Johnnys Vater Martin Heimes erinnert sich im Gespräch mit dem SPORTBUZZER an seinen Sohn.  Johnnys Vater Martin Heimes erinnert sich im Gespräch mit dem SPORTBUZZER an seinen Sohn.  ©
Johnnys Vater Martin Heimes erinnert sich im Gespräch mit dem SPORTBUZZER an seinen Sohn. 

In Gedenken an "Johnny"! Sein Vater erinnert sich zurück: „Ich wusste nicht, ob er noch lebt, wenn ich nach Hause komme“

Vor einem Jahr starb mit Jonathan Heimes der wohl bekannteste Fan Deutschlands. Er verhalf Darmstadt 98 zum Bundesliga-Aufstieg. Der SPORTBUZZER sprach mit seinem Vater über den Abschied von „Johnny“.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Zum ersten Todestag von Jonathan Heimes bestreitet Darmstadt 98 am Samstag das Spiel gegen Mainz 05 in einem Sondertrikot. Denn „Johnny“ war nicht irgendein Fan. Er war der größte Fan. Bundesweit bekannt geworden war er als Symbolfigur für den wundersamen Aufstieg von Darmstadt 98. „Ohne Johnny würden wir heute wohl nicht über die Bundesliga sprechen“, sagte der Aufstiegs-Trainer Dirk Schuster. Der SPORTBUZZER hat mit "Johnnys" Vater Martin Heimes gesprochen.

Herr Heimes, glauben Sie an Gott?
Das ist sehr schwierig für mich zu beantworten. Unsere Familie ist katholisch. Ich weiß aber nicht, ob ich wirklich an einen Gott glaube.

Ihr Sohn Jonathan ist vor einem Jahr im Alter von 26 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Ist sein Tod der Grund dafür, dass Sie nicht wissen, was Sie glauben?
Nein, es gibt auf der Welt so viel Ungerechtigkeit. Ich habe mir früher schon oft die Frage gestellt: Warum lässt er so viel Leid zu, aber ich glaube, dass jeder Mensch auch nach seinem Tod in irgendeiner Art weiterlebt.

„Johnny“, so sein Spitzname, war einer der bekanntesten Fußballfans Deutschlands. Mit seiner Initiative „DUMUSSTKÄMPFEN!“, die mit dem Verkauf von Motivationsbändern krebskranke Kinder unterstützte, verhalf er Darmstadt 98 zum Bundesliga-Aufstieg. Seine Geschichte motivierte die Profis des Vereins!
Seine Lebensgeschichte war wohl Inspiration für viele Menschen. Schon mit 14 Jahren wurde bei Jonathan ein Gehirntumor diagnostiziert. Noch zwei Jahre davor wurde Jonathan Hessenmeister im Tennis. Die Diagnose war damals ein Schock für uns.

Jonathan starb vor einem Jahr in der Nacht vom 8. auf den 9. März. Waren Sie bei ihm?
Ich war die letzten vier Monate Tag und Nacht bei Jonathan. Er musste nicht ins Krankenhaus, konnte mit Unterstützung des Kinderpalliativ-Teams Südhessen bei uns Zuhause im Bett liegen. Er ist immer schlapper geworden, hat am Ende kaum noch etwas gegessen und getrunken. Doch er hatte keine Schmerzen. Die letzte Woche hat er fast nur noch geschlafen, und nicht mehr gesprochen.

Das muss schrecklich für Sie als Vater gewesen sein.
Wenn ich morgens zum Bäcker gegangen bin ein paar Brötchen holen, wusste ich nicht, ob Jonathan noch lebt, wenn ich wieder nach Hause komme. Das war ein schlimmes Gefühl. Wir als Familie waren bis zum Schluss bei Jonathan.

Was fühlten Sie in der Sekunde, als Jonathan starb?
Wir waren bei ihm am Bett. Er ist ganz friedlich eingeschlafen. So traurig es auch ist. Es war schön, dass er so lange Zuhause war, keine Schmerzen hatte – und es vielleicht auch gar nicht mehr so richtig mitbekommen hat, wie es um ihn steht.

Der Aufstieg in die Bundesliga 2015: Am Tag nach dem letzten Spiel, feierte Johnny mit den Profis des SV Darmstadt 98 auf der Bühne am Darmstädter Karolinenplatz. Der Aufstieg in die Bundesliga 2015: Am Tag nach dem letzten Spiel, feierte Johnny mit den Profis des SV Darmstadt 98 auf der Bühne am Darmstädter Karolinenplatz. ©

Konnten Sie sich von ihrem Sohn verabschieden?
In den letzten Wochen hat er nicht mehr richtig sprechen können. Er hat manchmal die Augen aufgemacht oder den Daumen gehoben, wenn seine Freunde vorbeikamen. Vieles ging für ihn nicht mehr, doch er hat immer positive Zeichen gegeben – und wenn er einen nur freundlich anschaute.

Im Spiel gegen Augsburg, der ersten Partie nach Jonathans Tod, feierten ihn die Fans mit Bannern und Gesängen im Stadion. Sie waren selbst im Stadion. Wie war das für Sie?
Wir waren als Familie auf der Tribüne. Ich war berührt und total beeindruckt zugleich. Die Choreographie mit Jonathans Gesicht auf dem Banner, die Schweigeminute, die Menschen, die während des Spiels zu uns kamen, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Ich war überwältigt.

Wie wurden Sie überhaupt auf die schlimme Krankheit Ihres Sohnes aufmerksam?
Ungefähr ein bis zwei Monate vor der Diagnose erzählte Jonathan meiner Frau und mir, dass er manchmal Schmerzen im Nacken hat, ihm schwindelig ist. Doch wir dachten uns nicht, dass das etwas so Schlimmes war. Wenn man fünf- oder sechsmal die Woche Tennis und Fußball spielt, kann der Nacken schon mal wehtun. Dann konnte Jonathan auf einmal schlecht gucken. Wir gingen mit ihm zum Augenarzt. Doch der fand nichts.

Wie ging es weiter?
Als sich sein körperlicher Zustand weiter verschlimmerte, und wir einen Termin beim Neurologen erst in sechs Wochen hatten, bin ich mit Jonathan direkt zur Notaufnahme ins Krankenhaus gefahren. Es war spät am Abend. Ein CT von seinem Kopf wurde gemacht. Ich war die ganze Zeit dabei.

2016: Nach seinem Tod gedachten Johnny die Fans des SV Darmstadt 98 vor der Partie gegen den FC Augsburg. 2016: Nach seinem Tod gedachten Johnny die Fans des SV Darmstadt 98 vor der Partie gegen den FC Augsburg. © imago

Wie übermittelte Ihnen der Arzt die Diagnose Gehirntumor?
Der Arzt kam erst zu mir. Wir sprachen alleine. Er sagte mir, dass da etwas in Jonathans Kopf ist. Ein Tumor. Relativ groß. Und deshalb müsste er sofort operiert werden. Das war ein gewaltiger Schock für unsere Familie.

Von da an musste Ihr Sohn mit regelmäßiger Chemotherapie und Bestrahlung leben.
Es dauerte eineinhalb Jahre bis er wieder richtig laufen und sprechen konnte, bis er wieder ein halbwegs normales Leben führen konnte. Doch das klappte. Die Therapie wirkte. Jonathan ging wieder zur Schule, hat sein Fachabitur gemacht, sein freiwilliges Soziales Jahr geleistet.

Doch dann, Jonathan war gerade 20, wurden Metastasen in seinem Rücken entdeckt.
Er musste an der Wirbelsäule operiert werden. Seit der großen Operation 2010 saß er im Rollstuhl. Jonathan konnte keinen Sport mehr machen.

„Du musst kämpfen“, so lautete Jonathans Lebensmotto. Gab es Augenblicke, in denen er nicht mehr kämpfen wollte?
Wenn wieder eine Diagnose kam, dass neue Metastasen in seinem Körper gefunden wurden, war er zunächst niedergeschlagen. Jonathan hat auch manchmal geweint. Doch bis kurz vor seinem Tod hat er immer wieder zu uns gesagt: „Kommt, weiter! Wir müssen es probieren.“ Und genau wegen dieser tollten Art war er wohl für viele Menschen ein Vorbild.

Wann wurde Ihnen klar, dass Jonathan nicht mehr lange leben wird?
Acht Monate vor seinem Tod wurde das vierte oder fünfte Mal diagnostiziert, dass in Jonathans Körper wieder Metastasen wuchsen. Die Ärzte sagten uns, dass alle Medikamente und Bestrahlungen ausprobiert wurden. Es gab kein Medikament mehr, das Heilung versprach. Ich glaube, bei diesem Gespräch wurde ihm und mir klar, dass Jonathan wohl nicht mehr Jahre lang leben wird.

Fussball Bundesliga SV Darmstadt 98 (Herren) SV Darmstadt 98-1. FSV Mainz 05 (11/03/2017 15:30) 1. FSV Mainz 05 (Herren)

KOMMENTIEREN

Die besten Bundesliga Quoten werden bereitgestellt von Smartbets.

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige