29. März 2017 / 11:21 Uhr

Karriere-Aus mit 23: „Abschied ist mir leichtgefallen“

Karriere-Aus mit 23: „Abschied ist mir leichtgefallen“

Sönke Fröbe
Pelle Jensen, Ex-Profi und Student.
Pelle Jensen, Ex-Profi und Student.
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Pelle Jensen wechselte 2012 von Hansa zu 1899 Hoffenheim, doch Verletzungen beendeten seine Profi-Pläne / Nun will der 24-jährige Rostocker Arzt werden.

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Rostock. Zum vereinbarten Treffpunkt in einem Café in der Rostocker Altstadt erscheint Pelle Jensen mit dem Fahrrad. Er bestellt einen Latte Macchiato und spricht über ein Leben, das er hinter sich gelassen hat. Der 24-Jährige war Fußballer, spielte für Hansa Rostock und für 1899 Hoffenheim sogar in der Bundesliga. Im vergangenen Jahr lief Jensens Vierjahresvertrag bei den Sinsheimern aus. Es war der Schlusspunkt hinter seiner kurzen Profikarriere und gleichzeitig das Ende einer langen Leidenszeit: Wegen schwerer Verletzungen in beiden Sprunggelenken verbrachte der gebürtige Hamburger, der in Rostock aufgewachsen ist, zuletzt fast ein Jahr in der Reha statt auf dem Rasen.

Den Weg zurück in den professionellen Fußball hat der 1,93 Meter große Verteidiger nicht geschafft. „Es ging einfach nicht mehr. Ich konnte körperlich nicht mehr auf dem nötigen Niveau spielen“, sagt Jensen, der noch immer einen „Knochenanker“ aus Titan im linken Bein hat. Wehleidig oder verbittert klingt Jensen nicht, wenn er über diese schwere Zeit und das Ende seine Profi-Träume spricht. „Ich bin jetzt draußen und genieße die Freiheiten, die ich habe“, sagt der junge Mann, der heute an der Universität München studiert, um Arzt zu werden. Während der langen Reha-Zeit in Sinsheim habe er „sehr viel Zeit“ gehabt, einen Plan B für sein Leben zu entwickeln. Ein Medizinstudium wäre vermutlich der Plan A gewesen, wenn Pelle Jensen nicht so ein talentierter Kicker gewesen wäre.

Als Achtjähriger kam der aufgeweckte Blondschopf von Warnow Papendorf zu Hansa Rostock und schaffte dort den Sprung in die Nachwuchsnationalmannschaften des DFB. Seine Mitspieler damals waren heute berühmte Kicker wie Mario Götze, Shkodran Mustafi und Marc-André ter Stegen. Zwei von ihnen wurden später Weltmeister, alle spielen mittlerweile bei europäischen Topvereinen. „Manchmal sind es Kleinigkeiten, die die Weiche in die eine oder andere Richtung stellen“, sagt Jensen, ohne damit die Möglichkeit einer ähnlich steilen Karriere für sich beanspruchen zu wollen.

Schon als der überdurchschnittlich begabte Schüler 2011 am Rostocker Christophorus- Gymnasium sein Abitur mit der Traumnote 1,0 machte und zum „Eliteschüler des Sports“ gekürt wurde, dachte der Blondschopf an ein späteres Medizinstudium. Priorität hatte damals allerdings der Fußball.

Nebenbei begann er ein Jura-Fernstudium. Hansa-Trainer Peter Vollmann hatte den Defensivmann in den Profikader geholt. Schon damals wollte Bundesligist 1899 Hoffenheim den groß gewachsenen Defenisvmann verpflichten, doch ein Wechsel scheiterte an Hansas Ablöseforderungen. Jensen spielte unter Vollmann und dessen Nachfolger Wolfgang Wolf in der darauffolgenden Saison dann keine Rolle. „Das war ein verschenktes Jahr für mich“, erinnert sich der Neu-Münchner.

Nach seinem Wechsel zu 1899 Hoffenheim im Sommer 2012 nahm Jensens Karriere dann zunächst Fahrt auf. „Nach einem Monat in der zweiten Mannschaft ging es zügig zu den Profis“, erzählt der Rechtsfuß, der es zwei Mal in die Bundesliga-Startelf schaffte. Doch so ging es nicht weiter, auch weil es unruhig im Verein war und Trainer und Manager mehrfach wechselten. Hinzu kamen immer wieder Verletzungsprobleme. „Als Verletzter spielt man keine Rolle, man ist nichts mehr wert“, sagt Jensen. Aus Sicht des Vereins sei das nachvollziehbar, sagt er, „aber für einen selbst ist das eine Belastung“. Am Vertragsende im Juni 2016 war der Schlussstrich unausweichlich.

„Der Abschied ist mir relativ leicht gefallen“, erzählt der gebürtige Hamburger, der heute in München in einer Dreier-WG wohnt und die Vorzüge des Studentenlebens zu schätzen gelernt hat. An der Uni habe er sich „gleich zu Hause gefühlt“. Auch dass er nicht mehr so viel Geld zur Verfügung hat wie als professioneller Fußballer, schränke ihn nicht ein: „Mir ist es beim Fußball nie ums Geldverdienen gegangen. Für mich sind fünf Euro heute genauso viel wert wie in meiner aktiven Zeit.“

Der Fußball spielt in Pelle Jensens Leben nur noch eine Nebenrolle. Er pflegt seine alten Freundschaften mit Profis wie Tommy Grupe (Hansa), Tom Weilandt (VfL Bochum) oder Ben Zolinski (SC Paderborn), aber ins Stadion geht er kaum noch. „Der Fußball ist nicht mehr so präsent“, sagt der Ex-Profi, trinkt seinen Kaffee aus und radelt zurück ins Studentenleben.

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