Hasan Salihamidzic muss als Sportdirektor des FC Bayern seine Linie noch finden, sagt SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer. Hasan Salihamidzic muss als Sportdirektor des FC Bayern seine Linie noch finden, sagt SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer. © imago
Hasan Salihamidzic muss als Sportdirektor des FC Bayern seine Linie noch finden, sagt SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer.

Jochen Breyer über Salihamidzic: "Brazzo zeigt zu wenig Profil"

Hasan Salihamidzic, der neue Sportdirektor des FC Bayern, zeigt erstaunlich wenig Profil, findet SPORTBUZZER-Kolumnist Jochen Breyer in der Viererkette. Der ZDF-Moderator meint: Das muss sich schnell ändern, wenn er erfolgreich sein will.

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Die Saison hat gerade erst begonnen, aber der Preis für das nichtssagendste Fernsehinterview 2017/18 kann trotzdem schon vergeben werden. Er geht an: Hasan „Brazzo“ Salihamidzic. Der Sportdirektor des FC Bayern stand vor dem Champions-League-Auftakt gegen Anderlecht letzte Woche bei meinem Sky-Kollegen Patrick Wasserziehr und hatte sich eine, sagen wir, ungewöhnliche Taktik zurechtgelegt: Er antwortete einfach nicht auf die Fragen, die ihm gestellt wurden. Das klang dann fast nach Satire:

Wasserziehr: Warum sitzt Hummels nur auf der Bank?
Salihamidzic: Wir wollen nicht jede Woche darüber sprechen, wer spielt und wer nicht.

Wasserziehr: Nach dem Interview von Lewandowski haben Sie mit ihm gesprochen. Was wurde besprochen?
Salihamidzic: Ich habe mit ihm über das Spiel heute gesprochen.

Wasserziehr: Es geht um das Interview. Was haben Sie ihm gesagt?
Salihamidzic: Wir haben über das Spiel gesprochen. Ich werde euch nicht sagen, was ich sonst mit ihm besprochen habe.

Salihamidzic flüchtet sich in Allgemeinplätze

Ein paar Tage zuvor hatte ich eine ähnliche Erfahrung gemacht. Nach dem Bundesliga-Auftaktspiel gegen Leverkusen kam Salihamidzic zu Olli Kahn und mir ins Studio. Ich sprach ihn auf das Zitat von Uli Hoeneß an, wonach Salihamidzic in den ersten zwei Wochen als Sportdirektor intern schon häufiger durchgegriffen habe als Matthias Sammer in einem ganzen Jahr. Ich fragte ihn: „Wo haben Sie durchgegriffen – können Sie uns ein Beispiel sagen?“ Seine Antwort: „Meine Aufgabe ist es, den Trainer zu unterstützen, damit alle in der Lage sind, das Optimum zu bringen. Das wird auch in der Zukunft so sein und ich werde mein Bestes geben.“

Hier lesen: Das sind die Zündschnüre des FC Bayern

Ist er zu lieb für den Posten als FC-Bayern-Sportdirektor? Die große Brazzo-Debatte: Was meint Ihr? Eure Kommentare bitte!

Geplaatst door Sportbuzzer - dem Fußball sein Zuhause op dinsdag 19 september 2017

Man mag es clever nennen, etwas kniffligere Fragen zu umdribbeln, indem man einfach irgendetwas Unverfängliches antwortet, das gar nicht zur Frage passt. Und dass Salihamidzic, der mir übrigens schon immer sehr sympathisch war, das Zeug zum Schlitzohr hat, wissen wir. Andererseits entsteht mehr und mehr der Eindruck, dass er sich schlicht nicht traut Stellung zu beziehen und sich deshalb in Allgemeinplätze flüchtet. Der Sportdirektor Salihamidzic ist in seiner Außendarstellung bisher das, was der Spieler Salihamidzic nie war: zaghaft, zögerlich, ängstlich.

Lahm gratuliert sich vermutlich jeden Tag zu seiner Entscheidung

Man muss ihm dreierlei zu gute halten: Erstens ist er neu in seinem Job und möchte vermutlich erst mal auf Sicherheit spielen. Zweitens hat er das Pech, zu turbulenten Zeiten einzusteigen: Müller mosert über Ancelotti, Lewandowski über die Transferpolitik des Klubs, Ribéry schmeißt wütend sein Trikot weg – das wäre schon für einen erfahrenen Manager schwer zu moderieren. Philipp Lahm gratuliert sich gerade vermutlich jeden Tag selbst zu seiner Entscheidung, den Posten abgelehnt zu haben...

Und drittens möchte es Salihamidzic ganz offensichtlich beiden Bossen recht machen: Hoeneß und Rummenigge. Das Problem dabei ist, dass sich diese beiden derzeit in vielen Punkten selbst nicht einig sind. Und weil Salihamidzic sich nicht für die Position einer der beiden entscheiden will, nimmt er lieber gar keine ein.

Salihamidzic lief mit Handy am Ohr durch die Interviewzone

Dennoch: Gerade weil er Hoeneß als sein „Vorbild“ bezeichnet, wird er bei seinen öffentlichen Auftritten in Zukunft mehr wagen müssen. Hoeneß zum Beispiel trat als Manager nach Niederlagen so gut wie immer vor die Mikrofone, um Stellung zu beziehen. Salihamidzic lief nach dem 0:2 in Hoffenheim mit Handy am Ohr durch die Interviewzone – ein ebenso bekannter wie bewährter Trick, um sich an den Reportern vorbei zu schummeln ohne etwas sagen zu müssen. Diesen Trick kannte man allerdings bislang nur von Spielern – nicht von einem Sportdirektor.

Salihamidzic wird in den kommenden Wochen und Monaten sein Profil schärfen, da bin ich mir sicher. Er muss ja nicht gleich Hoeneß´ Abteilung Attacke kopieren. Ein bisschen mehr als die Abteilung Wegducken sollte es aber schon sein.

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle in der SPORTBUZZER-Viererkette Bestseller-Autor Ronald Reng, die Erfolgstrainer Lucien Favre (aktuell OGC Nizza) und Hans Meyer (Kult) und Jochen Breyer, Moderator des Aktuellen Sportstudios (ZDF), mit Meinungsbeiträgen ab.

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