Eilenburg haben ihre Gewalt in Freefight-Klubs professionalisiert. Und: Im Osten sind Überschneidungen zwischen Ultras, denen es mehr um die kreative Unterstützung ihres Klubs mit Fangesängen sowie Choreografien und nicht um Gewalt geht, und rechten Hooligans oft größer als andernorts.

Claus gelingt die Beschreibung der sehr ausdifferenzierten Szene unaufgeregt und ohne Zuspitzungen. Die Alarmstimmung, die teilweise in den Medien und bei Sicherheitsbehörden geschürt wird, liegt ihm fern. Trotz der aktuell professionellsten Generation von Hooligans, die es je gab, hat sich die Gewalt in den allermeisten Fällen auf Wald und Wiese verlagert. „So kann von der oft zitierten ,neuen Dimension der Gewalt’ im Fußball kaum eine Rede sein. Sie lässt sich in Zahlen kaum messen oder wissenschaftlich feststellen“, betont Claus. Der Experte stellt klar: Stadionbesuche seien heute weitaus sicherer als in den 80er- oder 90er Jahren. Denn auch die Sicherheitstechnologien und die Präventionsarbeit haben sich professionalisiert.

Robert Claus, „Hooligans – Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik“, 192 Seiten, 14,90 Euro, Verlag Die Werkstatt

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