11. Juli 2018 / 08:49 Uhr

England-Fan Tom Bailey: „Das Team spielt Fußball mit Herz“

England-Fan Tom Bailey: „Das Team spielt Fußball mit Herz“

Matthias Klöppel
Der Engländer Tom Bailey wohnt in Leipzig und ist Fan der englischen Fußball-Nationalmannschaft .
Der Engländer Tom Bailey wohnt in Leipzig und ist Fan der englischen Fußball-Nationalmannschaft . © Mattjias Klöppel
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Seit 28 Jahren steht England wieder in einem WM-Halbfinale. Der Engländer Tom Bailey ist begeistert von seiner Elf. An einen Sieg der „Three Lions“ gegen Kroatien glaubt er trotzdem nicht.

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Leipzig. Erstmals seit 28 Jahren steht England im Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Ein Erfolg, den nur die wenigsten den Kickern von der Insel zugetraut haben. Auch Tom Bailey ist überrascht von der starken Leistung – deshalb aber nicht weniger begeistert. „Das Team ist fantastisch“, sagt der gebürtige Brite, der in Bolton bei Manchester geboren wurde und seit zehneinhalb Jahren in Leipzig lebt. „Die Spieler haben keine Angst, respektieren ihren Gegner, treten selbstbewusst auf.“ Trotzdem mag der 45-Jährige nicht an den ganz großen Coup glauben. Weil er ein Pessimist ist, was die Nationalelf betrifft. Und weil er fatale Folgen für sein Geburtsland befürchtet.

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Das 2:0 gegen Schweden war verdient, findet Bailey. England sei stabil und gut organisiert aufgetreten, habe schnell nach vorne gespielt und erneut Stärke bei eigenen Standards bewiesen. Über die Leidenschaft, mit der das Team von Trainer Gareth Southgate Fußball spiele, freut sich der zweifache Familienvater am meisten: „Man merkt den Jungs an, dass sie stolz sind, das Nationaldress zu tragen. Dass es für sie nichts Größeres gibt.“ Genau das habe er bei der älteren Generation um David Beckham, Steven Gerrard und Sol Campbell immer vermisst.

Stattdessen habe England bei den vergangenen WM-Turnieren nie sein Potenzial abgerufen. Viertelfinal-Aus 2002 und 2006, Achtelfinal-Aus 1998 und 2010, in Brasilien war sogar in der Vorrunde Schluss, erinnert sich Bailey wie aus dem Effeff. Das sei hart für ihn gewesen – vor allem auch weil die deutsche Mannschaft in dieser Zeit so erfolgreich war.

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Die vielen Enttäuschungen haben den Wahlleipziger vor voreiliger Schwärmerei bewahrt. Freude kommt bei ihm erst nach dem Abpfiff auf, wenn ein Spiel tatsächlich gewonnen wurde. Währenddessen herrscht Nervosität. So wendete sich Bailey auch vom Fernseher ab und verließ den Raum, als Jordan Henderson seinen Elfmeter gegen Kolumbien verschoss. Sofort dachte er an 1996, an den Fehlschuss von Gareth Southgate gegen Deutschland und daran, dass sich Geschichte wiederholt. Umso größer war seine Freude, als es am Ende doch noch geklappt hat. „So richtig realisiert habe ich das aber erst eine Stunde danach“, gesteht der Lehrer und Theaterpädagoge, der sich sofort bei seiner ersten Reise nach Leipzig in die Stadt verliebt hatte. 2008 entschloss er sich, dauerhaft an der Pleiße zu wohnen.

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Über das Geschehen auf der Insel informiert sich Bailey regelmäßig über die Medien. Was würde der WM-Titel für das Mutterland des Fußballs bedeuten? Er glaubt, der Titel könnte EU-Skeptiker und EU-Freunde wieder einander näherbringen, könnte zu einer Versöhnung der durch den Brexit tief gespaltenen Gesellschaft beitragen. Auf der anderen Seite, meint er, könnte ein Final-Sieg den wachsenden Nationalismus weiter befeuern. „Das ist meine größte Befürchtung.“

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Vertraut Bailey auf seine eigene Prognose, wird es soweit aber gar nicht erst kommen. Denn die „Three Lions“ treffen heute im Halbfinale auf Kroatien (20 Uhr MESZ, ZDF) – und da ist im Elfmeterschießen Schluss, ist er überzeugt. Die Partie will sich der Brite beim Public Viewing im Westbahnhof Plagwitz anschauen. Da sei ordentlich Stimmung. „Doch selbst wenn England rausfliegt, bin ich glücklich, endlich wieder ein Team zu haben, das Fußball mit Herz spielt.“

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