13. Oktober 2018 / 10:00 Uhr

Jörg Schmadtke vom VfL Wolfsburg: "Wir sind weitestgehend im Soll"

Jörg Schmadtke vom VfL Wolfsburg: "Wir sind weitestgehend im Soll"

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Jörg Schmadtke
Sprach mit dem Sportbuzzer über die Lage des VfL: Manager Jörg Schmadtke.
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Länderspielpause, Zeit zum Luftholen. Jörg Schmadtke, Manager und Sport-Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, sprach mit dem Sportbuzzer über die Lage seines Klubs und den Zuschauerschwund in der Liga.

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SPORTBUZZER: Sieben Liga-Spiele, Platz neun - wie fällt Ihr erstes sportliches Zwischenfazit aus?
Jörg Schmadtke: Wir sind weitestgehend im Soll. Beim 0:0 in Mainz haben wir sicherlich Punkte liegen gelassen, ansonsten aber immer ordentlich mitgespielt, viel Ballbesitz gehabt und die Mannschaft macht auch körperlich einen guten Eindruck. Also alles okay.

Mit Jerome Roussillon und einem der beiden neuen Mittelstürmer waren im Grunde stets nur zwei Neuzugänge dabei, trotzdem spielt die Mannschaft anders Fußball als in der Vorsaison. Welchen Anteil haben die Neuen daran?
Sie haben den Umgang miteinander und vielleicht auch den Charakter der Mannschaft ein Stück weit verändert. Und die, die schon länger hier sind, haben sich auch die richtigen Gedanken über die beiden vergangenen Jahre gemacht. Es sind ja nicht nur neue Spieler dazugekommen, es sind ja auch welche gegangen, so etwas verändert immer das Miteinander.

Sprachbarrieren scheinen dabei kein Problem zu sein...
Das geht auch nonverbal, durch Haltung und Auftreten. Und wer die Sprache noch nicht so gut spricht, verändert manchmal sogar mehr, weil die Aufmerksamkeit seiner Mitspieler erforderlich ist. So gesehen kann die Sprachbarriere manchmal auch ein nützliches Hilfsmittel sein.

Jörg Schmadtke - Seine Karriere in Bildern:

VfL Wolfsburg: Jörg Schmadtke - Karriere in Bildern Zur Galerie
VfL Wolfsburg: Jörg Schmadtke - Karriere in Bildern ©
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"Wir müssen schauen, was wir überhaupt im Winter machen"

Mit einem Neuzugang hat es nicht geklappt - Maxwel Cornet ist in Lyon geblieben. Versuchen Sie es im Winter wieder?
Das wird man sehen. Wir müssen schauen, was wir überhaupt im Winter machen. Wir sind permanent in Überlegungen und sondieren den Markt. Aber Wintertransfers sind in der Regel kompliziert – weil die Zeit zur Vorbereitung sehr kurz ist und weil die Preise meistens höher sind als im Sommer. Da muss man sich genau überlegen, ob man das machen will.

Bleibt es denn ein Ziel, noch einen offensiven Außen zu holen?
Abwarten. Felix Klaus kommt ja auch zurück. Ich glaube, dass er sehr gut reinpasst – wir müssen sehen, wie schnell er nach der Verletzungspause zu seiner Leistung zurückfindet.

Der Kader ist immer noch recht groß, Spieler wie Jeffrey Bruma, Marvin Stefaniak oder Paul Seguin werden im Winter vielleicht wechselwillig sein, wenn sie nicht spielen.
Ich werde jetzt nicht über einzelne Spieler reden. Klar ist aber: Wir werden keinen Wechsel mit dem Presslufthammer forcieren, aber andererseits auch keinen anketten. Wir haben allen Spielern im Sommer ihre Perspektive aufgezeigt und unsere Einschätzungen scheinen sich zu erhärten. Und nun werden wir sehen, zu welcher Einsicht oder zu welcher Gefühlslage das bei dem einen oder anderen Spieler führen wird.

"Von ihm gibt es das Signal, dass das Frühjahr ausreichend wäre"

Hat denn schon ein Spieler Winterwechsel-Absichten geäußert?

Nein. Zumindest nicht für mich wahrnehmbar.

Der Vertrag mit Trainer Bruno Labbadia läuft bis Saisonende. Wann steht da die Zukunftsplanung auf der Tagesordnung?

Von ihm gibt es das Signal, dass das Frühjahr ausreichend wäre, für mich wäre das auch in Ordnung.

Trainer Bruno Labbadia und Manager Jörg Schmadtke
Trainer Bruno Labbadia und Manager Jörg Schmadtke © Boris Baschin

Sind Sie jemand, der generell die Personalplanung früh abschließt – auch was Transfers angeht?

Das ist total unterschiedlich. Wenn man ein eher kleines Budget hat, dann macht es manchmal Sinn, früh zuzuschlagen, weil es sonst teurer wird. Andere sagen, am Ende einer Transferperiode gehen die Preise runter, aber nach meiner Erfahrung ist das nicht so.

Marcel Schäfer? "Er ist derjenige, der die Arbeit machen muss..."

Wie ist das Zusammenspiel mit Sportdirektor Marcel Schäfer?
Was heißt Zusammenspiel? Er ist derjenige, der die Arbeit machen muss (lacht). Nein, im Ernst: Wir gehen die Dinge gemeinsam an. Er hat mit seinem jugendlichen Elan seine Ansätze, ich mit meiner Erfahrung manchmal andere, das ergänzt sich. Ich bin total dankbar und froh, dass er frühzeitig aus den USA zurückgekehrt ist – das ist für alle gewinnbringend. Marcel deckt beispielsweise Dinge ab, die für mich schwierig sind – etwa historische Zusammenhänge hier im Verein zu verstehen. Außerdem ist er ein sehr guter Zuhörer.

Der VfL galt lange als Klub, der gern viel oder zu viel Geld ausgibt – hat sich dieses Image in den letzten Monaten schon verändert?
Nein. Zumindest noch nicht ausreichend. Das dauert länger, bis so etwas nachhaltig auch außerhalb von Wolfsburg ankommt. Ich merke das in den Gesprächen, die ich führe.

Gelten Sie da dann als der Mann mit dem Geldkoffer?
Ja (lacht), so ungefähr.

"Ich lächele das weg"

Und wie reagieren Sie dann?
Ich lächele das weg. Wer mich kennt, kann mir ansehen, was ich davon halte. Ganz generell denke ich allerdings, dass dem Verein in seiner Außendarstellung ein klein wenig positive, natürliche Arroganz ganz gut tun würde.

Welcher Art?
Wir sind jetzt über 20 Jahre in der Bundesliga, waren Meister, Pokalsieger. Das ist was. Wir müssen nicht so tun, als ob wir ein unnötiges Anhängsel der Bundesliga wären. Das sind wir nicht.

Wir haben in den ersten Saisonspielen mal wieder über Zuschauerzahlen in Wolfsburg reden müssen, aber das Thema betrifft ja die ganze Liga – die Fans in den Stadien werden weniger, vor den TV-Geräten auch. Woran liegt das?
Es sieht so aus, als ob wir eine Delle haben, ja. Die Stadien sind weniger voll und nach dem, was ich landauf, landab so höre, vergrößert sich auch die No-Show-Rate, also die Zahl derer, die trotz Ticket nicht kommen. Wir scheinen da schon eine gewisse Problematik zu haben. Ob das vorübergehend ist, weiß ich nicht. Die Bundesliga ist vielleicht in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr so stark, wenn man das Abschneiden zuletzt auf internationaler Bühne anguckt. Dazu kommt eine relativ desaströse WM, wobei es schon verwunderlich wäre, wenn das so schnell Niederschlag fände. Und zudem haben wir viele Diskussionen mit Teilen der Kurven.

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Können Sie den Unmut, der aus den Kurven kommt, und der sich oft gegen Überkommerzialisierung richtet, nachvollziehen?
Ja, viele Themen kann ich verstehen, manches ist aber auch überzeichnet. Zum Teil agieren die Klubs da aber auch doppelzüngig – etwa beim Thema Montagsspiele. Die wurden ja nicht fürs Fernsehen eingeführt, sondern damit Europa-League-Teilnehmer einen Tag länger Pause für die Regeneration haben. Alle waren dafür, und als die Montagsspiele dann da waren, wurde ungeschickt damit agiert. Weil zum Teil Mannschaften gegeneinander gespielt haben, die mit Europacup gar nichts zu tun hatten. Und weil einige Klubs haben durchblicken lassen, dass sie montags lieber nicht spielen wollen. Irgendwo lief sogar „I Dont’t Like Mondays“ als Einlauflied. Das gehört sich nicht. Das verstehen auch die Fans nicht und irgendwann geht dann auch Vertrauen verloren.

Andererseits profitieren die Klubs davon, wenn die TV-Sender mehr zahlen.
Das stimmt, trotzdem ist das gefährlich. Die zunehmende Kommerzialisierung wird ja von Teilen der Kurve seit langem angeprangert. Und man muss zugeben, dass wir uns ein Stück weit vom Fan weg entwickeln – und damit meine ich nicht nur die Ultras, sondern auch Familienväter, junge Frauen, ältere Fans, alle. Unsere Gedanken drehen sich zu viel um uns selbst und zu wenig um unsere Kunden. Wir müssen die Menschen wieder mehr mitnehmen, sonst gibt es eine starke Entfremdung und irgendwann werden die Stadien immer leerer.

Welche Rolle spielt die Zerstückelung der Spieltage?
Im Gegensatz zu anderen Top-Ligen geht es uns da noch ganz gut – aber das ist natürlich meine Sicht der Dinge als Vereinsvertreter. Der Fan mag das anders sehen – vielleicht auch, weil sich der TV-Markt weiter aufgeteilt hat, sodass die Leute teilweise gar nicht mehr wissen, wo sie einschalten sollen.

"Was wenig Sinn ergibt, ist die Nations League"

Aber die Vereine profitieren davon.

Das stimmt. Trotzdem muss man abwägen, was sinnvoll ist. Ich kann nicht auf der einen Seite sagen, ich will immer um 15.30 Uhr spielen, und auf der anderen Seite will ich aber auch eine Milliarde Fernsehgeld haben. Das funktioniert nicht.

Dass es mal Pflichtspiele deutscher Klubs auf anderen Kontinenten geben wird, schließen Sie aus?

Ich glaube zumindest, dass das nicht sinnvoll wäre – und ich hoffe, dass ich das auch noch länger so sagen kann.

Jörg Schmadtke: Die offizielle Vorstellung beim VfL in Bildern

Jörg Schmadtke wurde am Mittwoch offiziell vorgestellt Zur Galerie
Jörg Schmadtke wurde am Mittwoch offiziell vorgestellt ©

In Wolfsburg gibt es die Zinnenwappen-Diskussion, die von Teilen der Fans sehr vehement geführt wird.

Ich nehme das wahr und bin teilweise überrascht, welche Wichtigkeit das hat – zumal es ja wohl in der Vergangenheit immer wieder Änderungen des Wappens gab. Ich stecke aber nicht tief genug im Thema drin, um das wirklich beurteilen zu können.

Viele Bundesliga-Vertreter beklagen die drei Länderspielpausen in der Hinrunde...

Die sind ja nicht neu. Was aber wenig Sinn ergibt, ist die Nations League. Wir haben auch so schon genug Wettbewerbe. Und Pflichtspiele sind anders zu sehen als Freundschaftsspiele. Als Bundestrainer muss man auch mal Dinge ausprobieren dürfen. Aber das ist nicht möglich, wenn es gegen Frankreich oder Holland um was geht.

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