05. April 2017 / 08:14 Uhr

Keine Genehmigung für FC Inter: Schwarzbau im Mariannenpark

Keine Genehmigung für FC Inter: Schwarzbau im Mariannenpark

Klaus Staeubert
Sozialgebäude FC International Mariannenpark
Dieser Bau im Mariannenpark sorgt für Ärger. © Dirk Knofe
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Der Oberligist hat auf dem denkmalgeschützten Areal ohne behördlichen Segen gebaut. Das sorgt für Ärger. Auch darüber hinaus gibt es allerlei Probleme rund um den Club, der sich öffentlichkeitswirksam Integration auf die Fahnen geschrieben hat.

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Leipzig. Eigentlich ist Fairplay im Sport oberstes Gebot. Doch beim Bau seines neuen Sozialgebäudes am Sportplatz im Mariannenpark in Schönefeld hat es der FC International mit der Fairness nicht so genau genommen. Der Verein hatte dafür keine Genehmigung. Er räumte den Schwarzbau inzwischen ein. Die Stadt prüft nun den Fall. Brisant: Der Mariannenpark genießt einen besonderen Schutz. Er steht seit 1991 als Denkmal der Garten- und Landschaftsgestaltung auf der Kulturdenkmalliste des Freistaates Sachsen. Das Gesetz sieht bei Verstößen Strafen bis zu 125. 000 Euro vor.

Beim FC International ist man derzeit bemüht, die Wogen zu glätten. Für Donnerstag hat Geschäftsführerin Ulrike Schlupp Stadträte und Bezirksbeiräte deshalb auf das Trainingsgelände eingeladen. In dem Schreiben an sie informierte Schlupp, dass der Verein „im letzten Jahr die Errichtung eines Funktionsgebäudes“ bei der Stadt beantragt hatte. Die eingereichten Unterlagen seien jedoch unvollständig gewesen. Schlupp: „Die Nachreichungen wurden von uns versäumt. Daher liegt der Fehler einzig beim FC International e.V. Dies bedauern wir.“ Und weiter: „Das Gebäude ist ein in Teilen bereits fertiges Objekt, das zerlegt auf das Gelände transportiert wurde. Es kann jederzeit wieder entfernt werden.“

Areal am alten Postbahnhof in Leipzig
Am alten Postbahnhof will Inter-Hauptsponsor CG Gruppe ein Stadion bauen. © Dirk Knofe
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Hintergrund: Der FC International nutzt einen der vier Sportplätze auf der Anlage im Mariannenpark. Er ist seit seiner Gründung 2014 einer der beiden Hauptpächter, an die die Stadt die kommunale Sportanlage vermietet hat. Doch die Umkleide- und Sanitärräume befinden sich auf dem Teil, den der SV Wacker bewirtschaftet. Anfangs durfte der neue Verein den Sozialbau mit nutzen. „Es gab eine Absprache, die in einer anderen Zeit und unter anderen Umständen getroffen wurde“, sagt Ulf Graichen, Finanz- und Infrastrukturvorstand beim FC International. Fakt ist: Sein Verein kommt in das Sozialgebäude nicht mehr rein. „Wir mussten reagieren“, so Graichen. Denn mittlerweile trainierten 280 Kinder unter dem Dach von FC International, ohne sanitäre Anlagen gehe es nicht. Das habe man auch im Rathaus gewusst. „Es gab Abstimmungsgespräche mit der Stadt“, so Graichen. Er versicherte, dass der neue Bauantrag nunmehr in den nächsten Tagen eingereicht werde.

Mehr zum Thema: Zeitplan für neue Spielstätte des FC Inter offen

Das Klima auf dem Platz ist seit Langem angespannt. „Wir haben den FC Inter mit offenen Armen empfangen und einen Arschtritt nach dem anderen bekommen“, fasst Holger Drendel seine Enttäuschung in harsche Worte. Er ist Vorsitzender des SV Wacker, der 2014 einen der vier Fußballplätze für den FC International freiwillig freigemacht hatte. In einem Kooperationsvertrag zwischen den beiden Vereinen sei unter anderem die Nutzung der Umkleide- und Sanitärräume geregelt gewesen. Drendel: „Das hat einen Monat gehalten. Die machen, was sie wollen.“ Beim neuen Klub habe man es mit der Sauberkeit nicht so genau genommen, auch ein anderer Verein, der auf dem Gelände trainiert, bestätigt das. Der FC International, der sich als „Integrationsfaktor für unterschiedliche Kulturen und Bevölkerungsschichten“ versteht und zu dessen prominentesten Unterstützern der frühere Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) zählt, schulde laut Drendel dem SV Wacker „mehrere tausend Euro“. So beteilige er sich unter anderem nicht an den Kosten für die Müll- und Regenwasserentsorgung. Der Sportbehörde sei das bekannt, sie unternehme aber nichts. Drendel glaubt auch zu wissen, warum: „Die Stadt mobbt uns hier raus, damit Inter die ganze Sportanlage übernehmen kann.“

Stadtrat stellt Anfrage an die Verwaltung

Zu den Vorgängen auf dem Sportplatz will sich Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes nicht äußern. Sie erklärte, „dass diverse Vertragsstreitigkeiten beziehungsweise Aufklärungen zu behördlichen Genehmigungslagen zunächst mit unseren beiden Pächtern der Sportanlage Mariannenpark, unseren Vertragspartnern SV Wacker und FC International, geklärt werden müssen“.

Inzwischen beschäftigt die Sache auch den Stadtrat. Der CDU-Politiker Ansbert Maciejewski fordert in einer Anfrage von der Verwaltung Aufklärung zu den Bauaktivitäten des FC International. „Jeder, der in dieser Stadt ohne Genehmigung ein Carport auf seinem Grundstück baut, kriegt es mit dem Bauordnungsamt zu tun“, sagt er. „Und hier wird einfach tatenlos zugesehen. Offenbar wird in Leipzig der FC Inter mit seinem Sponsor, der CG-Gruppe, anders behandelt als die übrigen Vereine.“

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