09. Februar 2018 / 06:00 Uhr

Interview: Felix Loch über die Winterspiele, seine Familie und das Tüfteln am Schlitten

Interview: Felix Loch über die Winterspiele, seine Familie und das Tüfteln am Schlitten

Stefan Döring
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Felix Loch ist eine der größten deutschen Gold-Hoffnungen bei den Spielen in Südkorea.
Felix Loch ist eine der größten deutschen Gold-Hoffnungen bei den Spielen in Südkorea. © getty/Grombkowski
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Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang geht Felix Loch als Favorit in die Wettbewerbe im Rennrodeln. Im exklusiven Interview sprach der 28-Jährige über Olympia, seine Familie und die Herausforderungen als Athlet.

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Mit insgesamt drei Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi ist Rennrodler Felix Loch einer der erfolgreichsten Athleten Deutschlands. Auch bei den kommenden Spielen in Pyeongchang geht der 28-Jährige als Favorit in die Wettbewerbe.

Felix Loch, sind Sie der perfekte Rennrodler?

Nein, das möchte ich nicht sagen. Dafür müsste ich schneller starten (lacht). Das ist wirklich mein Manko, weil dort das eine oder andere Hundertstel fehlt. In der Bahn bin ich in der Regel aber normalerweise schon recht fehlerfrei unterwegs. Und das ist das Wichtigste beim Rennrodeln. Wenn ich schnell sein will, darf ich keine Fehler machen.

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In der Vorsaison hat das allerdings nur bedingt geklappt. Woran lag das?

In dem Jahr ist mit der Weltmeisterschaft am Königssee, unserer Hochzeit und der Geburt von unserem Sohn Lorenz einiges passiert. Die Vorbereitung war nicht ganz so gut und deshalb war die Saison auch nicht so gut, wie ich mir das auch selbst erhofft hätte. Ich habe ungewohnt viele Fehler beim Fahren gemacht. Wir haben aber schon gegen Ende der vergangenen Saison ein paar Sachen ausprobiert und ich hatte im Sommer wieder eine gute Vorbereitung.

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Sie sind mehrfacher Weltmeister, mehrfacher Olympiasieger. Was motiviert Sie, auch nach einer schwächeren Saison noch weiterzumachen?

Mir macht das Rennrodeln einfach zu viel Spaß. Ich würde es vermissen, an mir, dem Material und der Bahn zu arbeiten. Ich werde auch sicherlich nicht nach der Saison aufhören. Das ist mein Leben, ich mache das seit klein auf. Ich werde aber mit Sicherheit nicht mehr mitfahren, wenn ich nur noch um Platz zehn fahre. Wenn es nicht mehr passt, ist es vorbei. Aber ein Motivationsproblem hatte ich noch nie.

Es lockt immerhin der historische dritte Sieg bei Winterspielen in Serie. Damit würden Sie die deutsche Rodellegende Georg Hackl, Ihren Trainer, in den Hintergrund stellen.

Das ist bei uns wirklich kein Thema (lacht). Damals hatte Schorsch seine Zeit und Fußstapfen hinterlassen. Jetzt versuche ich das. Natürlich machen wir darüber schon mal Witze, aber wir vergleichen uns nicht. Der Schorsch freut sich heute immer noch über jede Medaille, weil er seine Erfahrung an uns weitergeben kann.

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Natalie Geisenberger nannte Sie in einem Interview gegenüber dieser Zeitung einen Tüftler. Was bedeutet das?

Ich höre nie auf, am Schlitten zu arbeiten – darf ich aber auch nicht. Wir müssen immer wieder neue Dinge ausprobieren, neue Sachen an den Start bringen. Stillstand ist Rückstand. Die anderen Nationen arbeiten genauso an ihrem Material.

Woran haben Sie genau gearbeitet?

An den Schienen, das Stück Stahl, auf dem wir uns die Bahn herunterstürzen. An jedem Wochenende müssen wir gucken, welche Schiene am besten zum Wetter und zur Bahn passt. Darin liegen hinterher die Vor- und Nachteile bei der Zeit.

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Sie haben geheiratet und sind Vater geworden. Wie sehr hat das Ihren Blick auf den Sport verändert?

Ich mache mir keine Gedanken über das Risiko, weil ich ansonsten nicht schnell rodeln könnte. Bei uns ist so viel Erfahrung dabei, dass wir wissen, was wir auf dem Schlitten machen. Ich muss auf jeder Bahn 100 Prozent konzentriert sein. Da darf ich keine Angst haben.

Deutschland war die Rodelnation schlechthin. Seit ein paar Jahren haben andere Nationen den Anschluss geschafft, was auch daran liegt, dass Trainer ins Ausland abgewandert sind. Macht es das für Sie als Sportler einfacher, weil der Sieg nicht mehr vorausgesetzt wird?

Es wird immer noch so gesehen, dass wir Deutschen unbedingt gewinnen müssen. Das wird sich auch nicht ändern. Damit habe ich mich arrangiert und für mich ist das kein Problem. Damit sind wir aufgewachsen. Es ist doch schon für viele eine Enttäuschung, wenn ich „nur“ Zweiter werde. Darüber rege ich mich aber auch nicht auf.

Wen sehen Sie bei den Spielen als Ihre größten Konkurrenten?

Das ist zum einen Wolfgang Lindl aus Österreich. Mit dem müssen wir auf jeden Fall rechnen. Auch die Russen sind extrem stark. Selbst die Amerikaner dürfen wir nicht außer Acht lassen.

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Ihr Vater ist Bundestrainer. Ist er strenger zu Ihnen als zu anderen Athleten?

Das ist er, ja. Das muss er aber auch, weil es ansonsten heißen würde, er würde mich bevorteilen. Wir haben das aber ganz gut im Griff. Er ist für mein Training aber kaum zuständig. Er ist als Bundestrainer eher der Organisator für die gesamte Mannschaft, der Flüge, Hotels und Ähnliches bucht. Im Winter muss er dann seinen Kopf hinhalten, wenn es nicht so läuft. Natürlich haben wir auch schon einmal Meinungsverschiedenheiten. Das gehört aber dazu und Reibung ist ja meistens förderlich.

Haben Sie nach Ihren Titeln eigentlich ausgesorgt?

Ausgesorgt habe ich nicht. Das wird auch nicht passieren, wenn ich noch fünf Olympiatitel gewinne. Das funktioniert in unserer Sportart einfach nicht. Mir ist bewusst, dass ich nach meinem Karriereende nicht die Füße hochlegen kann. Dafür wäre ich aber auch der falsche Typ. Ich muss mir aber über so was keine Gedanken machen, weil ich bei der Bundespolizei angestellt bin und dort als Sportler auch mein Gehalt beziehe. Dort kann ich nach Karriereende ohne Probleme in den Dienst einsteigen.

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