18. Juni 2018 / 09:07 Uhr

Keine Feierstimmung beim Public Viewing: Lange Gesichter in Niedersedlitz

Keine Feierstimmung beim Public Viewing: Lange Gesichter in Niedersedlitz

Jochen Leimert
Diese kleinen Fans waren vom 0:1 der Deutschen gegen Mexiko nicht begeistert.
Diese kleinen Fans waren vom 0:1 der Deutschen gegen Mexiko nicht begeistert. © Jochen Leimert
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Beim gemeinsamen Fiebern mit der DFB-Elf wollte ob der Niederlage gegen Mexiko keine rechte Begeisterung aufkommen.

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Dresden. Es ist angerichtet, als die Fans am Sonntagnachmittag frohen Mutes und in DFB-Trikots in die Sachsenwerk-Arena kommen: Die Halle ist mit bunten Fähnchen geschmückt, die Biertische stehen in Reih und Glied, auf der großen Leinwand läuft die Übertragung aus dem WM-Studio bereits. Gastgeber Matthias Schulz, früher Oberliga-Spieler bei Dynamo und später Trainer beim Dresdner SC und beim Chemnitzer FC, weiß, was man Fußballfans zum Public Viewing bieten muss.

Internationale Pressestimmen zum DFB-Spiel gegen Mexiko

Die internationale Presse berichtet ausführlich von der deutschen Pleite gegen Mexiko.  Zur Galerie
Die internationale Presse berichtet ausführlich von der deutschen Pleite gegen Mexiko.  ©
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Buhrufe für Özil

Ein 0,4-Liter-Becher Bier Marke Freiberger kostet 2,50 Euro, es gibt zum gleichen Preis eine Bratwurst. Ein Fischbrötchen kostet zwei Euro, ein Schnitzel im Brötchen vier. Auch hausgemachte Pizza (3,50 Euro) steht bereit. Die Leute greifen zu, stärken sich noch einmal für das Spiel Deutschland gegen Mexiko. Sie hoffen auf eine zünftige Fußballfete. Einige füllen noch die ausgelegten Tippscheine aus, es gibt ja auch etwas zu gewinnen: eine Freistunde Bubble-Ball für die Familie im Wert von 132 Euro. Schulz (54) ist selbst optimistisch: „Ich tippe 3:0 – aber nicht für Mexiko. Sami Khedira schießt das erste Tor.“ Auch Bernd Schäfer glaubt an Jogis Männer. „2:1 für uns“, sagt der 70-Jährige. Der Kegelfreund vom SV Dresden-Neustadt ist nicht das erste Mal zum Public Viewing in der Sachsenwerk-Arena: „Ich war schon bei der letzten WM hier. Ist doch viel schöner, als wenn man zu Hause allein vorm Fernseher sitzt.“

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Als um 16.53 Uhr im Luschniki-Stadion von Moskau die deutsche Nationalhymne erklingt, bleibt der Rentner sitzen. Einige Besucher stehen auf und verfolgen genau, wer von den Nationalspielern mitsingt und wer nicht. Zum Ende des Rituals gibt es Beifall, eine Hupe dröhnt. Während die Kamera kurz vorm Anpfiff Mesut Özil einfängt, gibt es ein paar Buhs.

Gebannter Blick auf den Bildschirm in der Sachsenwerk-Arena.
Gebannter Blick auf den Bildschirm in der Sachsenwerk-Arena. © Jochen Leimert

Die Stimmung kippt

Als Timo Werner dann in der 3. Minute am langen Pfosten vorbei schießt, sind die Fans voller Zuversicht. Dass Manuel Neuer um 17.09 Uhr den ersten Fernschuss halten muss, beunruhigt niemanden. Jetzt versucht es Werner aus der Drehung – 20 Minuten sind gespielt und die Dresdner klatschen. Als Guillermo Ochoa zwei Minuten später den Flachschuss von Toni Kroos pariert, rechnen die Fans fest mit der deutschen Führung, obwohl die Mexikaner frech attackieren. Und plötzlich kippt die Stimmung: Hirving Lozano trifft zum 1:0 für den Außenseiter. „Klares Foul!“, schimpft Bernd Schäfer. Der Niedersedlitzer hat eine Regelwidrigkeit vor dem Gegentor gesehen. Der ausgebliebene Pfiff des iranischen Referees wurmt ihn, die nächste Chance der Lateinamerikaner in der 44. Minute nicht minder. „Wenn die das heute vergeigen und gegen Schweden unentschieden spielen, dann war es das mit der Titelverteidigung“, schwant ihm Böses. Ein anderer Gast poltert in der Halbzeit: „Der Trainer muss weg – das ist doch katastrophal!“

Deutschland in der Einzelkritik: Die Noten zum WM-Spiel gegen Mexiko

Deutschland verliert das erste WM-Spiel gegen Mexiko. Alle DFB-Spieler hier in Noten. Klickt euch durch! Zur Galerie
Deutschland verliert das erste WM-Spiel gegen Mexiko. Alle DFB-Spieler hier in Noten. Klickt euch durch! ©

Die zweite Spielhälfte beginnt zäh. Als zwei Mexikaner in der 57. Minute aufs Neuer-Tor zulaufen, raufen sich die Fans die Haare. Was geht denn hier ab? Doch die DFB-Elf hat noch einmal Glück. Um 18.16 Uhr kommt Marco Reus für Khedira rein, später Mario Gomez für Marvin Plattenhardt. Deutschland drückt jetzt, hat beste Chancen, doch die Verzweiflung in der Sachsenwerk-Arena wächst. Ein Aufschrei ertönt, als Löws letzter Joker Julian Brandt in der 88. Minute scheitert.

Dann ist das Spiel aus, der Weltmeister düpiert. Nicht nur Schäfer macht sich schnurstracks auf den Heimweg. Rasch wird es still in der Halle, Schulz wird heute seine Getränkevorräte nicht restlos verkaufen. Auch beim Gewinnspiel gibt es keinen Sieger – niemand hatte den 1:0-Sieg der Mexikaner richtig getippt.

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