Rolf Elgeti (40) in seinem Potsdamer Büro. Der aus dem mecklenburgischen Broderstorf stammende Immobilien- und Finanzunternehmer hat Hansa Rostock vor der Pleite bewahrt. Rolf Elgeti (40) in seinem Potsdamer Büro. Der aus dem mecklenburgischen Broderstorf stammende Immobilien- und Finanzunternehmer hat Hansa Rostock vor der Pleite bewahrt. © Julian Stähle
Rolf Elgeti (40) in seinem Potsdamer Büro. Der aus dem mecklenburgischen Broderstorf stammende Immobilien- und Finanzunternehmer hat Hansa Rostock vor der Pleite bewahrt.

„Ich will das zu Ende bringen“

Hansa-Investor Rolf Elgeti sieht seine Mission beim Fußball-Drittligisten erst erfüllt, wenn der Klub wieder in der 1. Liga spielt. Ein Besuch in Potsdam.

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Potsdam. Hansas Retter residiert unspektakulär. Zumindest beruflich. Das Büro von Rolf Elgeti (40) im noblen Potsdamer Stadtteil Babelsberg verrät nichts über seinen Erfolg. In der kleinen Kommandozentrale des millionenschweren Immobilien- und Finanzunternehmers müssen sich Schreibtisch und Stühle den knappen Platz mit einer wuchtigen Holzbank, einem Tischkicker (Hansa Rostock vs. Bayern München) und Elgetis Fahrrad teilen. Auf einem Sideboard stehen Familienfotos, die Wand ziert ein Bild vom rappelvollen Ostseestadion. Elgeti – offenes Hemd, Jeans, Wildlederschuhe – bietet Kaffee an und kommt schnell zur Sache.

Ist Hansa ein gutes Investment?
Rolf Elgeti: Es ist kein Investment und war auch nicht als solches gedacht. Ich bereue es jedenfalls nicht und bin froh, dass ich es gemacht habe und dass es Hansa überhaupt noch gibt. Darum ging es ja eigentlich.

Beschäftigen Sie sich jeden Tag mit dem Klub?
Elgeti: Ja, ich lese die Berichte, schaue mir an, was sich in der 3. Liga und in den Ligen darunter und darüber tut. Ich verfolge, was sich rechtlich oder marketingmäßig verändert und auch die 2. und 3. Ligen im Ausland. Gedanklich ist es schon viel Zeit, die da reingeht. Aber ich rede nicht jeden Tag mit dem Vorstand, das ist eher die Ausnahme.

Die Rückkehr in die 2. Liga scheint in dieser Saison trotz einiger Rückschläge nicht unmöglich. Wäre es nicht geboten, jetzt noch mal in die Mannschaft zu investieren?
Elgeti: Der wirtschaftliche Anreiz, in die 2.Liga zu kommen, ist gewaltig. Kaufmännisch wäre es daher im höchsten Maße sinnvoll, den oder die Spieler, die den Unterschied machen, zu holen und zu finanzieren. Aber diese Spieler muss man erst mal finden.

Wenn Hansa auf Sie zukommen würde, würden Sie Geld zur Verfügung stellen oder wäre Ihnen das Risiko zu groß, dass es am Ende nicht klappt?
Elgeti: Ich mag Risiko. Wenn man für das Eingehen von Risiken gut bezahlt wird, dann ist Risiko eine gute Sache. Ob wir am Ende der Saison Achter oder Zwölfter werden, istdoch völlig bedeutungslos. Erst bei Platz vier fängt es an, eine Bedeutung zu haben, bei Platz drei erst recht und bei Platz zwei sowieso.
Wenn zwei, drei zusätzliche Spieler eine vernünftige Wahrscheinlichkeit gewährleisten, den Unterschied nach oben zu machen, dann ist das kaufmännisch sinnvoll. Dafür stehe ich zur Verfügung, und das weiß der Verein auch.

Forcieren Sie das?
Elgeti: Nein, ich will nicht von mir aus pushen. In dem Moment, wo man das tut, verleitet man den Verein auch zu Fehlentscheidungen. Die Initiative für so etwas muss immer vom Verein kommen.

Ist Hansa diesbezüglich denn schon auf Sie zugekommen?
Elgeti: Konkret nicht. Aber wir haben solche Gespräche geführt und allen ist klar, dass das sinnvoll ist. Das Ganze hängt auch nicht vonGeldbeträgen ab: Wenn es einen Spieler gibt, bei dem plausibel gemacht werden kann, dass er uns hilft, dann können wirden holen. Und wenn es drei davon gibt, holen wir eben drei. Bisher hat aber das Telefon noch nicht geklingelt und niemand hatgesagt: ,Den Spieler X müssenwir jetzt unbedingt haben!’ Fakt ist: Wenn es eine gute Idee gibt, darf sie nicht am Kapital scheitern.

Sie mussten finanziell schon mehrfach Löcher stopfen – ist Hansa ein Fass ohne Boden?
Elgeti: Es war klar, dass man den Verein nicht in einer Saison sanieren kann. Das Defizit betrug ja fast das halbe Budget – das hatte eine Größenordnung, die jedes Wirtschaftsunternehmen schon längst zerrissen hätte.

Wie sehr ärgert Sie vor dem Hintergrund der großen finanziellen Probleme die Bestrafung durch den DFB, der dem Verein wegen wiederholter Fan-Ausschreitungen ein „Geisterspiel“ aufgebrummt hat?
Elgeti: Ich stürze mich deswegen nicht ins Schwert oder schlafe nachts nicht. Aber natürlich ist es ärgerlich, zumal die 300000 Euro Schaden, von denen der Verein spricht, ja nur die direkten Kosten sind. Ich finde den Imageschaden viel schwerwiegender: Welche Sponsoren kommen deswegen nicht oder welche Spieler bleiben deshalb fern? Auch diese Fragen darf man nicht vernachlässigen. Aber die Fanproblematik ist nicht in unserer Kontrolle. Wenn es eine Lösung für dieses Thema gäbe, dann wüssten wir das.

Wie steht es um Ihre Ideen, das Stadion-Umfeld zu entwickeln?
Elgeti: Konkrete Ideen habe ich derzeit nicht – ich hätte sie gerne! Ich bin der Meinung, dass das Stadiongelände irgendwo, irgendwie zugunsten des Vereins weiterentwickelt werden sollte. Es ist fast egal, was entsteht – Hauptsache, es stellt einen wirtschaftlichen Wert für Hansa dar und hilft, den Verein zu entschulden.

So wie die Vermietung der Geschäftsstelle?
Elgeti: Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung, vielleicht gibt es noch weitere. Wenn man an die größeren Themen ranmöchte, muss der Verein erst mal anders dastehen – vom Image her, vom Verhältnis zur Öffentlichkeit, zur Stadt, möglicherweise auch zum Land. Die müssen ja am Ende alle mitreden, wenn es um mehr als kosmetische Dinge geht. Die großen Themen sollte man sich aufheben, bis die Grundstimmung positiver ist.

Wie kann Hansa das erreichen?
Elgeti: Es ist erforderlich, dass der Verein ein bisschen mehr in die Gesellschaft zurückgeholt wird, bevor man das in größerem Stil angehen kann. Auch wenn alle an einem Strang ziehen, dauert das im besten Fall Jahre.

Sind Sie regelmäßig im Ostseestadion?
Elgeti: Vergangene Saison habe ich drei Spiele nicht gesehen, aktuell ist meine Quote nicht ganz so gut. Auswärts war ich bisher überhaupt noch nicht dabei, aber nach Frankfurt und Zwickau will ich es schaffen.

Gibt es ein Szenario, das Sie bei Hansa wieder aussteigen ließe?
Elgeti: Ich habe keinen Plan B. Für mich ist das Engagement sehr langfristig. Ich will das zu Ende bringen.

Wann wäre das der Fall?
Elgeti: Wenn der Verein wieder in der 1.Bundesliga spielt.

Sie fahren mit dem Fahrrad ins Büro und wieder nach Hause. Was machen Sie noch, um abzuschalten?
Elgeti: Das sind nur zwei Kilometer, ist also sehr überschaubar. Ich gehe laufen, mache im Winter Skilanglauf, gehe schwimmen – also alles, was man als Grobmotoriker alleine und ohne Mannschaft so machen kann.

Interview von Christian Lüsch und Sönke Fröbe

F.C. Hansa Rostock F.C. Hansa Rostock (Herren) Region/Mecklenburg Vorpommern Hansa-Investor 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren)

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