Islands Spieler fuhren in einem Bus durch die Straßen Reykjaviks. © dpa

Island nach EM-Aus lange nicht am Ende: "Wir fangen gerade erst an"

Ruf zum Abschied ganz laut "Huh!" - die EM sagt ihrem Liebling Island adieu.

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Als die EM ihrem Liebling traurig adieu sagte, liefen selbst bei den tapferen Wikingern die Tränen. Aron Gunnarsson weinte, Ari Skulason ließ sich von seiner Tochter trösten. Doch die Enttäuschung über das schmerzhafte Viertelfinalaus gegen die übermächtigen Franzosen wich bei Islands Fußball-Helden nach einem letzten "Huh!" schnell purem Stolz. "Vielleicht wäre es ein bisschen zu viel gewesen, die EM gleich im ersten Versuch zu gewinnen. Aber es war ein wirklich tolles Turnier", sagte Stürmer Kolbeinn Sigthorsson.

Die französischen Fans waren längst auf dem Heimweg, als Tausende Isländer trotz des 2:5 (0:4) immer noch mit ihrer Klatsch-Choreographie und den markanten "Huh!"-Rufen in der Kurve feierten. Die Spieler stellten sich für ein letztes gemeinsames Foto auf, im Hintergrund wurde gejubelt und gesungen, als hätten sie gerade den Titel geholt. Mit solchen Gänsehautmomenten hatten die Männer von der Vulkaninsel im Atlantik in den vergangenen vier Wochen die Herzen Europas im Sturm erobert.

Flugzeug steuert im Tiefflug über Reykjavik

Auch bei der Rückkehr in die Heimat wurden die Isländer am Montag wie Helden gefeiert. Im Tiefflug steuerte das Flugzeug zunächst über Reykjavik und sorgte für großen Jubel in den Straßen der Hauptstadt, später ließen sich die Spieler auf einem Doppeldecker-Bus feiern. "Es war ein fantastisches Turnier für so ein kleines Team wie uns", resümierte Offensivspieler Gylfi Sigurdsson: "Wir haben den Kids zu Hause die Hoffnung gegeben, dass so etwas möglich ist." Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein. "Wir stehen hoffentlich vor einer rosigen Zukunft und wollen bei der nächsten Endrunde dabei sein", sagte Sigurdsson.

Die Qualifikation für die WM in Russland in gut zwei Monaten muss allerdings ohne Trainer Lars Lagerbäck geschafft werden. Der Schwede hatte Island seit 2011 von Platz 108 der Weltrangliste immer weiter nach vorne geführt, doch aus Altersgründen beendet der 67-Jährige sein Engagement. "Es war eine fantastische Reise, Island steht vor einer positiven Zukunft", sagte Lagerbäck: "Ich bin sehr stolz, denn wir haben uns enorm weiterentwickelt."

Trainer Hallgrimsson will zur WM

Angeführt von Coach Heimir Hallgrimsson (49), der bislang mit Lagerbäck gleichgestellt war, soll es für den England-Bezwinger nun erstmals zur Weltmeisterschaft gehen. "Hoffentlich nutzt der Verband das Geld, um weitere junge Spieler zu fördern", sagte Lagerbäck. Auch wenn Island nur 330.000 Einwohner hat, schafften es die Vereine zuletzt hervorragend, Talente zu entdecken und zu fördern.

"Wir sind auf den Geschmack gekommen, wie es ist, auf der großen Bühne zu stehen. Wir lieben es und gehören hierher", sagte Torhüter Hannes Halldorsson. Dass sie sich selbst nach dem heftigen 0:4 zur Halbzeit gegen Frankreich nicht aufgaben, sprach für den isländischen Charakter. Sie kämpften bis zum Umfallen. "Immerhin haben wir die zweite Halbzeit mit 2:1 gewonnen, auch wenn das natürlich nicht viel wert ist. Uns war es wichtig, dass wir uns so verabschieden", sagte Sigthorsson.

Und ganz zum Schluss führte Aron Gunnarsson noch einmal Islands typischen Jubel an. Mit erhobenen Armen stand der bärtige Kapitän vor 10.000 Landsleuten im Dauerregen von St. Denis, schlug die Hände über dem Kopf aneinander und brüllte: "Huh! Huh! Huuuh!" Selbst der künftige Staatspräsident Gudni Thorlacius Johannesson machte im Fanblock mit. Der Politiker hatte seine VIP-Karten zurückgegeben und tauschte den Anzug gegen das blaue Nationaltrikot. "Ich habe keine Worte dafür, was unsere Fans hier angestellt haben", sagte Gunnarsson: "Wir werden aus all den Erfahrungen in Frankreich lernen und wachsen. Wir fangen gerade erst an."

So tapfer reagieren die Fans aus Island auf das EM-Aus gegen Frankreich

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