10. April 2017 / 18:27 Uhr

Interview mit MLS-Profi Jungwirth: "Schweini und ich hätten es auch einfacher haben können!"

Interview mit MLS-Profi Jungwirth: "Schweini und ich hätten es auch einfacher haben können!"

Robert Hiersemann
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San-José-Profi Florian Jungwirth (l.) im Zweikampf mit Weltstar David Villa, der inzwischen für New York City FC in der MLS spielt.
San-José-Profi Florian Jungwirth (l.) im Zweikampf mit Weltstar David Villa, der inzwischen für New York City FC in der MLS spielt. © dpa
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Florian Jungwirth spielte noch in der Hinrunde für Darmstadt 98 in der Bundesliga. Im Sportbuzzer-Interview erklärt der 28-Jährige seinen Wechsel zu den San José Earthquakes in die MLS und spricht darüber, wie es ist, in die USA zu gehen und nicht Schweintsteiger, Beckenbauer oder Matthäus zu heißen.

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Herr Jungwirth, Sie haben mit 28 Jahren einen laufenden Bundesligavertrag gegen einen MLS-Kontrakt eingetauscht. Warum?

In Amerika zu spielen und zu leben war schon immer mein Traum. Als dann die Möglichkeit kam, nach Kalifornien zu gehen, war für mich klar, dass ich das unbedingt machen will. Natürlich kann ich es nicht jedem recht machen, aber da es mein Leben ist, bin ich auch nicht jedem Rechenschaft schuldig. Wenn es doch jemanden ärgert, dann kann er sich gerne ins Kissen beißen. Aber natürlich hätte ich die Saison mit Darmstadt gerne zu Ende gespielt.

Warum haben Sie es dann nicht getan?

Die MLS-Saison in den USA geht im März los. Wenn du nicht im Winter wechselst, hast du keine Chance. Im Sommer kommst du nicht mehr in den Kader, denn der ist dann meist voll, oder es wird ein Platz für einen europäischen Top-Spieler freigehalten.

Hätten Sie sich auch einen Wechsel nach China vorstellen können?

Ich würde nie nach China gehen. Ich bin für Abenteuer offen, aber was in China passiert, geht einfach nicht. Ich engagiere mich für den Tierschutz, speziell für Hunde. Wie in China Hunde behandelt werden ist abartig. Es werden Feste veranstaltet, auf denen tausende Hunde einfach so getötet werden. Chinesische Klubs könnten mir 100 Millionen Euro am Tag zahlen, ich würde nicht hingehen!

Florian Jungwirth am Strand in Santa Cruz (USA). Mit dabei: seine Hunde.
Florian Jungwirth am Strand in Santa Cruz (USA). Mit dabei: seine Hunde. © Instagram: @Florian_Jungwirth
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Im Winter gab es Ärger, weil Sie zu den San José Earthquakes wechseln wollten, Darmstadts Trainer Torsten Frings Sie aber gerne halten wollte. Haben Sie sich inzwischen ausgesprochen?

Das haben wir nicht. Ich hatte das Versprechen vom Verein, das, wenn die Ablösesumme akzeptiert wird, ich auch gehen darf. Die Ablöse wurde akzeptiert. Mein Traum war kurz davor in Erfüllung zu gehen, und dann hieß es auf einmal von Darmstadt: Nein, doch nicht.

Bitter.

Das war, als wenn man einem Hund einen Knochen vor die Nase wirft, ihn dann aber wieder wegzieht.

Anderes Thema: Verdienen Sie in der MLS mehr Geld als in der Bundesliga?

Mein Wechsel hatte keine finanzielle Intention. Ich darf meinen Traum leben, das ist mehr wert als alles Geld der Welt. Natürlich spiele ich in der MLS jetzt auch nicht für ein Appel und ein Ei. Aber in Darmstadt habe ich auch nicht gerade für Handkäs mit Musik gespielt. Die Gehälter werden wie bei allen Profisportlern in den USA während der Saison offengelegt. Dort kann man bald alles nachlesen.

Traumwetter in Kalifornien: Florian Jungwirth an seinem Pool in San José.
Traumwetter in Kalifornien: Florian Jungwirth an seinem Pool in San José. ©

Wie wurden Sie als weitestgehend unbekannter deutscher Profi bei Earthquake vorgestellt?

Meine Präsentation war typisch amerikanisch. Ich wurde alleine vorgestellt. Hinter mir im Raum eine riesige Leinwand. Das Livebild lief auch auf den großen Anzeigetafeln bei uns im Avaya-Stadium (Fassungsvermögen: 18 000 Zuschauer; Anm. d. Red.). „Welcome, Florian Jungwirth!“, stand da. Anschließend ging es zur Pressekonferenz, dann noch in Einzelinterviews. Der absolute Wahnsinn.

Der Profisport spielt in den USA eine andere Rolle als in Europa.

Ich glaube, in den USA würden selbst beim Highschool-Völkerball Pressekonferenzen gehalten werden. Der Hype um den Sport in den USA ist extrem.

Das erste MLS-Tor von Jungwirth im Video!

My first and hopefully not last MLS goal😊

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2016 haben Sie gesagt, dass Sie mit Darmstadt 98 in die Bundesliga aufgestiegen sind, um einmal gegen Bastian Schweinsteiger zu spielen. Doch der wechselte vorher zu Manchester United. Jetzt spielen sie beide in der MLS.

Schweini und ich hätten es auch einfacher haben können! Jetzt mussten wir beide erst ans andere Ende der Welt gehen, um gegeneinander zu spielen. Schweini ist mein Vorbild. Aber weil wir in verschiedenen Staffeln spielen, - er in der Eeastern und ich in der Western Conference – treffen wir in dieser Saison nur einmal aufeinander. Und ich rate ihm, zu diesem Spiel auch fit zu sein.

Sie haben in der MLS gerade gegen die Weltstars Andrea Pirlo und David Villa, die bei New York City unter Vertrag stehen, gespielt.

Ich habe direkt gegen Villa gespielt. Er ist total entspannt. Ich habe im Spiel mit ihm über einige Situation gesprochen. Villa wirkt sehr bodenständig. Gegen diese beiden Legenden zu spielen, war etwas Besonderes – auch wenn Pirlo und Villa inzwischen Opas sind (lacht).

Florian Jungwirth (l.) im Zweikampf mit David Villa. Der spanische Weltstar spielt inzwischen für New York City FC.
Florian Jungwirth (l.) im Zweikampf mit David Villa. Der spanische Weltstar spielt inzwischen für New York City FC. ©

Sie können es am besten einschätzen. Auf welchem sportlichen Level ist die MLS wirklich?

Taktisch hinkt die MLS den europäischen Ligen hinterher. Aber die Intensität hier ist enorm. Spielerisch ist die MLS klar besser als die deutsche zweite Liga, in der ich auch schon gespielt habe. Die MLS-Profis sind extrem athletisch, viele sind verdammt schnell. Das ist unglaublich.

Die weiten Entfernungen zu Auswärtsspielen dürften ebenfalls neu für Sie sein.

Die Reisestrapazen für MLS-Profis sind krass. In Deutschland waren wir mit dem Bus im schlimmsten Fall mal vier Stunden unterwegs, sonst ging es in einer Stunde mit dem Flieger. Die nächstgelegene MLS-Stadt von San José aus ist Los Angeles – in 500 Kilometern Entfernung.

Geben Sie doch mal ein konkretes Reise-Beispiel aus der Praxis.

Wir haben gerade in New York gespielt. Da sind wir schon zwei Tage vor der Partie rüber geflogen. Der Hinflug dauerte fünfeinhalb Stunden, dazu kamen drei Stunden Zeitverschiebung. Das Schöne daran: In der MLS werde ich zum Meilensammler. Denn die Miles-and-More-Karte bekommst du als MLS-Profi wirklich schnell voll (lacht).

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