Horst Hrubesch war Spieler und Trainer, jetzt ist er DFB-Sportdirektor. Horst Hrubesch war Spieler und Trainer, jetzt ist er DFB-Sportdirektor. © imago
Horst Hrubesch war Spieler und Trainer, jetzt ist er DFB-Sportdirektor.

Horst Hrubesch im Interview: „Kann Confed-Cup-Gemecker nicht nachvollziehen“

DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch kann das Gemecker über den Confed-Cup nicht verstehen. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt er, wie er mit Bundestrainer Joachim Löw den Turniersommer angegangen ist.

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Nach der Silbermedaille mit der deutschen Fußball-Olympiaauswahl bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro hatte sich Trainer- und Stürmerlegende Horst Hrubesch in die Rente verabschiedet. Doch der 66-Jährige, früher Coach aller DFB-Nachwuchsteams von der U18 bis zur U21, konnte nicht ohne Fußball, stieg Anfang dieses Jahres beim DFB als Sportdirektor ein, als Hansi Flick kündigte.

Hrubesch nimmt damit die Jugend-Schlüsselposition ein, koordiniert die Ausbildung der DFB-Nachwuchses. Nachvollziehbar: Hrubesch hat seit jeher einen guten Draht zu den Jungstars. Spieler wie Amin Younes von Ajax Amsterdam, der beim 7:0 gegen San Marino seine Torpremiere im Dress der deutschen A-Nationalmannschaft feierte, vertrauen auf die Ratschläge des früheren „Kopfballungeheuers“.

Zuletzt hatte Hrubesch besonders viel zu tun. Gemeinsam mit Joachim Löw und U21-Coach Stefan Kuntz stellte er die beiden Kader für den Confed-Cup und die U21-EM zusammen. Nach welchen Prämissen sie dabei vorgegangen sind, erzählt Hrubesch im SPORTBUZZER-Interview.

Herr Hrubesch, am 17. Juni startet der Confed-Cup 2017 in Russland. Sie als Ex-Nationalspieler und DFB-Sportdirektor können sich am besten in die Köpfe der Nominierten hineinversetzen. Freut man sich als Profi auf solch ein Turnier oder ist es eine Last?
Ich kann das Gemecker über den Confed-Cup nur bedingt nachvollziehen. Als Spieler wäre es mir doch egal, wie das Turnier heißt und welche Teams dort antreten. Wenn du in der deutschen Nationalmannschaft spielen darfst, dann musst du dich darauf freuen. Es gibt nichts Schöneres, als für Deutschland zu spielen. Und deshalb glaube ich, dass sich auch unsere Spieler auf den Confed-Cup freuen.

Bundestrainer Löw sagt, dass die Auswahl der Spieler in enger Abstimmung mit Ihnen und U21-Trainer Stefan Kuntz geschehen ist. Wie genau wurde entschieden, wer dabei ist?
Der Großteil des Kaders stand automatisch. Es ging nur noch um vier oder fünf Personalien. Viele der A-Kader-Profis sind so jung, dass sie auch noch bei der U21-Europameisterschaft in Polen, die zeitgleich stattfindet, mitspielen könnten. Unser Ziel war es, für beide Turniere schlagkräftige Mannschaften zusammenzustellen.

Wonach wurde entschieden, wer welches Turnier spielt?
Es gibt bei uns eine klare Regelung: Wir alle arbeiten in erster Linie für die A-Nationalmannschaft. Unser Ziel ist es, die Spieler dort oben hinzubekommen. Deshalb hat die Mannschaft von Joachim Löw Vorrang.

Horst Hrubesch und Jogi Löw haben die Kader für die A-Nationalmannschaft und die U21 in enger Abstimmung zusammengestellt. Horst Hrubesch und Jogi Löw haben die Kader für die A-Nationalmannschaft und die U21 in enger Abstimmung zusammengestellt. © imago

Sie sind erst seit Anfang des Jahres Sportdirektor des DFB. Gefällt Ihnen der Job besser als Ihre DFB-Trainerposten zuvor? Es ist anders. Ich sitze aktuell fast jeden Tag in Dienstbesprechungen und Lenkungskreisen. Ich versuche mir einen Überblick über die DFB-Talentförderung und die Trainerarbeit zu verschaffen – diese auch weiterzuentwickeln. Aber der Sportdirektorjob muss zukünftig auf mehrere Schultern verteilt werden. Es ist zu viel Arbeit für eine Person.

Wie würden Sie Ihren Job in aller Kürze beschreiben?
Ich bin Dienstleister. Wie so viele andere hier auch. Wir beim DFB sind die Einzigen, die von den Jungs, unseren Auswahlspielern, nichts verlangen. Wir nehmen ihnen nichts weg, sie müssen bei uns auch nichts bezahlen. Und sie kriegen trotzdem alles. Das ist das Schönste am Job. Ich will Träume erfüllen.

Sie wohnen in Neumünster (Schleswig-Holstein; Anm. d. Red.), der DFB sitzt in Frankfurt am Main. Wie sieht eine Arbeitswoche bei Ihnen aus?
Ich komme am Sonntagabend in der DFB-Zentrale in Frankfurt an und gehe am Freitagabend oder Samstagmorgen hier wieder raus. Meistens bleibe ich fünf Tage in Frankfurt. Dann geht es für ein paar Stunden nach Hause.

Ein Pendlerleben. Klingt stressig.
Ich bin seit über 40 Jahren im Fußballgeschäft. Früher war ich oft vier bis sechs Wochen am Stück nicht zu Hause. Um mich muss sich keiner Sorgen machen. Ich bin seit 45 Jahren verheiratet. Das bekomme ich zu Hause schon geregelt (lacht).

Leipzigs Timo Werner (21 Tore, Platz vier der Torjägerliste) ist aktuell der beste deutsche Bundesliga-Torschütze. Was ist das Besondere an diesem Nationalspieler?
Timo ist nicht der typische Stürmer, seine Position wurde in Leipzig aus der Not heraus geboren. Er besitzt diese extreme Geschwindigkeit und sehr viel Zug zum Tor. Er hat sogar mehr Zug zum Tor als Lewandowski. Das ist beeindruckend und macht ihn aus.

Mit Hoffenheims Sandro Wagner wurde auch ein Sturmneuling für den Confed-Cup nominiert. Warum?
Ich hätte mir Sandro schon früher in die Nationalmannschaft gewünscht. Ein ehrlicher Mensch, der mit seiner Größe von 1,94 Meter ein Stürmertyp ist, den es nicht so oft gibt. Er spielt vorne in der Zentrale, sichert wichtige Bälle und macht die Tore.

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