17. Oktober 2018 / 15:25 Uhr

Nach Frankreich-Spiel: Was Bundestrainer Joachim Löw für die Wende jetzt braucht

Nach Frankreich-Spiel: Was Bundestrainer Joachim Löw für die Wende jetzt braucht

Robert Hiersemann und Heiko Ostendorp
Bundestrainer Joachim Löw (l.) und sein Assistent Marcus Sorg sind nach dem Spiel in Frankreich auch weiterhin gefordert
Bundestrainer Joachim Löw (l.) und sein Assistent Marcus Sorg sind nach dem Spiel in Frankreich auch weiterhin gefordert © imago/Pressefoto Baumann
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Die junge deutsche Nationalmannschaft wird trotz der Niederlage bei Weltmeister Frankreich gefeiert. Aber: Bundestrainer Joachim Löw muss nun zeigen, wie nachhaltig der angedeutete Umbruch wirklich ist.

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Wie sich die Zeiten doch geändert haben. Am Dienstagabend verlor die deutsche Nationalmannschaft nur drei Tage nach dem 0:3-Debakel gegen die Niederlande auch gegen Weltmeister Frankreich, liegt in der neu geschaffenen Nations League mit nur einem Punkt (und einem Tor) aus drei Spielen auf dem letzten Platz und kann den Abstieg aus eigener Kraft nicht mehr verhindern. Und dass nur wenige Monate nach dem WM-Desaster in Russland. Eigentlich müssten überall die Alarmglocken läuten, doch nach dem Abpfiff im Stade de France gab es fast schon Jubelarien.

Präsident Reinhard Grindel kam in die Kabine und gratulierte dem DFB-Team zu einer tollen Leistung. In der ARD sagte er: „Ich finde, dass wir ein Stück Umbruch gesehen haben, das macht Mut für die Zukunft. Das, was diese junge Mannschaft gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen.“ Auch die Spieler sowie der Bundestrainer teilten diese Meinung. Joachim Löw schwärmte: „Die Leistung der Mannschaft war großartig. Sie hat das Herz in die Hand genommen. Wir waren auf Augenhöhe mit der derzeit besten Mannschaft der Welt. Ich bin der Meinung, dass wir die bessere Mannschaft waren und den Sieg verdient gehabt hätten.“ Wie sagte Lothar Matthäus einst so schön: „Wäre, wäre, Fahrradkette…“

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Wie alarmierend der aktuelle Zustand tatsächlich ist, zeigt indes ein – nicht ganz fairer – aber dennoch interessanter Vergleich: Fußballzwerg Gibraltar feierte 2018 mehr Pflichtspielerfolge als Deutschland. Die Amateurkicker besiegten am Dienstag Liechtenstein mit 2:1, hatten zuvor 1:0 in Armenien gewonnen. Das DFB-Team gewann einzig und allein bei der WM mit 2:1 gegen Schweden. Das 1:2 in Frankreich war bereits die sechste Niederlage in diesem Kalenderjahr – so eine Bilanz gab es zuvor in der über 100-jährigen Verbandsgeschichte noch nie.

Wie nachhaltig ist der Umbruch im DFB-Team?

Dennoch ist der Grundtenor nach der erneuten Pleite in Paris positiv. Was natürlich daran liegt, dass der Bundestrainer tatsächlich endlich Mut und Courage bewies, seine Startelf gegenüber dem Holland-Spiel um rund zwei Jahre verjüngte – und seine Bubis eine überzeugende Vorstellung gegen die starken Franzosen lieferten. Doch nun bleibt die Frage: Wie geht es weiter? Wie nachhaltig ist dieser angedeutete Umbruch wirklich?

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Löw schränkte mit Blick auf die nächsten Partien jedenfalls schon wieder ein: „Ich habe immer gesagt, dass wir eine Achse brauchen und dabei bleibe ich. Diese Spieler, die von 2014 noch dabei sind, haben vielleicht eine schwierige Phase, aber die haben das Fußballspielen nicht von heute auf morgen verlernt.“ Wen der Bundestrainer damit meinte, war klar: Jerome Boateng, der gegen Frankreich verletzt fehlte. Oder auch Thomas Müller, den er auf die Bank setzte.

Löw gibt erneut den Mahner

Die neue Garde um Niklas Süle, Thilo Kehrer, Nico Schulz, Serge Gnabry oder Leroy Sané machte eigentlich Hoffnung auf eine bessere Zukunft und Lust auf mehr. Löw aber warnte: „Es war eine Leistung, auf der man aufbauen kann. Aber diese Spieler sind jung und brauchen manchmal Zeit, um ihre Leistungen konstant abzurufen. Da muss man auch mal Schwankungen einkalkulieren.“

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Diese würden die Fans der neuen Generation sicher auch zugestehen. Dazu müsste Löw sie aber jetzt regelmäßig bringen, den Umbruch weiter fortsetzen und dabei mutig bleiben. Andere Nationen haben es Deutschland in den letzten Jahren vorgemacht und sind mit frischen Kräften nach einer Krise in die Weltspitze zurückgekehrt. Die Spanier, die Engländer – allen voran die Franzosen. Deren Superstar Kylian Mbappé ist übrigens 19 und damit drei Jahre jünger als Sané und sogar vier als Süle und Gnabry. Er spielt - wie all die deutschen Nationalspieler auch – mit seinem Klub (Paris St. Germain) auf höchstem Niveau. In Frankreich spricht aber niemand davon, dass er noch zu jung sei und Zeit brauche.

Reichlich Talente vorhanden

Auch Team-Manager Oliver Bierhoff und Grindel fordern, den eingeschlagenen Weg nun weiterzugehen. Zumal es neben den Talenten, die in Paris dabei waren, zahlreiche weitere Hoffnungsträger gibt, die man einbauen kann - wie Werders Maximilian Eggestein (21), Herthas Davie Selke (23), Leverkusens Kai Havertz (19) oder Augsburgs Philipp Max (25). Es wird sich zeigen, ob Löw dazu nachhaltig bereit ist.

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