In der laufenden Saison empfingen die Kicker von Jens Härtel in der zweiten Runde des DFB-Pokals Borussia Dortmund. Am Ende kassierten die Elbestädter eine klare 0:5-Niederlage vor 23102 Zuschauern in der heimischen MDCC-Arena. Jens Härtel ist seit 2014 Trainer beim 1. FC Magdeburg. © dpa
In der laufenden Saison empfingen die Kicker von Jens Härtel in der zweiten Runde des DFB-Pokals Borussia Dortmund. Am Ende kassierten die Elbestädter eine klare 0:5-Niederlage vor 23102 Zuschauern in der heimischen MDCC-Arena.

Jens Härtel: "Wenn es soweit ist, müssen wir den Aufstieg auch klar kommunizieren"

3. Liga: Der Trainer des 1. FC Magdeburg im Sportbuzzer-Interview über den Derbysieg gegen Halle, FCM-Fan Hannes und die Jugendarbeit von RB Leipzig.

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Es war ihr achtes Derby als Magdeburg-Trainer, es gab eine Bissattacke, zwei Platzverweise, ein Hackentor, Ihr Team hat 2:1 gewonnen – war es ihr bislang emotionalste Derby?
Jens Härtel: Die sind alle emotional, gerade die Spiele in Magdeburg mit vielen gelben und roten Karten. Das erste Spiel nach dem Aufstieg war vielleicht das emotionalste, wir waren neu in der Liga, Halle klarer Favorit. Nach einer Minute lagen wir 0:1 zurück, nach 20 Minuten waren wir einer weniger und wir haben am Ende 2:1 gewonnen. Das war schon anders als am Sonnabend, da jetzt die Erwartungshaltung eine andere ist, weil man heute eher davon ausgeht, dass man so ein Spiel gewinnt als damals.

Daniel Bohl hat Philip Türpitz offenbar gebissen, was er bestreitet, Türpitz hat anschließend einen Ellenbogecheck gemacht. Können Sie die Reaktion nachvollziehen?
Dass der Spieler nicht sagt, ich hab ihn gebissen, ist auch logisch, aber die Bilder zeigen etwas anderes. Trotzdem darf sich Philipp nicht so provozieren lassen. Man thematisiert das ja im Vorfeld des Spiels, dass es hitzig und emotional wird. Er kommt dann rein und muss nach 20 Sekunden wieder raus. Damit war ein Wechsel verpufft.

In der Schlusssekunde hat Halle eine Doppelchance zum Ausgleich, haben Sie den Ball schon drin gesehen?
Der erste Schuss geht normalerweise schon rein, den klärt Christopher Handke gerade noch vor der Linie. Zum Glück hat Fabian Baumgärtel den Ball aus fünf Metern dann an die Latte geschossen. Solche Momente braucht es dann, um so ein Spiel zu gewinnen.

Hannes ist immer ein Thema.

Vor gut einem Jahr starb FCM-Fan Hannes Schindler, nachdem er im Zug auf Halle-Fans traf und offenbar aus dem Zug sprang, genau aufgeklärt ist es nicht. War das vor dem Spiel ein Thema?
Das ist immer Thema. Das hat uns als Mannschaft auch ganz schön getroffen, weil man das nicht verstehen kann, dass es so ausartet. Dass jemand aus dem Zug geschoben wird oder aus Angst springt, bloß weil er die falschen Farben als Schal trägst, das ist ein düsterer Gedanke. Die Stimmung war auch anders als beispielsweise gegen Dortmund. Es gab keine Choreo, keine Fahnen, das Magdeburg-Lied wurde nicht gespielt. Es war eine andere Atmosphäre, ruhiger als sonst.

War sie nach dem Spiel anders?
Die Mannschaft war erleichtert, hat alles gegeben. Der Platz war tief, es hat zwei Tage lang geregnet, das hat Kraft gekostet. Aber alle waren glücklich, das war die beste Regeneration.

In Bildern: Die Karriere von Jens Härtel, der seit Juli 2014 Cheftrainer des 1. FC Magdeburg ist.

Hat Christian Beck schon verraten, wie er sein kurioses Hackentor geschossen hat?
Ich glaube, er wollte zuerst mit dem Kopf ran und hat sich schnell umentschieden und mit einem Reflex die Hacke rangebracht – so war es ein besonderes Tor.

Tabellenplatz zwei ist gefestigt. Welche Rolle spielt der Aufstieg?
Bei der Mannschaft noch keine. Sie sieht, wie schwer es ist, so ein Spiel in der 3. Liga zu gewinnen. Dass wir, wenn wir am Limit sind, in der Lage sind, gute Mannschaften dieser Liga zu schlagen, das ist eine positive Anspannung. Man bekommt natürlich die Berichterstattung mit, auch mit dem Hintergrund der letzten Saison.

Aufstieg klar kommunizieren.

Da sind Sie erst kurz vor Saisonende aus den Aufstiegsrängen gerutscht. Was haben Sie daraus gelernt?
Dass man, wenn es soweit ist, den Aufstieg auch klar kommunizieren muss, auch nach außen. Ich denke, auch die Mannschaft hat da ein paar Situationen wegegeben, was ihr heute nicht mehr passieren würde. Dass man in Situationen, in denen du niedergeschlagen bist, wieder zurückzuschlagen kannst. Das ist uns beispielsweise in Köln gelungen. Das war ein Schritt, wo alle Angst hatten, dass es nicht reicht für einen Sieg – und die Mannschaft hat gezeigt, dass sie es kann.

Sie haben seit dieser Saison Silvio Bankert aus Luckenwalde als Co-Trainer, wie kam es dazu?
Silvio war vergangene Saison Co-Trainer der A-Jugend. Mein erster Co Ronny Thielemann macht derzeit seinen Fußballlehrer und ist von Montag bis Mittwoch nicht da. Deshalb haben wir Silvio hochgezogen.

Er war zunächst ihr Spieler, hat man da schon gesehen, dass es in Richtung Trainer geht?
Das ist, glaube ich, noch nicht abschließend entschieden. Er kann jetzt lernen und für sich rausfinden, ob das sein Ding ist, als Trainer zu arbeiten oder was anderes zu machen. Es gibt im Fußball ja auch andere Möglichkeiten.

Am einfachsten wäre es, wenn man die 3. Liga auf 22 Mannschaften aufstockt.

Sie sind 2015 in der Relegation aus der Regionalliga in die 3. Liga aufgestiegen. Diese Regelung wird derzeit heftig diskutiert. Welches Modell präferieren Sie?
Am einfachsten wäre es, wenn man die 3. Liga um zwei Mannschaften aufstockt. Dann hat man fünf Auf- und Absteiger und die Übergangsregelung wäre elegant gelöst. Es bliebe in der Übergangs-Saison bei drei Absteigern und es gäbe fünf Aufsteiger, dann wäre man auf 22 Teams. Es wäre bloß sicherzustellen, dass es für die Drittligavereine keine finanziellen Einbußen gäbe. Da müsste sich der DFB Gedanken machen, ob man das beispielsweise durch einen Ligasponsor oder ähnliches auffangen kann. Denn das ist ja die Angst der Drittligisten, dass sie Geld abgeben müssen.

Die Aufstockungs-Variante wird aber gar nicht mehr diskutiert.
Ich weiß auch nicht, warum da keiner ran will. Die fünf Regionalliga-Staffeln passen eben regional, jeder hat seine Derbys, deshalb sollten sie bleiben. Bayern ist ein bisschen ein Ausnahmefall, ist aber eben auch ein großes Flächenland und die Mannschaften wie Würzburg oder Regensburg haben sich oft durchgesetzt.

Der NOFV hat vorgeschlagen, vier Regionalligastaffeln einzuführen und die Nordoststaffel zu behalten. Wie realistisch ist das?
Das ist ambitioniert gedacht, aber das wird so nicht funktionieren, weil die anderen Verbände halt ein Stückchen größer sind.

Von Besitzstandswahrung bin ich weit entfernt.

Sie können das Anliegen der Regionalligisten nachvollziehen?
Viele, die jetzt in der 3. Liga sind, vergessen, wo sie herkommen. Das ist dann Besitzstandswahrung. Da bin ich weit davon entfernt, weil wir in derselben Situation waren. Wenn man jetzt sieht, wie schwer sich Offenbach tut, nachdem sie in der Relegation gegen uns verloren haben, das ist dann schon Wahnsinn. Da wird man für die Arbeit einer ganzen Saison nicht belohnt, das darf nicht sein.

"Abpfiff" mit Drittliga-Coach Jens Härtel

Energie Cottbus könnte als Regionalliga-Tabellenführer bald in diese Situation kommen. Wie schätzen Sie die Mannschaft ein?
Sie machen es überragend. Aber die Relegation steht ja noch vor der Tür. Kann ja auch sein, sie spielen gegen 1860 München. Das vom Kopf hinzukriegen ist sicherlich nicht ganz so einfach.

Was sagen Sie zu ihrem Ex-Verein Union, der aufsteigen will?
Sie haben schon eine gute Entwicklung genommen, da muss man sagen: Hut ab. Sie sind davor, den nächsten Schritt zu machen. Ich denke, Kiel wird auch noch einmal eine Phase kriegen, wo es nicht so läuft. Dann muss Union da sein.

Bei RB ist nicht alles Gold was glänzt.

Bei RB Leipzig waren Sie 2013/14 U19-Trainer. Hätten Sie gedacht, dass sich der Verein sogar in Europa so schnell etabliert?
Dass es gleich für die Champions League reicht, war vielleicht nicht abzusehen. Aber dass der Weg klar nach oben geht, mit all den Investitionen, war nur eine Frage der Zeit. Sie haben einen klaren Plan, den ziehen sie durch, auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt. Aber was die erste Mannschaft macht, das ist schon außergewöhnlich gut.

Was glänzt nicht?
Ich war im Nachwuchs. Wenn man sieht, wie viel da investiert worden ist und es immer noch kein Spieler geschafft hat, sich bei den eigenen Profis durchzusetzen, das ist schon verwunderlich. Sie haben die Akademie gebaut, das ist absolut top in Deutschland. Wenn man auch sieht, wie die Nachwuchsmannschaften ausgestattet sind, das ist wie bei einem Erstligisten mit Psychologen, Athletiktrainern, Torwarttrainern. Dafür würde man sich schon wünschen, dass der ein oder den Durchbruch schafft, was nachweislich nicht passiert ist.

Region/Brandenburg Kreis Havelland 1. FC Magdeburg 1.FC Magdeburg (Herren) 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren)

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