USER-BEITRAG Fans der SG Sachsen Leipzig. (Archivfoto) © Christian Nitsche

Insolvenz der SG Sachsen: Stadtwerke stellen Strom ab – Ex-Chef bestreitet Vorwürfe

Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes wurde am Vormittag über den Gang zum Insolvenzgericht informiert.

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Leipzig. Die SG Sachsen Leipzig hat am Montag ihre Zahlungsunfähigkeit angezeigt. Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes wurde am Vormittag über den Gang zum Insolvenzgericht informiert. Der Vorstand des Landesligisten selbst war für Stellungnahmen nicht zu erreichen. Dafür sprach Ex-Manager Jamal Engel: Der 43-Jährige zeigte sich erstaunt, dass fehlende Belege Grund für die Insolvenz sein sollen. Er vermutet eher abgesprungene Sponsoren als Auslöser. Als erste Konsequenz der SG-Insolvenz ließen die Stadtwerke den Strom im Alfred-Kunze-Sportpark abstellen. Das traf prompt auch Stadionnachbar BSG Chemie Leipzig bei seinen Sanierungsarbeiten im Stadion.

Seit Sonntagnachmittag geistert die Zahlungsunfähigkeit der SG Sachsen durch die Leutzscher Anhängerschaft. Auf der Vereinshomepage kündigte der Vorstand den Gang zum Amtsgericht an, weil unter anderem vom kürzlich zurückgetretenen Vorstand noch Unterlagen fehlen sollen. Dem widersprach am Montag Ex-Geschäftsführer Jamal Engel vehement: „Die Unterlagen über unsere Finanz- und Lohnbuchhaltung liegen alle ausgelagert beim Steuerberater. Ansonsten haben wir alles übergeben. Es gab Gespräche in der Geschäftsstelle, die auch protokolliert wurden“, so der 43-Jährige. Zudem habe Neu-Vorstand Fred Krabbes schließlich „auch erst im Februar im Rahmen einer Kassenprüfung des Aufsichtsrates alle Belege gesehen und sich danach vor die Mannschaft gestellt und gesagt, dass alles ok ist“.

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Engel räumte zumindest ein, dass die SG Sachsen schon bei seinem Abgang in schwerer finanzieller Not war. Laut seinen Angaben betrug das Finanzloch Mitte April etwa 40.000 Euro. „Wir hatten sicherlich eine enge Phase, mussten kurzfristig Geld akquirieren. Zum Teil ist das gelungen. Aber ich habe auch gesagt, dass es noch eine zweite Phase der Finanzsanierung geben muss. Offenbar haben dabei aber gewisse Dinge nicht geklappt“, so Engel. Er vermutet, dass es dem Neu-Vorstand nicht gelungen sei, Ratenzahlungen für ausstehende Forderungen zu verhandeln. „Ich hörte aber auch, dass inzwischen noch zwei weitere Sponsoren abgesprungen sein sollen“, so der 43-Jährige weiter.

Sportamt: Keine Auswirkungen auf Pacht – Spielbetrieb nicht gefährdet

Für Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes kam die Sachsen-Insolvenz überraschend. Sie habe erst am Sonntag durch Medienberichte davon erfahren. Dass der Verein in finanziellen Schwierigkeiten steckte, sei ihr zwar bereits bekannt gewesen. Nach dem Vorstandswechsel habe sie zuletzt auch „Bauchgrummeln“ verspürt, von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit war aber noch keine Rede, so Kirmes gegenüber LVZ-Online

Die Sportamtsleiterin hofft auf eine Rettung des Vereins. „Der Vorstand ist bestrebt, zusammen mit dem Insolvenzverwalter ein ordentliches Verfahren zu organisieren“, so Kirmes. Auf das Pachtverhältnis für den Alfred-Kunze-Sportpark habe die aktuelle Situation noch keine Auswirkungen. Derzeit sei der Spielbetrieb nicht gefährdet. Dies gelte auch für die Unternutzung des Stadions durch die BSG Chemie, so Kirmes Montagmittag weiter.

Diese positive Einschätzung durchkreuzten wenige Minuten nach dem Gespräch allerdings bereits die Leipziger Stadtwerke (SWL). Das Unternehmen ließ den Strom im Kunze-Sportpark abstellen. Neben dem Trainingsbetrieb wurden dadurch auch die Sanierungsarbeiten der BSG Chemie Leipzig beeinträchtigt. „Dass unsere Spieler nach dem Training mal kalt duschen, ist ok. Aber wir bekommen gerade auch neuen Beton für den Familienblock“, so Chemie-Geschäftsführer Henry Aulich am frühen Nachmittag. Um ohne SWL-Energie weiterarbeiten zu können, musste Chemie ein Notstromaggregat besorgen.

Chemie Leipzig bietet Hilfe an – gemeinsamer Nachwuchs war in Planung

Mit Blick auf anstehende Spieltage und die Feierlichkeiten zum 50. Meisterschaftsjubiläum am kommenden Samstag im Stadion ist ein Stromengpass aber mehr als ungünstig. „Wir bemühen uns bei den Stadtwerken um eine kurzfristige Lösung“, so Stadioneignerin Kirmes, nachdem sie von der Abschaltung erfahren hatte. Weitere finanzielle Unterstützung für die SG Sachsen schloss die Sportamtsleiterin jedoch aus: „Wir bieten Sicherheiten für einen klar definierten Zeitraum. Diese Leistung wird auch nicht rückwirkend sein“

Sicherheit wird der SG Sachsen derweil auch von der BSG Chemie angeboten. „Keiner im Vorstand der BSG freut sich über die Insolvenz der SG Sachsen. Es ist schließlich auch ein Leutzscher Verein, der hier betroffen ist. Zumal wir mit der SG Sachsen zuletzt Gespräche  über eine gemeinsame Nachwuchsabteilung geführt haben. Es gab schon einen unterschriftsreifen Vertrag“, sagte Chemie-Sprecher Dirk Skoruppa. Im Status der Insolvenz sei es aber fraglich, ob die SG-Verantwortlichen die Vereinbarung überhaupt noch unterzeichnen können. „Das ist praktisch aber egal, wir stehen auch so zu unserem Angebot. Wir wollen auch auf jeden Fall verhindern, dass der Nachwuchs der SG Sachsen vom Aus bedroht wird. Wir sind bereit, um zu helfen und die Mannschaften im Zweifel aufzunehmen“, so Skoruppa am Montag.

BSG Chemie Leipzig Landesliga Sachsen WEKU Sachsenliga (Herren) Region/Leipzig ugccontent

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