08. November 2018 / 17:32 Uhr

Kamera in Dusche: Göttinger Fußballtrainer bereut Tat

Kamera in Dusche: Göttinger Fußballtrainer bereut Tat

Eduard Warda
Andreas Riedel auf dem Groß  Ellershäuser Sportplatz.
Andreas Riedel auf dem Groß Ellershäuser Sportplatz. © Schneemann
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Andreas Riedel, Göttinger Fußballtrainer, beschreitet den Weg an die Öffentlichkeit: Im Tageblatt-Interview erklärt er, warum er mit einer versteckten Kamera duschende Fußballerinnen filmte und welche Konsequenzen er nun gezogen hat.

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Am 3. Oktober, nach dem Spiel der SG Grone/Sieboldshausen gegen den VfL Olympia Duderstadt, wurde die Kamera, die unter dem Waschbecken angebracht war und den Duschbereich aufnahm, von Riedels Ehefrau, die bei der SG Torfrau ist, entdeckt. Im Tageblatt-Gespräch spricht Riedel über sein Vergehen.

Warum haben Sie den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt?

Ich hatte bereits am 12. Oktober bei der Polizei meine Tat eingeräumt, und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es öffentlich wird. Von daher war es in den letzten Wochen für mich sehr schwierig und für meine Frau auch, weil sie bereits seit dem Zeitpunkt eingeweiht war. Ich musste mir erst mal selbst darüber klar werden, inwiefern ich mir anwaltlichen Beistand einholen und mich in therapeutische Behandlung begeben muss, wie es soweit kommen konnte und was ich tun muss, damit so etwas nicht mehr vorkommt.

Wie sind Sie überführt worden?

Meine Ehefrau hat als Spielerin der SG Grone/Sieboldshausen die Kamera entdeckt. Später wurde sie vor neue Tatsachen gestellt, als sie mich auf rekonstruiertem Bildmaterial erkannt hat. Es war kein Gesicht zu erkennen, aber man konnte mich aufgrund meiner Sachen identifizieren. Sie hat mich daraufhin nicht weiter belastet. Wir haben uns kurz besprochen, und dann habe ich mich sozusagen selbst angezeigt.

Gibt es noch andere Kameras, haben Sie das schon länger gemacht?

Es gab oder gibt keine anderen Kameras. Es gab aber ältere Aufnahmen, das kann ich leider nicht verleugnen. Die habe ich aber weder bei mir zu Hause gespeichert, noch archiviert. Auf der Speicherkarte in der Kamera wurden die älteren Aufnahmen entweder selbstständig oder von mir gelöscht. Ich habe die Aufnahmen auch nicht im Internet verbreitet oder sie anderen zugänglich gemacht.

Von welchem Zeitraum reden wir?

Das kann ich nicht beurteilen.

Also mehrere Jahre?

Ja, es kann über einen längeren Zeitraum gewesen sein.

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Wann haben Sie zum ersten Mal voyeuristische Neigungen an Ihnen entdeckt?

Das ist auch eine längere Zeit her. Angefangen hat es mit Bildmaterial aus dem Internet. Ich weiß nicht, wann die Hemmschwelle so gering geworden ist, um dann den Kick auch durch eigene bekannte Personen zu bekommen. Deshalb ist es für mich auch wichtig, dass therapeutisch abzuklären. Es ist wichtig für mich, jemanden zu finden, der mir sagt, inwieweit man das selbst steuern oder zumindest so beeinflussen kann, dass man damit nicht anderen schadet.

Was ist der Reiz daran?

Das ist schwer zu erklären.

Hat das damit zu tun, dass es sich im geheimen Bereich abspielt?

Ja.

Wie belastend war es, das Geheimnis zu wahren?

Tatsache ist ja, dass meine Frau nichts mitbekommen durfte. Das war natürlich eine schwierige Situation. Gut, dass es jetzt so gekommen ist, weil ich auch nicht weiß, welche Ausmaße das noch angenommen hätte.

Wie war die Reaktion Ihrer Frau?

Grandios. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass sie mich fallenlässt. Aber sie will mich auf jeden Fall unterstützen.

Wie war die Reaktion der Klub-Verantwortlichen in Grone, Sieboldshausen und Groß Ellershausen?

Sie haben das sehr sachlich aufgenommen. Konsequenz für mich ist, dass ich meinen Posten in Groß E. mit sofortiger Wirkung zur Verfügung stelle.

Inwieweit stellt das Outing eine Befreiung dar?

Wichtig und dringend notwendig war es auf jeden Fall. Es ist aber auch eine Belastung wegen der Gespräche mit den Mannschaften. Dann ist nicht absehbar, was über die Medien auf mich einprasselt und was es für mich auf der Arbeit (Riedel ist Feinmechaniker, Anm. der Red.) für Auswirkungen hat. Der Hype wird entsprechend sein.

Was hat Ihnen Ihr Anwalt geraten?

Bisher haben wir die Strategie verfolgt, dass wir uns erst mal nicht weiter äußern. Es wäre sicherlich schön gewesen, wenn mein Name nicht in Erscheinung treten würde und ich dadurch etwas Schutz erfahre. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich anonym bleibe, wäre aber sehr gering gewesen. Ich habe mich entschieden, diesen Weg zu gehen, um nicht der Boulevardpresse die Chance zu geben, mehr daraus zu machen, als es vielleicht ist.

Sie sind Aufbau-Chef beim Sparkasse & VGH CUP. Legen Sie auch dieses Amt nieder?

Auch da werde ich meine Ämter abgeben.

Haben Sie sich erkundigt, welches das Strafmaß für so eine Tat ist?

Es geht um die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen, worauf bis zu zwei Jahren Gefängnis stehen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoffentlich nicht so groß. Ich muss davon ausgehen, dass es wahrscheinlich ein hoher Geldbetrag ist.

Haben Sie schon psychologische Hilfe in Anspruch genommen?

Ja, ich hatte schon einen 90-minütigen Termin. Da müssen wir abklären, ob die Psychologin in diesem Themenfeld zu Hause ist. Es handelt sich halt um eine Geschichte, die nicht so weit verbreitet ist.

Was ist Ihre Nachricht an die Opfer?

Es tut mir sehr, sehr leid. Ich höre damit auf, und hoffe, dass die Spielerinnen die Entschuldigung annehmen und mir in ferner Zukunft auch verzeihen können. Ich bin mir halt selbst nicht darüber im Klaren, wie es dazu kommen konnte, möchte mir entsprechend selbst helfen und begebe mich in Behandlung. Ich will dafür Sorge tragen, dass es nicht wieder vorkommt. Die Message möchte ich auch an die Damen von Duderstadt weitergeben, bei denen ich in hohem Maße um Entschuldigung bitte. Es war eine Situation, die nicht passieren durfte, aber passiert ist. Ich kann es nicht mehr ungeschehen machen.

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