09. März 2018 / 06:00 Uhr

Paralympics-Star Schaffelhuber: „Ich kann mich nicht an ein Leben ohne Ski erinnern“

Paralympics-Star Schaffelhuber: „Ich kann mich nicht an ein Leben ohne Ski erinnern“

Manuel Becker
Will Gold im Monoski: Anna Schaffelhuber.
Will Gold im Monoski: Anna Schaffelhuber. © Imago
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Anna Schaffelhuber erzählt vor dem Paralympics-Start vom Leben auf der Piste und dem Ausgebremstwerden im Alltag.

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Die Aufregung wird größer, die Vorfreude steigt bei Anna Schaffelhuber. Heute (12 Uhr, ZDF) zieht sie mit dem deutschen Team hinter der Fahnenträgerin, der 46-jährigen Paralympics-Siegerin im Para-Langlauf Andrea Eskau, bei der Eröffnungsfeier der Winter-Paralympics ins Stadion in Pyeongchang ein. Am Sonnabend (1.30 Uhr, ZDF) geht es für die Monoskifahrerin in der Abfahrt um die erste Medaille in Südkorea. Bei den Spielen in Sotschi vor vier Jahren gewann die 25-jährige Regensburgerin fünfmal Gold, war der Star der Spiele. Wie es ihr danach ergangen ist, erzählt sie im Interview.

Anna Schaffelhuber, wie sind Ihre ersten Eindrücke in Südkorea?

Die Pisten sind in einem guten Zustand. Allerdings wurden die Abfahrtstrainings gestern und heute abgesagt: viel Schnee, dazu Nebelbänke. Aber es ist nicht so eisig kalt wie bei den Olympischen Spielen. Jetzt wird es langsam Frühling. Nur die Anfahrtswege sind für uns Alpinen sehr weit. Mein Wecker klingelt morgens um 4.45 Uhr.

Mit fünf Jahren ging es für Sie das erste Mal auf Ski den Hang hinunter. Können Sie sich überhaupt an ein Leben ohne Skifahren erinnern?

Es ist mir noch nie so aufgefallen, aber es gibt tatsächlich keine Erinnerungen an ein Leben ohne Ski. Es gab immer das Skifahren für mich.

Wie sind Sie denn zum Skifahren gekommen?

Als meine Brüder Ski fahren lernten, wollten wir zusammen auf die Piste. Mein Vater hatte in einer Zeitung von einem Monoskikurs gelesen und mich dort sofort angemeldet. Für mich bedeutete Skifahren von Anfang an Freiheit und Freude an der Geschwindigkeit.Sie sind fünffache Paralympics-Siegerin, neunfache Weltmeisterin, waren fünfmal Behindertensportlerin des Jahres und Weltsportlerin des Jahres.

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Sie sind doch das Vorbild schlechthin, oder?

Anfangs habe ich das nicht so gesehen, aber da bin ich reingewachsen. Ich werde häufig angesprochen, und es freut mich auch, wenn mich Kinder auf der Piste fragen, wie das mit dem Monoski funktioniert, mich Leute nach Selfies fragen, mir gratulieren, – und mein Sport damit wahrgenommen wird. Das ist auch eine Art von Wertschätzung.

Wenn du mit dem Rollstuhl vor dem Bäcker stehst, dann bremst das einen aus​

Wie funktioniert das denn mit dem Monoski?

Das ist wie Ski und Snowboard ein ganz eigenes Sportgerät. Wichtig ist die Balance auf einem Ski. Wenn man den Oberkörper nach außen lehnt, kommt man auf die Kanten des Skis. Es ist ein bisschen wie Fahrradfahren: Je langsamer man ist, desto wackeliger ist es. Je schneller man fährt, desto stabiler ist es.

Der Deutsche Behindertensportverband hat eine Kampagne gestartet mit dem Titel „We came back stronger“, („Wir sind stärker zurückgekommen“) die zeigt, wie man auch mithilfe des Sports aus ausweglosen Situationen kommt. Muss man als Paralympics-Sportler besonders tough sein?

Na klar. Aber nicht nur im Sport, sondern vor allem im Alltag. Beim Thema Barrierefreiheit liegt Deutschland noch immer eher im unteren Mittelfeld. Du kannst die olympischen Pisten hinunterfahren, aber wenn du mit dem Rollstuhl vor dem Bäcker stehst, vor dem Theater, oder vor dem Rathaus und da gibt es drei Stufen, dann bremst das einen aus. Da muss mehr getan werden! Auch im Breitensport fehlt es noch an Zugängen zu Kraft- und Fitnessräumen und Physios.

Nach Ihren Goldmedaillen in Sotschi haben Sie gesagt: „Ich warte noch darauf, aufzuwachen.“ Wie waren die vier Jahre des Erwachens?

Das war unglaublich, und es sind auch immer noch Momente, an die ich gerne zurückdenke. Das zu realisieren hat schon gedauert. Und der Trubel hielt lange an – bis zum nächsten Winter. Die Aufmerksamkeit steigt seitdem kontinuierlich. Aber trotzdem: Der Sport ist noch nicht da, wo er hin soll. Immerhin haben wir seit vergangenem Jahr auch die Möglichkeit, beim Bund oder Zoll angestellt zu sein, und erhalten dadurch eine ganz andere Förderung. Aber das war ein harter Kampf.

Was sind nun Ihre Ziele auf der Piste?

Ich will bei allen fünf Rennen vorn mitfahren. Aber ich brauche für meine absolute Zufriedenheit keine fünf Goldmedaillen. Die Geschichte mit Sotschi, die kann mir ja keiner mehr nehmen.

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