07. August 2018 / 11:58 Uhr

"Kann mir nur schwer vorstellen, dass wir mal 3. Liga spielen": Germania-Trainer Jan Zimmermann im Interview 

"Kann mir nur schwer vorstellen, dass wir mal 3. Liga spielen": Germania-Trainer Jan Zimmermann im Interview 

David Lidón
Germanias Trainer Jan Zimmermann gibt Anweisungen
Germanias Trainer Jan Zimmermann gibt Anweisungen © deisterpics/Stefan Zwing
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Vier Punkte holte der 1. FC Germania Egestorf/Langreder in den ersten drei Spielen der neuen Saison in der Regionalliga Nord. Im zweiten Teil des Interviews spricht Trainer Jan Zimmermann über die Vereinbarkeit seines Amts mit Beruf und Familie, die begrenzten Möglichkeiten in Egestorf und seine Rolle bei der Trainersuche von Eintracht Braunschweig.

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Wird der 1. FC Germania nach Rang fünf in der Vorsaison nun anders wahrgenommen?

Im Norden ist der Respekt und die Aufmerksamkeit uns gegenüber gestiegen, insbesondere aufgrund der letzten Saison und auch aufgrund der Abgänge. Da wird jetzt schon etwas genauer hingeguckt. Es gibt mehr Presse- und Scoutanfragen als noch zuvor. 

Wird es mit jedem Jahr Regionalliga schwieriger, Beruf, Familie und Fußball unter einen Hut zu bekommen, oder wird es mit der Routine einfacher?

Es wird jedes Jahr schwieriger.

Sind Sie schon an einem Punkt angekommen, an dem kaum noch mehr von Ihrer Zeit in den Fußball investiert werden kann?

Dieser Punkt ist schon seit längerer Zeit überschritten. Ich weiß aber auch, dass das für alle anderen, die sich in diesem Verein ernsthaft engagieren, genauso gilt. Es sind Freizeit, Herzensangelegenheit und Freundschaft, die das Ganze ausmachen. Und deswegen macht man es ja gerne. Rational ist das nicht zu vertreten.

Thema Infrastruktur in Egestorf: Was ist noch möglich? Gibt es noch Luft nach oben oder ist eigentlich schon alles ausgeschöpft?

Man darf die Fantasie nie verlieren, um noch mal den nächsten Schritt zu machen, noch mal ein bisschen weiter zu gehen. Diese Grenze, die eigentlich schon 2016 mit dem Aufstieg in die Oberliga erreicht schien, muss man immer weiter versuchen zu verschieben. Diese Schritte werden jetzt natürlich immer kleiner und immer anstrengender. Aber wir versuchen das im Rahmen unserer Möglichkeiten. Um jetzt noch mal richtig weiterzukommen, geht es nur mit Herzblut und Motivation nicht mehr. Dafür bräuchte man eine Menge Geld, und das grenzt das Ganze dann schon ein.

Hier lesen: Teil 1 vom Interview mit Jan Zimmermann

Das sind die Bilder zur Partie 1. FC Germania Egestorf/Langreder gegen den Lüneburger SK Hansa:

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Die 3. Liga wäre demnach illusorisch?

Trotz meiner großen Fantasie und Motivation kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, dass wir mal 3. Liga spielen. Das gibt unser Umfeld ja gar nicht her. Da reden wir über finanzielle Quantensprünge. Ich bin kein Freund davon zu sagen, wir sind das kleinste Dorf, haben die jüngste Mannschaft und sind der größte Außenseiter. Es gibt genug von denen, die diese Rollen immer für sich beanspruchen. Wir sind froh, dass wir in der Regionalliga spielen, dass wir uns mit Profimannschaften messen können, die ganz andere Rahmenbedingungen haben als wir.

Als sich Eintracht Braunschweig Mitte Mai von Torsten Lieberknecht getrennt hat – ist man da in der Trainersuche auf Sie als früheren Eintracht-Spieler herangetreten?

Rein faktisch besitze ich keine Fußballlehrer-Lizenz und kann daher kein Drittliga-Team trainieren. Ich glaube, Braunschweig hat mit Henrik Pedersen eine gute Lösung gefunden. Dort wird wieder viel dafür getan, dass die Leute hinter der Mannschaft und dem Verein stehen. Ich drücke meinem Freund Marc Arnold fest die Daumen, damit sie eine gute Saison hinlegen und möglichst wieder aufsteigen.

Der Erwerb der Uefa-Pro-Lizenz, mit der man Fußballlehrer wird, ist eine langwierige Sache über 48 Wochen mit bis zu acht Stunden täglicher Ausbildung. Ist das zu schaffen, wenn nebenher eigentlich noch ein Beruf wartet und ein Regionalligist, der trainiert werden will?

Wenn ich die Chance erhalten hätte, den Fußballlehrer zu machen, hätte ich es getan. Wenn man das macht, was man man gern macht, und glaubt, dass man das auch gut kann, dann will man natürlich auch die bestmögliche Qualifikation haben. Daher will ich die Lizenz gerne machen und wenn man dann ein Jahr auf die Zähne beißen muss, dann ist das halt so. Man muss wissen, was man will und dafür auch was investieren. Man kann alles schaffen, wenn ein gutes Team und eine gute Familie hinter einem stehen.

Jan Zimmermann: Eine Karriere in Bildern

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Welche Erkenntnisse haben Sie als Amateurtrainer aus der WM 2018 für Ihre Arbeit als Coach gewonnen?

Diese WM hat mich in meiner Ansicht von Fußball bestätigt. Am Ende waren die Mannschaften am erfolgreichsten, die kompakt waren, ein gutes Umschaltspiel hatten und die viele Tore durch Standards erzielt haben. Das ist seit Jahren unser Weg. Erfreulich und interessant war für mich, auch wenn es für Deutschland nicht gegolten hat: Teamgeist und Einstellung haben eine wichtige Rolle gespielt und nicht nur die Qualität von Einzelspielern. Für mich ist Fußball immer ein Mannschaftssport mit Teamgeist, Respekt untereinander und miteinander gewesen. Ich habe mich gefreut, dass einige Mannschaften, die diese Werte hochhalten, weit gekommen sind.

Bei der WM war die Schauspielerei einiger Akteure Thema. Ist so etwas auch in der Regionalliga zu sehen?

Das gibt es durchaus, aber über andere Mannschaften zu sprechen, ist nicht mein Ding. Meine Mannschaft macht es nicht, weil ich es auch nicht mag.

Bilder vom Spiel TSV Havelse - Germania Egestorf/Langreder

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